Zwei Themen aus dem Analysehaus von Morgan Stanley sorgen heute für Gesprächsstoff — und beide drehen sich um die Frage, wie teuer Geld in den kommenden Monaten wird. Einmal geht es um die Zinspolitik der US-Notenbank, einmal um die Kreditmärkte rund um Rechenzentren für Künstliche Intelligenz. Beide Einschätzungen zeigen, wie genau die Bank derzeit auf Wendepunkte an den Finanzmärkten blickt.
Fed-Zinserhöhung wird unwahrscheinlicher
Ein überraschend schwacher Arbeitsmarktbericht für Juli hat die Erwartungen an die September-Sitzung der Federal Reserve verschoben. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung ist deutlich gesunken — auf der Prognoseplattform Kalshi kletterte die Chance auf stabile Zinsen von einer Fifty-Fifty-Lage auf 65 Prozent. Auch das CME FedWatch Tool zeigt die Verschiebung: Noch am Donnerstag lag die Wahrscheinlichkeit für unveränderte Zinsen bei 45 Prozent, vor einer Woche nur bei einem Drittel — nun steht sie bei 60 Prozent.
Ellen Zentner, Chefvolkswirtin bei Morgan Stanley Wealth Management, ordnet das ein: Der schwache Stellenbericht nehme zwar Druck von der Fed, im September die Zinsen anzuheben. Die Inflationsdaten für Juli, die am 12. August veröffentlicht werden, dürften aber am Ende ausschlaggebend sein. Fallen sie heißer aus als erwartet, könnte ein kühlerer Arbeitsmarkt allein nicht reichen, um Rufe nach einer Zinserhöhung innerhalb der Notenbank verstummen zu lassen.
Ganz vom Tisch ist das Thema also nicht. Für die Oktober-Sitzung sieht das FedWatch Tool weiterhin eine Wahrscheinlichkeit von 55 Prozent für eine Anhebung, für Dezember sogar von fast 75 Prozent.
Kreditspreads bei KI-Rechenzentren im Blick
Parallel dazu beobachten die Analysten von Morgan Stanley eine Bewegung an einem ganz anderen Frontabschnitt: dem Kreditmarkt für Rechenzentren und Künstliche Intelligenz. Ein Angebot von 360 Milliarden Dollar an globalen Anleihen seit Jahresbeginn hat die Risikoaufschläge in diesem Segment unter Druck gesetzt. Investment-Grade-Anleihen von Rechenzentren mit Besicherung weiteten sich seit Mitte Juni um 40 Basispunkte aus, High-Yield-Papiere verloren im gleichen Zeitraum 120 Basispunkte.
Der Markt für Asset-Backed Securities zeigte sich dagegen bislang stabil. Das Emissionsvolumen bei ABS- und Commercial-Mortgage-Backed-Securities-Papieren erreichte im laufenden Jahr 18 Milliarden Dollar — das entspricht 64 Prozent des gesamten Volumens des Fiskaljahres 2025. Im Vergleich zu den Unternehmensanleihen, deren Emissionen das Vorjahresvolumen bereits übertroffen haben, wirkt das moderat.
Morgan Stanley bevorzugt in diesem Umfeld BBB-geratete Papiere und sieht Rechenleistung mittelfristig strukturell knapp. Steigen die Spreads bei Single-A-Papieren über 200 Basispunkte oder bei BBB-Papieren über 300 Basispunkte, wäre das für die Bank ein Kaufsignal. Zusätzlich favorisiert sie Colocation-Anbieter gegenüber Hyperscaler-Rechenzentren, um Einzelrisiken bei großen Cloud-Betreibern zu vermeiden.
Beide Einschätzungen — zur Fed-Politik wie zu den Kreditmärkten der KI-Infrastruktur — laufen auf dieselbe Frage hinaus: Wie viel Spielraum bleibt den Märkten, wenn sich die Finanzierungsbedingungen in den kommenden Monaten verschieben. Die Antwort dürfte sich mit den Inflationsdaten am 12. August ein Stück weit klären.
Morgan Stanley-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Morgan Stanley-Analyse vom 07. August liefert die Antwort:
Die neusten Morgan Stanley-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Morgan Stanley-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 07. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
