Gegensätzliche Kräfte bestimmen die Lage am NASDAQ 100. Während Halbleiterwerte nach tagelangen Verlusten wieder anziehen, sorgt Oracle für einen neuen Dämpfer — und Trumps Iran-Drohungen machen eine robuste Erholung zur Zitterpartie.
Oracle kostet, Chips profitieren
Am Donnerstag taxierten Marktbeobachter den Nasdaq 100 vorbörslich rund 0,7 Prozent höher auf etwa 28.716 Punkte — nach einem Minus von knapp zwei Prozent am Mittwoch. Doch das Bild ist gespalten.
Oracle-Aktien brachen vorbörslich um rund zehn Prozent ein. Der Auslöser: die nachbörslich vorgelegten Quartalszahlen, in denen ein enormer Kapitalbedarf für den Aufbau von Rechenzentrumskapazitäten deutlich wurde. Für Anleger war das zu viel des Guten — die Aktie wurde abgestraft.
Paradoxerweise wirkt diese Nachricht für den Chipsektor als Rückenwind. Die hohen Ausgaben für Rechenzentren signalisieren anhaltend starke Nachfrage nach Halbleitern. Marvell Technology, Applied Materials und Intel gewannen jeweils mehr als vier Prozent. Intel profitierte obendrein von einer Hochstufung durch die Bank of America — von „Underperform“ auf „Buy“.
Geopolitik bleibt das Wildcard
Der eigentlich volatile Faktor ist ein anderer. Trump drohte erneut mit Angriffen auf die für Irans Ölindustrie strategisch wichtige Insel Kharg — trotz formal geltender Waffenruhe. Die Ölpreise zogen daraufhin wieder an, die Stimmung blieb fragil.
Am Mittwoch hatte dieses Gemenge aus Iran-Eskalation, Gewinnmitnahmen im Halbleitersektor und einem überraschend stark gestiegenen CPI den Nasdaq 100 auf 28.508 Punkte gedrückt. Die US-Inflation kletterte im Mai erstmals seit drei Jahren über vier Prozent — ein Wert, der Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen weiter dämpft. Fed-Chef Kevin Warsh dürfte bei seiner abwartenden Haltung bleiben.
SpaceX im Blick
Ein weiterer Faktor, der die Marktstimmung im Tech-Segment beeinflusst: der für Freitag geplante Börsengang von SpaceX. Die Nachfrage soll das Angebot laut Berichten mehr als viermal übersteigen — was bedeutet, dass erhebliche Liquidität aus dem Sektor abgezogen werden könnte, bevor die eigentliche Handelswoche endet. Defensive Werte wie T-Mobile US und Coca-Cola hatten bereits am Mittwoch zu den relativen Gewinnern gezählt.
Ob die Erholung im Nasdaq 100 Bestand hat, entscheidet sich kurzfristig an der Geopolitik: Eskaliert der Iran-Konflikt weiter, könnten steigende Ölpreise und Risikoaversion die zarten Gewinne schnell wieder aufzehren.
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