Starke Quartalszahlen reichen der Münchener Rück derzeit nicht. Die Aktie fällt weiter, obwohl der Rückversicherer operativ solide dasteht und finanziell komfortabel ausgestattet ist. Der Kernkonflikt liegt im Rückversicherungsgeschäft: Gewinne hoch, Preisdruck spürbar.
Am Freitag schloss die Münchener Rück Aktie bei 452,80 Euro und verlor am Tag 1,16 Prozent. Damit markierte sie zugleich ein neues 52-Wochen-Tief. Über die vergangenen 30 Tage summiert sich das Minus auf 14,44 Prozent.
Kapitalmarktdialog in unruhiger Phase
Der jüngste Auftritt auf der Deutsche Bank Global Financial Services Conference in New York kam zu einem sensiblen Zeitpunkt. Dort war Markus Winter, President und CEO von Munich Re America, für den Konzern vertreten. Die Botschaft des Marktes ist klar: Der Blick richtet sich weniger auf die Vergangenheit als auf die Preisentwicklung in der Rückversicherung.
Der Druck zeigt sich auch im größeren Bild. Seit Jahresanfang liegt die Aktie 17,52 Prozent im Minus, auf zwölf Monate gerechnet sind es 19,72 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 605,00 Euro ist der Kurs inzwischen deutlich entfernt.
Der nächste Termin folgt sofort. Am 2. und 3. Juni steht die Goldman Sachs 30th European Financials Conference in Zürich an, angekündigt ist Finanzvorstand Andrew Buchanan. Neue Zahlen gibt es dort nicht zwingend. Relevanter dürfte sein, wie das Management den Preisdruck und die Zeichnungsdisziplin einordnet.
Gute Zahlen, schwieriger Markt
Operativ lieferte Munich Re im ersten Quartal klare Argumente. Das Konzernergebnis stieg auf 1,714 Milliarden Euro nach 1,094 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Das operative Ergebnis erreichte 2,230 Milliarden Euro.
Auch die Kapitalausstattung bleibt ein Pluspunkt. Die Solvenzquote lag bei 292 Prozent, der geplante Aktienrückkauf über 2,25 Milliarden Euro war darin bereits berücksichtigt. Das verschafft dem Konzern Spielraum, nimmt dem Markt aber nicht die Sorge vor sinkenden Margen.
Genau dort liegt der wunde Punkt. In der April-Erneuerung fiel das gezeichnete Geschäftsvolumen auf 2,0 Milliarden Euro. Das entspricht einem Rückgang um 18,5 Prozent, während die risikoadjustierten Preise um 3,1 Prozent sanken.
Munich Re verweist auf Disziplin. Geschäft wurde nicht erneuert oder neu gezeichnet, wenn Preise und Bedingungen nicht den eigenen Anforderungen entsprachen. Das ist langfristig plausibel, kann kurzfristig aber Volumen kosten.
Juli-Erneuerung wird zum Prüfstein
Die Juli-Erneuerung rückt damit in den Mittelpunkt. Munich Re erwartet, dass das weiterhin gute Preisniveau und erreichte Verbesserungen bei Vertragsbedingungen weitgehend gehalten werden können. Diese Einschätzung muss der Markt nun gegen die schwächeren April-Daten abwägen.
Die Segmentzahlen zeigen, warum die Debatte wichtig bleibt. In der Schaden/Unfall-Rückversicherung erzielte Munich Re ein Ergebnis von 841 Millionen Euro. Der Versicherungsumsatz aus abgeschlossenen Verträgen sank auf 3,923 Milliarden Euro, die Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich auf 66,8 Prozent.
Für die kommende Handelswoche zählt daher vor allem die Kommunikation aus Zürich. Der Halbjahresfinanzbericht folgt erst am 7. August, die Quartalsmitteilung zum dritten Quartal am 12. November. Bis dahin dürfte jede Aussage zu Preisen, Volumen und Zeichnungsdisziplin stärker wirken als gewöhnlich.
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