Ein Konzern, der noch vor Jahresfrist tief in den roten Zahlen steckte, meldet zum Halbjahr die größte Übernahme seiner Geschichte — und gleichzeitig die Rückkehr zur Vertragstreue bei seinen Anleihen. Bei Mutares kommen an diesem Dienstag mehrere Entwicklungen zusammen, die zeigen, wie volatil das Geschäftsmodell des Beteiligungskonzerns sein kann.
Adjusted EBITDA dreht deutlich ins Plus
Der Konzernumsatz kletterte im ersten Halbjahr 2026 um 9 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Entscheidender ist der Blick auf die operative Substanz: Das Adjusted EBITDA sprang von minus 89 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf plus 67 Millionen Euro. Das unbereinigte EBITDA fiel dagegen von 598 auf 349 Millionen Euro, weil im Vorjahr größere Einmaleffekte aus Übernahmen zu Buche schlugen.
Auf Holding-Ebene sieht das Bild gemischter aus. Die Erlöse aus Beratungsleistungen und Management Fees sanken leicht auf 49 Millionen Euro, das bereinigte Nettoergebnis brach von 70 auf 6 Millionen Euro ein. Der Vorstand begründet das mit Kapitalmarktkosten für die Kapitalerhöhung und ein Anleiheverfahren. Für das Segment Automotive & Mobility blieben Stornierungen und verschobene Serienanläufe belastend, während Efacec, NEM Energy Group und Nord Gas Solutions im Segment Energy & Technology deutlich zum positiven Ergebnis beitrugen.
Größte Übernahme der Firmengeschichte
Parallel zu den Zahlen vollzog Mutares den Erwerb des Geschäftsbereichs Engineering Thermoplastics von SABIC — zu einem Unternehmenswert von 450 Millionen Dollar die bislang größte Transaktion des Konzerns. Das nun als NexPoint Materials firmierende Unternehmen bringt einen Jahresumsatz von rund 2,5 Milliarden Dollar, acht Produktionsstandorte und etwa 2.800 Mitarbeitende mit. Mit Marken wie Lexan und Cycoloy positioniert sich Mutares als weltweit zweitgrößter Polycarbonat-Hersteller und schafft dafür ein eigenes neues Segment namens Chemicals & Materials.
Auf der Verkaufsseite lief es ebenso dynamisch: Kalzip, inTime Group, Peugeot Motocycles und mehrere kleinere Beteiligungen wechselten den Besitzer, der vollständige Exit bei Terranor brachte rund 50 Millionen Euro Bruttoerlös. Die bislang größte Exit-Transaktion des Jahres steht mit dem vereinbarten Verkauf der NEM Energy Group an Hyundai Heavy Industries Power Systems noch bevor — der Vollzug wird im dritten Quartal erwartet.
Finanziell wichtig: Die zum Jahresende 2025 verfehlte Covenant-Kennzahl der Nordic Bonds erfüllt Mutares zum 30. Juni 2026 wieder vollumfänglich, nachdem Anleihegläubiger zuvor einen befristeten Verzicht gewährt hatten. Im Juni kaufte der Konzern zudem eigene Anleihen mit einem Nominalvolumen von rund 18 Millionen Euro zurück — Teil des Plans, die Holding-Verschuldung bis Jahresende auf 250 bis 300 Millionen Euro zu drücken.
Der Vorstand bestätigt die Jahresprognose von 7,9 bis 9,1 Milliarden Euro Konzernumsatz und einem Holding-Jahresüberschuss zwischen 165 und 200 Millionen Euro. Bis 2030 soll der Umsatz jährlich um mindestens 25 Prozent wachsen — die bisherigen Mittelfristziele für 2028 will Mutares damit früher erreichen als geplant. Mehr Details zum Zahlenwerk liefert der vollständige Halbjahresbericht, den das Unternehmen am 18. August im Rahmen eines Earnings Calls erläutert.
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