Ein Covenant-Bruch, ein Rückkaufprogramm und ambitionierte Entschuldungsziele: Bei Mutares hängt derzeit viel davon ab, ob angekündigte Verkäufe rechtzeitig Geld in die Kasse spülen. Die Aktie des Münchener Beteiligungskonzerns bleibt unter Druck.
Am Donnerstag schloss das Papier bei 27,35 Euro. Binnen einer Woche verlor die Aktie 4,37 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 8,53 Prozent zu Buche. Auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 20,15 Prozent.
Gläubiger gaben Zeit, doch die Frist ist knapp
Ende 2025 verfehlte Mutares eine zentrale Verschuldungskennzahl bei zwei Anleihen. Die Schonfrist der Gläubiger ist inzwischen ausgelaufen. Mit einem Gearing von 7,68 steht dem Eigenkapital ein Vielfaches an Verbindlichkeiten gegenüber.
Die Anleihegläubiger reagierten im Frühjahr kompromissbereit. Sie stimmten einem Verzicht auf die Kennzahl für die beiden Nordic Bonds 2023/27 und 2024/29 zu. Im Gegenzug erhielten registrierte Gläubiger eine Prämie von 1,5 Prozent des Nennbetrags.
Mutares kauft eigene Anleihen zurück
Um die Vorgaben der Gläubiger zu erfüllen, hat Mutares ein Rückkaufprogramm gestartet. Es betrifft die variabel verzinsliche Anleihe 2023/2027 mit einem Gesamtvolumen von 250 Millionen Euro. Der Kaufpreis liegt bei 101,00 Prozent des Nennwerts zuzüglich Stückzinsen und deckt bis zu zehn Prozent des ausstehenden Betrags ab.
Das Ziel ist ambitioniert: Mutares will die Gesamtverschuldung von aktuell 385 Millionen Euro bis Ende 2026 auf 250 bis 300 Millionen Euro senken. Dafür verpflichtet sich das Management zu festen Quartalsraten. Ab dem zweiten Quartal kauft Mutares mindestens 25 Millionen Euro der Anleihe pro Quartal zurück.
Verkäufe sollen die Bilanz retten
Der Erfolg dieser Strategie hängt an den angekündigten Portfolioverkäufen. Auf der Hauptversammlung Anfang Juli bestätigte der Vorstand die Jahresprognose für 2026: Der Konzernumsatz soll zwischen 7,9 und 9,1 Milliarden Euro liegen, der Jahresüberschuss der Holding zwischen 165 und 200 Millionen Euro.
Für das dritte Quartal stehen zwei Transaktionen im Zentrum der Erwartungen. Mutares will die NEM Energy Group an Hyundai Heavy Industries Power Systems verkaufen. Zusätzlich läuft ein Angebot für Walor Precision Turning. Beide Erlöse sollen direkt in den Schuldenabbau fließen.
Analysten sehen dabei Chancen und Risiken gleichermaßen. Der Free Cashflow des vergangenen Geschäftsjahres war tief negativ, auch für die kommenden Jahre erwartet der Konsens durchgehend negative Werte. Das Management hat die drohende Covenant-Verletzung durch den Anleihenrückkauf, den Abschluss der Wärtsilä-Gas-Solutions-Übernahme und Verkäufe wie NEM Energy bislang entschärft — genau die Art von aktivem Bilanzmanagement, für die der Beteiligungsinvestor bekannt ist.
Der Chart zeigt Schwäche
Die Kursschwäche spiegelt sich in den technischen Indikatoren wider. Der Titel notiert mit 27,35 Euro knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 27,63 Euro. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 28,86 Euro fehlt deutlich mehr.
Zum 52-Wochen-Hoch von 35,15 Euro aus dem Januar fehlen der Aktie noch 22,19 Prozent. Zum Jahrestief von 23,30 Euro beträgt der Abstand 17,38 Prozent. Der RSI von 43,0 signalisiert eine neutrale Marktverfassung. Die annualisierte Volatilität von 29,50 Prozent zeigt aber: Anleger müssen weiter mit größeren Kursschwankungen rechnen.
Entscheidend wird, ob die NEM-Energy- und Walor-Transaktionen im dritten Quartal wie geplant abgeschlossen werden. Nur wenn die Erlöse fristgerecht fließen, kann Mutares die vereinbarten Quartalsraten beim Anleihenrückkauf einhalten und das Entschuldungsziel für Ende 2026 erreichen.
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