Der US-Pharmakonzern MSD baut seine Onkologie-Pipeline mit einer milliardenschweren Lizenzvereinbarung aus. Das Unternehmen sicherte sich von dem chinesischen Biotech-Entwickler SciBrunch Therapeutics die weltweiten Exklusivrechte an SPR2015, einem Wirkstoffkandidaten gegen schwer behandelbare Tumorarten.
Für MSD ist die Vereinbarung ein strategischer Schritt, um neue Umsatzquellen vor dem drohenden Patentverlust wichtiger Kassenschlager zu erschließen.
Für die Rechte an Entwicklung, Herstellung und Vermarktung zahlt der Konzern eine Vorauszahlung von 400 Millionen US-Dollar. Durch erfolgsabhängige Entwicklungs- und Vermarktungsmeilensteine kann das Gesamtvolumen der Transaktion auf bis zu 2,13 Milliarden US-Dollar anwachsen.
Die Übernahme der Rechte ist bereits abgeschlossen. In der Bilanz für das dritte Quartal 2026 schlägt die Vorauszahlung mit einer Vorsteuerbelastung von rund 0,13 US-Dollar je Aktie zu Buche.
Hoffnungsträger in der Onkologie
Bei dem lizenzierten Molekül handelt es sich um einen präklinischen oralen KRAS-G12D-Hemmer. Die zugrundeliegende Genmutation tritt insbesondere bei Bauchspeicheldrüsen-, Darm- und bestimmten Lungenkrebsarten auf. In vorklinischen Labormodellen zeigte der Wirkstoff eine selektive Hemmung mutierter Zellen sowie eine Reduktion des Tumorwachstums als Monotherapie.
Klinische Studien am Menschen stehen für die Substanz allerdings noch aus. Für Anleger birgt der frühe Entwicklungsstand entsprechende Risiken, da Verträglichkeit und Wirksamkeit im Menschen erst noch nachgewiesen werden müssen. Zudem verlangt die globale Weiterentwicklung eine Übertragung der Herstellungs- und Qualitätsstandards aus China.
Vorbereitung auf das Patentende von Keytruda
Hinter dem Zukauf steht ein strategischer Umbau der konzerneigenen Forschungspipeline. Das Krebsmedikament Keytruda steuerte im zweiten Quartal 2026 zusammen mit der Formulierung Keytruda Qlex 8,4 Milliarden US-Dollar zum Konzernergebnis bei. Im Jahr 2028 laufen jedoch zentrale US-Patente für das Hauptumsatzpräparat aus.
Vor diesem Hintergrund treibt das Management die Diversifizierung voran. Neben kleineren Technologie-Deals investierte MSD in den vergangenen Quartalen bereits erhebliche Mittel in Unternehmenskäufe wie Terns Pharma. Der Konzern zielt darauf ab, die Abhängigkeit von einzelnen Blockbustern rechtzeitig zu verringern.
Gleichzeitig verläuft die Pipeline-Entwicklung nicht ohne Dämpfer. Gemeinsam mit dem Partner Daiichi Sankyo zog MSD zu Wochenbeginn einen US-Zulassungsantrag auf beschleunigte Zulassung für das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Ifinatamab Deruxtecan bei kleinzelligem Lungenkrebs zurück, nachdem die US-Gesundheitsbehörde FDA die bisherigen Phase-2-Daten als nicht ausreichend einstufte. Eine reguläre Phase-3-Studie wird jedoch fortgeführt.
Scotiabank hebt Kursziel an
An der Börse überwiegt dennoch die Zuversicht. Die Analysten von Scotiabank bestätigten gestern ihre Einstufung mit „Sector Outperform“ und schraubten das Kursziel für die Aktie von 155 auf 180 US-Dollar nach oben. Scotiabank-Analystin Louise Chen bezifferte das kommerzielle Potenzial der MSD-Pipeline bis Mitte der 2030er-Jahre auf über 70 Milliarden US-Dollar.
Am deutschen Markt notiert das Papier aktuell bei 132,24 Euro. Mit einem Zuwachs von 46 Prozent seit Jahresanfang spiegelt der Titel das gestiegene Zutrauen des Marktes in den Konzernumbau wider. Bis zum 52-Wochen-Hoch von 134,88 Euro fehlen der Aktie derzeit nur wenige Prozentpunkte.
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