Die Zahlen sind stark, die Erwartungen waren höher: Der mRNA-Krebsimpfstoff Intismeran senkt in Kombination mit Keytruda das Risiko eines Rückfalls oder Todes bei Hautkrebs um 42 Prozent. Merck & Co., außerhalb der USA und Kanadas als MSD bekannt, und Partner Moderna haben die detaillierten Phase-3-Daten vorgelegt. Die Aktie gab am Donnerstag dennoch nach.
Was die Studie zeigt
Die Studie INTerpath-001 umfasste 1.137 Patienten mit vollständig operiertem Melanom der Stadien IIB bis IV. Nach median 24,6 Monaten lebten 82,2 Prozent der Patienten mit Impfstoff rückfallfrei, in der Keytruda-Gruppe waren es 70,0 Prozent. Das Risiko für Fernmetastasen oder Tod sank um 38 Prozent.
Auffällig ist der Verlauf. In den ersten sechs Monaten, während der Impfphase, unterschied sich die Kombination kaum von Keytruda allein. Danach wuchs der Vorteil: Das Rückfall- oder Todesrisiko lag dann 58 Prozent niedriger, das Risiko für Fernmetastasen halbierte sich. Neue Sicherheitssignale traten nicht auf. Häufigste Nebenwirkungen waren Fieber, Schmerzen an der Einstichstelle und Müdigkeit.
Daten zum Gesamtüberleben sind noch nicht ausgereift, zeigen aber einen günstigen Trend. Die Ergebnisse werden am Samstag auf dem ESMO-Kongress in Madrid präsentiert und erscheinen im New England Journal of Medicine.
Warum der Markt zögert
Die Daten waren zuvor auf einer Onkologie-Website durchgesickert. Die Merck-Aktie schloss rund 1,8 Prozent tiefer bei 147,24 Dollar, Moderna verlor mehr als 17 Prozent, nachdem sich der Kurs seit der ersten Erfolgsmeldung im August fast vervierfacht hatte.
Viele Analysten hatten auf eine Risikoreduktion von 40 Prozent oder mehr gewettet. Die 42 Prozent erfüllen das knapp. RBC-Analyst Trung Huynh schrieb, die Daten machten ihn weniger optimistisch, denn Melanom sei der Bestfall gewesen. Er sieht den Preisoptimismus für milliardenschwere Impfstoff-Franchises in der Onkologie schwinden.
Zulassung und Ausblick
Die Partner sprechen nach eigenen Angaben mit den Zulassungsbehörden. Moderna-Chef Stéphane Bancel erwartet den Markteintritt 2027. Das Programm umfasst neun Phase-2- und Phase-3-Studien, darunter drei Phase-3-Studien bei Lungenkrebs. Auch Nieren- und Blasenkrebs werden untersucht.
Für MSD hängt viel an Keytruda, dem umsatzstärksten Medikament der Firma. Gelingt die Ausweitung auf weitere Tumorarten, könnte der Impfstoff die Position der Immuntherapie stützen. Den ersten Härtetest liefern die Lungenkrebs-Studien.
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