Unerwartet robuste Konjunkturdaten aus den USA und steigende Renditen an den Anleihemärkten haben zinssensible Versorgerwerte zuletzt spürbar belastet.
Laut der Nachrichtenagentur Reuters gerieten Infrastrukturbetreiber durch das veränderte Zinsumfeld unter Druck, da festverzinsliche Papiere im Wettbewerb um defensive Anlagegelder an Attraktivität gewinnen. Vor diesem übergeordneten Markthintergrund notiert das Papier von National Grid bei 13,29 Euro und gewinnt heute 0,2 Prozent.
Damit liegt die Notierung rund 18 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 16,20 Euro. Während das makroökonomische Umfeld kurzfristig die Bewertung dämpft, setzt der Konzern operativ die Modernisierung seiner Netze in Großbritannien und den USA fort.
Milliardenprojekte in Wales und Somerset
Im operativen Geschäft treibt der Netzbetreiber seine Infrastrukturvorhaben planmäßig voran. Für den Bau eines neuen Umspannwerks in Aberthaw hat das Unternehmen Bürgerinnen und Bürger zu Informationsveranstaltungen eingeladen, die am 6. Oktober beginnen. Das Projekt ist Teil eines Fünfjahresprogramms mit einem Gesamtvolumen von 3,2 Milliarden Pfund für das walisische Stromnetz.
Parallel dazu meldete National Grid den Abschluss eines zentralen Bauabschnitts beim Großprojekt Hinkley Connection. In den Mendip Hills wurde die Renaturierung entlang einer 8,5 Kilometer langen Erdkabeltrasse beendet. Im Zuge dieser Maßnahmen erfolgte zudem der Rückbau von 35 Freileitungsmasten, um das Landschaftsbild zu schonen.
Solche Erdkabel- und Modernisierungsprojekte verdeutlichen den hohen technischen Aufwand, der mit dem Anschluss neuer Energiequellen verbunden ist. Für Versorger bedeuten diese Maßnahmen erhebliche Kapitalausgaben, schaffen im regulierten Segment aber zugleich langfristig planbare Ertragsgrundlagen.
Neue Mechanismen für die Netzstabilität
Neben klassischen Baumaßnahmen erweitert das Unternehmen seine digitalen Steuerungsmechanismen. Über die Sparte National Grid DSO startete am 21. September eine Flexibilitätsbeschaffungsrunde über mehr als 800 Zonen. Das Volumen umfasst einen Bedarf von mehr als 2,8 Terawattstunden mit einem Marktwert von bis zu 4,6 Millionen Pfund.
Dabei führt der Netzbetreiber erstmals einen Dienst für das lokale Spannungsmanagement ein. Zudem handelt es sich um die bisher größte Beschaffungsrunde für Flexibilitätsdienstleistungen im Hochspannungsnetz, die sich über 99 Zonen erstreckt. Diese Verfahren dienen dazu, Netzengpässe ohne teuren Netzausbau über flexible Lasten und Einspeisungen auszugleichen.
Unterstützung für diesen infrastrukturellen Kurs signalisierten auch Analysten. Am 15. September nahm Bernstein Research die Einstufung für National Grid mit „Outperform“ und einem Kursziel von 1.310 Pence wieder auf. Das Analysehaus begründete das positive Votum mit dem Wachstum im regulierten Netzbereich sowie den langfristigen Chancen durch den Umbau der Energieversorgung.
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