Ein Fonds, drei Nachrichten, ein Kurs im Plus: Der MSCI World ETF klettert am Dienstag auf 203,69 US-Dollar, ein Zuwachs von 0,33 Prozent zum Vortagesschluss bei 203,01 US-Dollar. Hinter der moderaten Bewegung verbirgt sich ein Tag mit gleich drei Schwergewichten – kühlere Inflationsdaten, ein fulminanter Start der Bankbilanzsaison und ein Öl-Nervenkrieg zwischen Washington und Teheran, der sich binnen Stunden entschärfte und wieder zuspitzte.
Inflation kühlt ab, Fed-Druck sinkt
Die Verbraucherpreise in den USA fielen im Juni gegenüber Mai stärker als von Ökonomen erwartet. Für einen breit gestreuten Industrieländer-Fonds wie diesen zählt das doppelt: Schwächere Inflation nimmt Druck von der Notenbank, an der Zinsschraube zu drehen. Genau diese Erwartung stützt Aktienbewertungen quer durch alle Sektoren.
Banken liefern ab
Die Finanzbranche zählt neben Technologie zu den größten Sektorgewichten im Fonds. JPMorgan Chase übertraf die Analystenschätzungen deutlich, getrieben von starken Handelserträgen. Goldman Sachs und Wells Fargo lieferten ebenfalls bessere Zahlen als erwartet ab, beide Aktien zogen im frühen Handel an.
Damit setzt die zweite Quartalssaison des Jahres ein kräftiges positives Signal – ausgerechnet aus einem Sektor, der zuletzt unter Zinssorgen gelitten hatte.
IBM bremst, Chips erholen sich
Nicht jeder Fondsbestandteil zog mit. IBM warnte vor einem schwächeren Quartalsgewinn als erwartet. Grund ist laut Unternehmen eine schwache Nachfrage im Software- und Infrastrukturgeschäft. Die Aktie belastete den Dow Jones spürbar.
Halbleiterwerte dagegen erholten sich von einem Ausverkauf der Vortage. Für den MSCI World mit seiner hohen Gewichtung globaler Technologiekonzerne glich diese Erholung einen Teil der IBM-Schwäche wieder aus.
Hormus: Gebühr zurückgezogen, Konflikt bleibt
Der komplizierteste Faktor des Tages kam aus dem Nahen Osten. Präsident Trump hatte am Montag eine Gebühr von 20 Prozent auf Frachtladungen gefordert, die die Straße von Hormus durchqueren – im Gegenzug für den Schutz durch die US-Marine. Zeitgleich ordnete er eine Blockade gegen iranische Schiffe an.
Die Gebührenforderung stieß auf breite Kritik und galt als praktisch kaum umsetzbar. Am Dienstag zog Trump sie zurück und kündigte an, sie durch Handels- und Investitionsabkommen mit Golfstaaten zu ersetzen. Rohöl reagierte prompt: WTI stieg um 1,82 Prozent auf 79,56 US-Dollar je Barrel, Brent um 1,98 Prozent auf 84,95 US-Dollar – beide Sorten gaben nach dem Rückzug der Gebühr einen Teil ihrer Tagesgewinne wieder ab.
Der eigentliche Konflikt blieb jedoch bestehen. Trump bestätigte, dass die USA iranischen Schiffen die Durchfahrt weiterhin verweigern. Die Marine sollte die Blockade um 16 Uhr Ostküstenzeit wieder in Kraft setzen. Parallel dazu griffen iranische Marschflugkörper emiratische Tanker in omanischen Gewässern an, ein Mensch kam dabei ums Leben.
Rund ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung läuft normalerweise durch diese Meerenge. Der ungelöste Konflikt hält das Energiepreis-Risiko hoch – ein Faktor, der über die Inflationsentwicklung direkt auf die Zinserwartungen und damit auf Aktienbewertungen zurückwirkt.
Charttechnik: Neutrale Zone
Mit 203,69 US-Dollar liegt der Fonds 3,96 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 212,08 US-Dollar vom 12. Juni. Gleichzeitig notiert er komfortabel über dem 50-Tage-Durchschnitt bei 201,78 US-Dollar und dem 200-Tage-Durchschnitt bei 189,75 US-Dollar. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 9,21 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es 20,46 Prozent.
Der RSI-Wert von 54,7 signalisiert weder Über- noch Unterverkauf. Der Fonds bewegt sich damit in neutralem Terrain – trotz eines Tages, der gleich drei potenzielle Kurstreiber gleichzeitig lieferte.
Die Session zeigt exemplarisch, worauf es bei breit gestreuten Industrieländer-Fonds ankommt: Starke Bankgewinne und kühlere Inflation wirken als Rückenwind. Einzelne Enttäuschungen wie bei IBM und der ungelöste Hormus-Konflikt sorgen dagegen weiterhin für Unruhe in einem ansonsten robusten Markt.
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