MSCI World ETF: Chip-Ausverkauf am 16. Juli

Trotz eines Ausverkaufs bei Halbleiterwerten verzeichnen globale Aktienfonds weiterhin starke Kapitalzuflüsse. Die Märkte bleiben zweigeteilt.

Auf einen Blick:
  • Achte Woche mit Nettozuflüssen in Folge
  • Chip-Ausverkauf belastet Wall Street
  • EZB und Fed im Fokus der Anleger
  • Starke Kapitalzuflüsse nach Europa

Globale Aktienfonds verzeichnen die achte Woche in Folge Nettozuflüsse, während Wall Street zugleich mit einem Ausverkauf bei Halbleiterwerten kämpft. Für Anleger in breit gestreuten Weltaktienfonds ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: strukturelles Vertrauen auf der einen, kurzfristige Nervosität auf der anderen Seite.

Ein turbulentes zweites Quartal liegt hinter den Märkten

Laut Morningstar haben internationale Aktienmärkte im zweiten Quartal 2026 ihre Verluste vom Jahresanfang wieder wettgemacht – trotz anhaltender Spannungen im Nahen Osten. Der Morningstar Global Markets ex US Index steht nach einem Einbruch von rund 10 Prozent im März nun wieder etwa 13 Prozent im Plus für das Jahr. Besonders kräftig fiel die Erholung in Südkorea aus, wo der Leitindex im ersten Halbjahr um 118 Prozent zulegte, getragen von Samsung und SK Hynix. Der Ölpreis, der nach dem Beginn militärischer Auseinandersetzungen mit dem Iran Ende Februar sprunghaft gestiegen war, gab seither wieder nach. Für den weiteren Jahresverlauf rechnet Morningstar mit einer Zinsanhebung der US-Notenbank um 0,5 Prozentpunkte, während EZB und Bank of Japan ihren Straffungskurs fortsetzen dürften.

Chip-Ausverkauf belastet Wall Street

Zuletzt sorgte jedoch ein Ausverkauf bei Halbleiterwerten für Gegenwind. Am 16. Juli schloss der S&P 500 laut Reuters mit einem Minus von 0,51 Prozent bei 7.533,77 Punkten, der Nasdaq verlor 1,47 Prozent auf 25.881,95 Zähler, während der Dow Jones mit minus 0,20 Prozent auf 52.552,97 Punkte vergleichsweise glimpflich davonkam. Auslöser war unter anderem TSMC: Der Chiphersteller meldete zwar einen Rekordgewinn und erhöhte seine Investitionspläne auf bis zu 64 Milliarden Dollar, die Aktie gab dennoch nach. Alphabet verlor rund 4 bis 4,5 Prozent wegen einer Verzögerung beim KI-Modell Gemini. Solide Konjunkturdaten – die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen auf 208.000 und damit deutlicher als erwartet, der Einzelhandelsumsatz legte im Juni um 0,2 Prozent zu – konnten die Stimmung nicht drehen. Am Folgetag setzte sich die schwache Tendenz an den Ölmärkten fort: Die US-Sorte WTI fiel um 1,13 Prozent auf 78,70 Dollar, während auch chinesische Aktien mit dem Shanghai Composite, der um 1,85 Prozent auf 3.882,41 Punkte nachgab, unter Druck gerieten.

Anleger bleiben trotz Volatilität investiert

Trotz der jüngsten Schwankungen ziehen Investoren weiter Kapital in globale Aktienfonds. Nach Daten von LSEG Lipper flossen bis zum 15. Juli innerhalb einer Woche netto 12,46 Milliarden Dollar in Aktienfonds weltweit – die achte Zuflusswoche in Folge. Europa verzeichnete mit 9,49 Milliarden Dollar den größten Zustrom, gefolgt von Asien mit 5,4 Milliarden Dollar, während aus den USA 4,8 Milliarden Dollar abflossen. Der Technologiesektor zog mit 3,37 Milliarden Dollar das meiste Kapital an, getragen von starken Quartalszahlen von Banken und dem Chipausrüster ASML. Auch State Street Global Advisors positioniert sich in seiner taktischen Asset-Allokation für Juli offensiv: Die Aktienquote wird übergewichtet, während Gold und Rohstoffe reduziert und Anleihen aufgestockt werden. Als Begründung nennt das Haus eine robuste US-Wirtschaft trotz des hohen Zinsniveaus, warnt aber vor anhaltend klebriger Inflation.

EZB und Fed rücken in den Fokus

Die kommenden Wochen dürften richtungsweisend werden. Die Europäische Zentralbank dürfte ihren Einlagensatz am 23. Juli bei 2,25 Prozent belassen, mit einer mehrheitlich erwarteten Zinserhöhung im September – laut einer Umfrage unter 74 Ökonomen sehen dies rund 70 Prozent so, nur drei rechnen mit einem zweiten Schritt noch in diesem Jahr. In den USA tagt die Notenbank am 28. und 29. Juli. Fed-Vizechef Jefferson erklärte am 16. Juli, die aktuelle Geldpolitik sei gut positioniert, schloss eine weitere Anhebung aber nicht aus, sollte sich die Inflation nicht rasch abkühlen. Rückenwind für Zinsfalken lieferte der Philadelphia-Fed-Index für das verarbeitende Gewerbe, der im Juli auf 41,4 Punkte sprang – der höchste Stand seit November 2021 und weit über der Erwartung von 13 Punkten. Für Anleger in breit diversifizierten Weltaktienfonds bleibt damit die Gemengelage aus geopolitischen Risiken, Notenbankpolitik und robusten Fondszuflüssen der entscheidende Taktgeber.

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