Bitcoin war einst als Gegenentwurf zu Großbanken gedacht. Nun probiert eine der größten davon aus, wie sich die Technik für das eigene Geschäft nutzen lässt: Morgan Stanley hat ein Digital Asset Lab eingerichtet, in dem Stablecoins, Tokenisierung und DeFi-Anwendungen getestet werden.
Testumgebung statt Kundenangebot
Das Labor gehört zu einem bestehenden Netzwerk von Innovationslaboren. Dort sollen Mitarbeiter neue Technologien prüfen, ohne die Kernsysteme der Bank zu gefährden. Bis zu 270 Projekte durchlaufen diese Labore jährlich, verteilt auf Standorte wie New York, Glasgow und Bangalore. Eine Technologie müsse sich das Recht verdienen, konzernweit skaliert zu werden, heißt es aus dem Management.
Neben Stablecoins will die Bank tokenisierte Einlagen, digitale Zentralbankwährungen und tokenisierte Geldmarktfonds untersuchen. Besonderes Interesse gilt DeFi-Vaults. Das sind Vermögenspools, die Kapital per Software nach einer festen Strategie auf dezentrale Märkte verteilen. Für Vermögensverwalter ähneln sie Investmentfonds, automatisieren aber Teile von Portfoliomanagement und Verwaltung.
Die Leiterin des Digital-Asset-Teams sieht einen realistischen Weg für Vaults. Die Technologie sei jedoch zu jung, um die übrige Plattform einem Risiko auszusetzen. Kunden spüren vorerst nichts: Brokerage-Kunden erhalten durch die Tests noch keinen Zugang zu tokenisierten Einlagen oder Vaults.
Ein Baustein von mehreren
Das Lab reiht sich in einige Krypto-Schritte dieses Jahres ein. Im Februar beantragte die Bank bei der Aufsichtsbehörde OCC eine Lizenz als nationale Treuhandbank, um digitale Vermögenswerte selbst zu verwahren. Die geplante Einheit Morgan Stanley Digital Trust erhielt inzwischen eine vorläufige, an Bedingungen geknüpfte Genehmigung.
Im April folgte mit dem Morgan Stanley Bitcoin Trust der erste Spot-Bitcoin-ETF einer großen US-Bank unter eigenem Namen. Die Jahresgebühr von 0,14 Prozent ist die niedrigste im Segment. Dazu kam der Kryptohandel auf E*Trade.
Parallel dazu sorgt die Bank an anderer Stelle für Schlagzeilen. Beim Tech Week in Menlo Park zeichnete sie den Softwareanbieter Quantexa mit ihrem Innovation Award 2026 aus. Dessen Technologie führt Kundendaten im gesamten Konzern zusammen und stützt die Datenstrategie der Bank.
Aktie unter Rekordniveau
Die Aktie liegt zuletzt unter ihrem Rekordhoch vom Juli. Marktbeobachter verweisen auf Gewinnmitnahmen nach dem starken Lauf seit Anfang 2025. Hinzu kommt die Zurückhaltung bei Börsengängen: Der Ringhersteller Oura legte sein IPO wegen unsicherer Marktbedingungen auf Eis, und OpenAI-Chef Sam Altman schloss einen Börsengang vorerst aus.
Auch die Bank of England mahnt, die Risiken durch KI-bezogene Schulden stiegen. Sie zitiert dabei eine Schätzung von Morgan Stanley, wonach die globale KI-Schuldenemission bei rund 450 Milliarden Dollar liegt, doppelt so hoch wie 2025. Für das Emissionsgeschäft der Bank ist das Volumen Chance und Risiko zugleich.
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