Der NASDAQ 100 startet unter Druck in den Freitag. Eine explosive Mischung aus eskalierendem Nahostkonflikt und schwächelndem Arbeitsmarkt setzt dem Tech-Index zu. Die Futures notieren vorbörslich bei rund 24.910 Punkten – ein Minus von 139 Zählern oder 0,55 Prozent.
Am Donnerstag schloss der Index bereits 0,30 Prozent tiefer. Der Dow Jones traf es härter: Über 900 Punkte Verlust, ein Minus von 1,8 Prozent. Der VIX-Angstbarometer schnellte um knapp 20 Prozent auf 25,26 nach oben. Die Märkte sind nervös.
Öl und Zinsen als Belastungsfaktoren
Der Krieg mit Iran hat den Ölpreis auf ein 13,5-Monats-Hoch katapultiert. WTI-Crude verteuerte sich um über sechs Prozent. Das schürt Inflationssorgen und treibt die Anleiherenditen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf ein Drei-Wochen-Hoch von 4,15 Prozent.
Höhere Zinsen belasten Wachstumsaktien besonders stark. Der Nasdaq 100 bewegt sich innerhalb seiner 52-Wochen-Spanne von 16.542 bis 26.182 Punkten derzeit deutlich unter den Jahreshochs. Auf Zwölf-Monats-Sicht steht dennoch ein Plus von 21,65 Prozent zu Buche.
Die Märkte preisen aktuell eine 97-prozentige Wahrscheinlichkeit ein, dass die Fed die Zinsen im März unverändert lässt. Die erste Zinssenkung 2026 wird mittlerweile erst für Oktober erwartet – ursprünglich galt Juli als realistisch.
Marvell Technology als Lichtblick
Inmitten des Abwärtstrends liefert Marvell Technology eine Glanzleistung. Die Aktie schoss vorbörslich um zwölf Prozent nach oben auf 84,29 Dollar. Der Chipkonzern übertraf die Erwartungen und hob die Prognose kräftig an.
Das vierte Quartal brachte Erlöse von 2,22 Milliarden Dollar – knapp über der Konsensschätzung von 2,21 Milliarden. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 80 Cent, ein Cent über den Erwartungen.
Noch wichtiger: Der Ausblick überzeugte. Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet das Management ein Umsatzwachstum von über 30 Prozent auf rund elf Milliarden Dollar. Das erste Quartal soll 2,4 Milliarden Dollar einbringen. Für 2028 peilt Marvell Erlöse nahe 15 Milliarden Dollar an bei einem bereinigten Gewinn je Aktie von deutlich über fünf Dollar.
Auch Samsara (IOT) legte vorbörslich um elf Prozent zu nach starken Quartalszahlen. Oracle kletterte um ein Prozent – trotz geplanter Stellenstreichungen zur Finanzierung einer massiven KI-Rechenzentren-Expansion.
Der NFP-Bericht als Stimmungsmacher
Um 14:30 Uhr deutscher Zeit steht das wichtigste Ereignis des Tages an: der US-Arbeitsmarktbericht für Februar. Ökonomen erwarten lediglich 59.000 neue Stellen – deutlich weniger als die 110.000 im Januar.
Die Arbeitslosenquote dürfte bei 4,3 Prozent verharren. Ein Zeichen für einen abkühlenden, aber nicht kollabierenden Arbeitsmarkt. Die Bandbreite der Schätzungen ist allerdings groß. Interne Modelle deuten auf 100.000 bis 130.000 neue Jobs hin.
Ein deutlich über den Erwartungen liegender Wert würde die Renditen nach oben treiben und hoch bewertete Tech-Aktien unter Druck setzen. Ein Einbruch könnte Rezessionsängste schüren und ebenfalls Verkaufsdruck auslösen.
Technisch angeschlagen
Der Nasdaq 100 notiert unterhalb aller wichtigen gleitenden Durchschnitte. Der 200-Tage-Schnitt liegt bei 25.164 Punkten, der 100-Tage-Durchschnitt bei 25.260. Ende Februar prallte der Index genau an dieser Marke ab und wurde von institutionellen Verkäufern zurückgedrängt.
Der Widerstandsbereich 24.950 bis 25.100 Punkte ist kurzfristig entscheidend. Darunter fungiert die Marke von 24.000 Punkten als absolute Unterstützung. Erst ein nachhaltiger Ausbruch über 26.160 Punkte würde technisch neues Aufwärtspotenzial bis 26.768 Punkte eröffnen.
Die kurzfristigen Momentum-Indikatoren sind ins schwache Terrain gerutscht. Der monatliche Trend bleibt zwar intakt, doch die Quartals-Dynamik zeigt stark nach unten. Eine technische Erholung in Richtung 25.500 Punkte wäre möglich, sofern die Jobdaten positiv überraschen und sich die Lage im Nahen Osten entspannt.
Der heutige Handel wird zeigen, ob die KI-getriebene Halbleiter-Stärke ausreicht, um makroökonomische Gegenwind zu kompensieren. Die Antwort kommt um 14:30 Uhr.
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