Ein staatliches Infrastrukturvorhaben in Großbritannien sorgt für Bewegung im Markt für Stromübertragung. Am Dienstag kündigten das britische Department for Energy Security and Net Zero sowie Great British Energy die Gründung von Great British Grid an.
Die öffentlich finanzierte Körperschaft soll künftig eigene Investitionen in Netzanbindungen tätigen und bei Ausschreibungen für neue Übertragungsprojekte direkt mit privaten Betreibern konkurrieren.
Die Pläne zielen darauf ab, den Ausbau von Netzanschlüssen zu beschleunigen und die Systemkosten zu senken. Zu den unmittelbar betroffenen Unternehmen zählt der britische Netzbetreiber National Grid, dessen Aktie am Donnerstag mit einem Minus von 0,6 Prozent bei 13,34 Euro schloss.
Begrenzte Eingriffe in das Bestandsgeschäft
Trotz der Ankündigung neuer Wettbewerbsstrukturen betont die britische Regierung, dass die bestehenden Aufgaben und Anlagen der etablierten Infrastrukturbetreiber unangetastet bleiben. Great British Grid soll demnach primär zusätzliche Kapazitäten erschließen, anstatt bestehende Vermögenswerte zu übernehmen.
Auch Marktbeobachter stufen die operativen Folgen für National Grid vorerst als moderat ein. Phil Ross vom Vermögensverwalter Quilter Cheviot merkte an, dass der tatsächliche Einfluss der neuen Körperschaft auf die etablierten Betreiber gering ausfallen dürfte.
Medienberichten zufolge lasten neben den politischen Debatten vor allem gestiegene Anleiherenditen auf den Kursen britischer Versorgerwerte, da festverzinsliche Papiere im aktuellen Zinsumfeld wieder eine stärkere Renditekonkurrenz darstellen. Mit dem jüngsten Kursniveau notiert das Papier rund 18 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 16,20 Euro.
Netzinnovationen und US-Förderung
Abseits der britischen Regulierungspolitik treibt das Unternehmen eigene Modernisierungsprojekte voran. Am 25. September bestätigte National Grid, dass das Unternehmen für Fördermittel des US-Energieministeriums ausgewählt wurde.
Die Mittel fließen in das sogenannte DREAM-Projekt, das durch den Einsatz fortschrittlicher Übertragungstechnologien die Zuverlässigkeit und Effizienz des unternehmenseigenen Netzes in der Region Neuengland steigern soll.
Parallel dazu treibt die Verteilnetzsparte des Konzerns die Flexibilisierung der heimischen Infrastruktur voran. Am 18. September startete der Betreiber eine Ausschreibungsrunde für langfristige Flexibilitätsdienstleistungen über mehr als 800 Zonen hinweg.
Die Initiative umfasst ein Vertragsvolumen mit einem Anforderungsprofil von mehr als 2,8 Terawattstunden und einem potenziellen Marktwert von bis zu 4,6 Millionen Pfund. Die Vergabe dieser Kontrakte ist für Januar 2027 avisiert.
Analystenseitig wurde der langfristige Wachstumspfad des Konzerns zuletzt positiv bewertet. Am 15. September nahm das Analysehaus Bernstein die Einstufung für National Grid mit „Outperform“ und einem Kursziel von 1.310 Pence wieder auf.
Die Experten verwiesen auf das verlässliche Wachstum im regulierten Kerngeschäft, mahnten jedoch zugleich die Risiken durch britische Verstaatlichungsdebatten, die Zinsentwicklung und die Umsetzung der geplanten Investitionsausgaben an.
National Grid-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue National Grid-Analyse vom 02. Oktober liefert die Antwort:
Die neusten National Grid-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für National Grid-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 02. Oktober erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
