Mutares hat am Dienstag die größte Übernahme der Firmengeschichte abgeschlossen und zugleich die Zahlen für das erste Halbjahr 2026 vorgelegt. Der Münchener Beteiligungskonzern übernahm das Geschäft mit technischen Kunststoffen („Engineering Thermoplastics“, ETP) vom saudi-arabischen Chemiekonzern SABIC für einen Unternehmenswert von 450 Millionen US-Dollar. Das Geschäft firmiert künftig als NexPoint Materials und bildet den Kern eines neuen Segments namens „Chemicals & Materials“.
Umsatz und Ergebnis ziehen deutlich an
Der Konzernumsatz stieg im ersten Halbjahr um 9 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro, nach 3,1 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Deutlich stärker fiel die Ergebnisentwicklung aus: Das berichtete Konzern-EBITDA erreichte 349 Millionen Euro. Beim bereinigten EBITDA gelang der Turnaround – von minus 89 Millionen Euro im Vorjahr auf plus 67 Millionen Euro. Damit bestätigt sich die operative Erholung, die Mutares seit einigen Quartalen anstrebt. Das Unternehmen bekräftigte zugleich seine Jahresprognose für 2026: Erwartet werden ein Konzernumsatz zwischen 7,9 und 9,1 Milliarden Euro sowie ein Jahresüberschuss der Holding von 165 bis 200 Millionen Euro.
Für die Bondgläubiger dürfte eine weitere Meldung von Interesse sein: Mutares hält sämtliche Finanzkennzahlen der Nordic Bonds 2023/2027 und 2024/2029 zum Stichtag 30. Juni vollständig ein. Bereits Anfang Juni hatte das Unternehmen eigene Anleihen aus der Bond-Serie 2023/2027 im Nominalvolumen von rund 18 Millionen Euro zurückgekauft, um die Verschuldung der Holding zu reduzieren.
SABIC-Deal schafft neues Standbein
Der SABIC-Deal markiert für Mutares einen strategischen Schritt: Mit NexPoint Materials entsteht ein eigenständiges Segment für Chemikalien und Materialien, das die bisherige Portfoliostruktur um ein weiteres industrielles Standbein erweitert. Für ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell traditionell auf der Restrukturierung und Weiterveräußerung von Unternehmensteilen basiert, ist die Größe der Transaktion bemerkenswert – 450 Millionen US-Dollar Unternehmenswert übersteigen deutlich das übliche Volumen früherer Zukäufe.
Der Portfolioumbau lief zuletzt auf mehreren Ebenen weiter. Ende Juli veräußerte Mutares die Beteiligung Walor Precision Turning, die einen Umsatz von rund 55 Millionen Euro erwirtschaftet, an den Investor Reed Capital. Im gleichen Zeitraum übernahm der Konzern laut Reuters das Car-Sharing-Geschäft Free2move von der Stellantis-Gruppe, wobei die Transaktionssumme nicht genannt wurde. Für das dritte Quartal stehen zwei weitere Meilensteine an: der erwartete Vollzug der Übernahme von Synthomer-Geschäftsbereichen sowie der geplante Abschluss des Verkaufs der NEM Energy Group an Hyundai.
Dividende, Insidergeschäft und Kursreaktion
Auf der ordentlichen Hauptversammlung Anfang Juli beschlossen die Aktionäre eine Dividende von 2,00 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2025. Kurz darauf, Ende Juni, verkaufte Aufsichtsratsmitglied Kristian Schleede Aktien im Wert von 113.169 Euro zu einem Durchschnittskurs von 29,20 Euro – ein Vorgang, der angesichts des überschaubaren Volumens für Anleger eher als Randnotiz einzuordnen ist.
Am Kapitalmarkt hält sich die Euphorie über die operative Wende bislang in Grenzen. Die Mutares-Aktie schloss am Dienstag mit 26,90 Euro nahezu unverändert (+0,19 Prozent) und bewegt sich damit gut ein Viertel unterhalb ihres 52-Wochen-Hochs von 35,15 Euro, das im Januar erreicht wurde. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt mit 27,89 Euro leicht über dem aktuellen Kursniveau, was auf eine noch verhaltene kurzfristige Dynamik hindeutet. Das Analysehaus Cantor Fitzgerald bestätigte Ende Juli seine Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 48,00 Euro – ein Aufschlag, der die deutlich positivere Einschätzung der operativen Wende widerspiegelt, aber angesichts des Abstands zum aktuellen Kurs auch die Skepsis des breiteren Marktes offenlegt.
Der nächste wichtige Termin für Anleger ist der Earnings Call zu den Halbjahreszahlen am 18. August, bei dem das Management weitere Details zur Integration von NexPoint Materials und zum Fortgang der laufenden Transaktionen erläutern dürfte.
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