Zwei Analysen, ein gemeinsamer Nenner: Morgan Stanley sieht Chancen abseits der ausgetretenen Wall-Street-Pfade – geografisch in Japan und Europa, thematisch bei einer möglichen Beruhigung des Iran-Konflikts.
Senior Portfolio Manager Andrew Slimmon erklärte gegenüber US-Medien, dass sich das Bild an den internationalen Börsen wandelt. Jahrelang enttäuschten Unternehmen in Japan und Europa die hohen Erwartungen der Anleger. Das kippt nun. Immer mehr Firmen heben ihre Gewinnprognosen an – aus Slimmons Sicht der Hauptgrund für die starke Entwicklung der japanischen Börse in diesem Jahr.
Banken statt nur Rüstung
In Europa richtet sich der Blick nicht allein auf Verteidigungswerte. Banken hätten sich laut Slimmon „sehr, sehr gut“ geschlagen. Entscheidend sei der Unterschied zu den Vorjahren: 2026 reagieren die Märkte zunehmend auf reales Gewinnwachstum statt auf bloße Erwartungen.
Für die USA bleibt Slimmon trotz der schmalen Marktbreite optimistisch – wenige Mega-Caps treiben die Indizes, während die Gewinnschätzungen insgesamt weiter steigen, selbst nachdem der Markt seit der jüngsten Fed-Zinsanhebung kaum vorangekommen ist.
Eine zweite Analyse des Hauses widmet sich einem geopolitischen Szenario: einer möglichen Wiederöffnung der Straße von Hormus infolge diplomatischer Annäherung zwischen den USA und Iran. Europa gilt laut Morgan Stanley als besonders sensitiv für dieses Szenario, allen voran der französische Leitindex CAC 40. Eine Normalisierung würde Ölpreise und Anleiherenditen entlasten.
Reopening-Kandidaten mit Nachholpotenzial
Auf Sektorebene profitieren nach der Analyse vor allem Airlines, Aerospace, Bau, Einzelhandel, Luxus und Banken. Morgan Stanley trennt dabei zwischen kurzfristigem Reopening-Trade und robusteren Chancen bei Banken, Halbleitern und Industriewerten. Zu den zehn Aktien mit der höchsten positiven Sensitivität zählen:
- IAG und Ryanair – sinkende Treibstoffkosten als Haupttreiber
- Lufthansa und Rolls-Royce
- Santander und Safran
- Accor, MTU Aero Engines, Groupe ADP, Marks & Spencer
Bemerkenswert: Der Korb der 50 größten Reopening-Profiteure hat gegenüber den Gewinnern einer Hormus-Blockade bereits mehr als die Hälfte seiner relativen Gewinne seit dem ursprünglichen Waffenstillstand wieder abgegeben.
Eine erneute Entspannung könnte diese Bewegung reaktivieren. Auf der Verliererseite stünden bei einer Normalisierung Ölkonzerne wie Equinor, BP und Eni – ihre Kurse hängen an genau jenen Risikoprämien, die eine Deeskalation abbauen würde.
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