Die Juli-Erneuerungsrunde im globalen Rückversicherungsmarkt hat begonnen. Die Münchener Rück startet mit deutlich weniger externem Schutz in diese wichtigen Verhandlungen. Der weltgrößte Rückversicherer trägt künftig mehr Katastrophenrisiko auf der eigenen Bilanz. Das birgt Chancen, aber auch Gefahren.
Der Konzern hat seine sogenannte Retrozessionsdeckung massiv gekürzt. Das Volumen sank von 1,55 Milliarden auf lediglich 600 Millionen US-Dollar. Das ist ein Rückgang von über 60 Prozent. Zwei Sidecar-Strukturen liefen aus. Einen auslaufenden Katastrophen-Bond verlängerte das Management nicht.
Dieser Schritt erlaubt es der Munich Re, mehr Prämieneinnahmen zu behalten. Die Folge: mehr Risiko in der anstehenden Sturmsaison. Ein starkes Kapitalpolster ermöglicht diese Strategie. Die Solvency-II-Quote liegt mit 292 Prozent weit über dem internen Zielwert.
Preisdruck im Rückversicherungsmarkt
Der Hintergrund für den Strategiewechsel ist ein harter Markt. Bei der Juni-Erneuerung sanken die Preise spürbar. Verträge mit Vorschäden verbilligten sich um bis zu 20 Prozent. Schadenfreie Programme gaben sogar um ein Viertel nach.
Die Munich Re reagierte direkt auf diese Entwicklung. Der Konzern reduzierte das gezeichnete Volumen um 18,5 Prozent auf zwei Milliarden Euro. Weltweit drücken geschätzte 805 Milliarden Dollar an Überschusskapazität auf die Prämien.
Analysten betrachten die Lage nüchtern. Die kanadische Bank RBC belässt die Einstufung auf „Sector Perform“. Das Kursziel liegt bei 490 Euro. Analyst Ben Cohen verweist zur Begründung auf anhaltende Unsicherheiten beim Prämienzyklus.
An der Börse spiegelt sich diese Skepsis wider. Die Aktie pendelt aktuell um 477,80 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von knapp 13 Prozent auf der Anzeigetafel.
Starkes Fundament trifft auf Sturmsaison
Dem Gegenwind am Markt steht ein solides operatives Geschäft gegenüber. Im ersten Quartal stieg der Nettogewinn auf gut 1,7 Milliarden Euro. Parallel dazu stützt ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm den Kurs.
Ein Unsicherheitsfaktor bleibt das Wetter. Für den Atlantik erwartet die Munich Re in diesem Jahr bis zu 13 benannte Stürme. Das Risiko verlagert sich laut Prognosen jedoch in den Nordwestpazifik. Dort rechnet der Konzern mit 27 Stürmen.
Der nächste wichtige Termin steht bereits fest. Im August präsentiert das Management den Halbjahresbericht. Neben den Finanzzahlen veröffentlicht der Konzern dann die Ergebnisse der Juli-Erneuerungsrunde. Diese Daten liefern den nächsten klaren Indikator für die Preisentwicklung am Markt. Eine erwartete Dividendenrendite von rund fünf Prozent bietet Anlegern derweil einen finanziellen Puffer.
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