Wer heute auf Navitas Semiconductor blickt, sieht ein Unternehmen, das an mehreren Fronten gleichzeitig kämpft – juristisch, operativ und an der Börse. Die Aktie fällt heute um 2,6 Prozent, nachdem sie bereits gestern bei 11,40 Euro geschlossen hatte. Für mich ist das kein Zufall, sondern die logische Fortsetzung eines Musters, das sich seit Wochen abzeichnet.
Ein Sektor unter Druck, ein Unternehmen mit eigenen Problemen
Der breite Ausverkauf im Halbleitersektor, ausgelöst durch sich weitende Kreditspreads und eine „Derisking-Welle“ bei hochbewerteten Technologiewerten, trifft Navitas zusätzlich zu hausgemachten Belastungen.
Der Philadelphia Semiconductor Index war in der vorangegangenen Sitzung um 5 Prozent eingebrochen – ein Warnsignal, das zeigt, wie nervös der Markt insgesamt geworden ist. Doch während sich andere Chiphersteller mit dem allgemeinen Gegenwind begnügen könnten, trägt Navitas zusätzliches Gewicht.
Morgan Stanley senkte am Dienstag das Kursziel von 13,70 auf 12,60 US-Dollar und beließ die Einstufung bei „Underweight“. Begründet wird das mit Bewertungsdruck über die gesamte Gruppe der Leistungshalbleiter hinweg, nachdem die Aktie im laufenden Jahr bereits deutlich zugelegt hatte. Das ist aus meiner Sicht bezeichnend: Selbst nach der jüngsten Korrektur sehen die Analysten offenbar noch keinen fairen Wert erreicht.
Zwei Klagen, ein Muster
Was mich an der aktuellen Lage besonders beschäftigt, ist die juristische Gemengelage. Navitas hat am 10. August selbst Klage gegen Renesas Electronics eingereicht und wirft dem Konkurrenten vor, mit dessen „SuperGaN“-Produktlinien vier eigene Patente zu verletzen. Am selben Tag musste sich das Unternehmen aber auch gegen eine Klage von Wolfspeed zur Siliziumkarbid-Technologie verteidigen.
Zwei Klagen an einem Tag, einmal als Kläger, einmal als Beklagter – das spricht für mich weniger für aggressive Wettbewerbsstrategie als für ein Unternehmen, das seine technologische Position mit allen verfügbaren Mitteln verteidigen muss, weil der operative Spielraum eng ist.
Diese Enge zeigt sich in den Zahlen des zweiten Quartals: Der Umsatz brach um 27,3 Prozent auf 10,53 Millionen US-Dollar ein, der GAAP-Nettoverlust lag bei 228,22 Millionen US-Dollar, getrieben von einer nicht zahlungswirksamen Belastung von 203 Millionen US-Dollar.
Der bereinigte Verlust von 0,04 US-Dollar pro Aktie traf zumindest die Erwartungen der Analysten. Positiv immerhin: Die Prognose für das dritte Quartal liegt bei 13,5 Millionen US-Dollar, plus oder minus 0,5 Millionen, was einem sequenziellen Wachstum von 28 Prozent entspräche und die Rückkehr zu einem Jahresvergleich mit Plus-Vorzeichen andeutet.
Institutionelles Interesse trotz allem
Interessant finde ich, dass Old West Investment Management trotz der Turbulenzen im zweiten Quartal 2026 eine neue Position aufgebaut hat – 427.322 Aktien für rund 7,66 Millionen US-Dollar. Solche Zukäufe zeigen, dass nicht jeder institutionelle Investor die Aktie abschreibt.
Navitas selbst versucht parallel, die Investorenbasis zu pflegen: Das Unternehmen nahm am virtuellen Rosenblatt Technology Summit teil und plant Auftritte auf der Jefferies-Halbleiterkonferenz in Chicago sowie der Deutsche-Bank-Technologiekonferenz in Dana Point Ende August, inklusive Einzelgesprächen mit Investoren am 25. August.
Mein Fazit
Unterm Strich sehe ich bei Navitas ein Unternehmen im Zangengriff: von außen der allgemeine Vertrauensschwund gegenüber hochbewerteten Techwerten, von innen schrumpfende Umsätze und ein Kreuzfeuer aus Patentstreitigkeiten. Die 50-Tage-Durchschnittslinie liegt bei 13,28 Euro, aktuell notiert die Aktie mit 11,10 Euro deutlich darunter – ein Signal dafür, dass der kurzfristige Trend nach unten zeigt.
Die Wachstumsprognose für das dritte Quartal gibt zumindest einen Hoffnungsschimmer, doch die Kombination aus Bewertungsskepsis der Analysten und juristischer Unsicherheit dürfte die Aktie meiner Einschätzung nach vorerst in einem volatilen, eher abwärtsgeneigten Korridor halten. Wer hier engagiert ist, braucht Geduld – und einen langen Atem für die Gerichtssäle.
Navitas Semiconductor Corporation-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Navitas Semiconductor Corporation-Analyse vom 19. August liefert die Antwort:
Die neusten Navitas Semiconductor Corporation-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Navitas Semiconductor Corporation-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 19. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Navitas Semiconductor Corporation: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...