Der Verwaltungsrat von Banca Monte Dei Paschi Siena hat gestern weitreichende Pläne für eine Doppel-Übernahme beschlossen. Wie Bloomberg und Euronews unter Berufung auf informierte Kreise berichten, bereitet das Institut separate öffentliche Tauschangebote für die Banco BPM sowie die Banca Generali vor.
Mit diesem strategischen Befreiungsschlag reagiert das Management auf das feindliche Übernahmeangebot des Konkurrenten Intesa Sanpaolo. Ziel ist die Schaffung einer neuen Bankengruppe mit einem Marktwert von rund 70 Milliarden Euro.
Strategische Wende im Übernahmekampf
Die geplante Expansion stellt eine direkte industrielle Alternative zum Angebot von Intesa Sanpaolo dar. Um die eigenen Aktionäre von dem Vorhaben zu überzeugen, sieht der Plan die Ausschüttung einer Sonderdividende vor. Diese soll Medienberichten zufolge teilweise durch die Verwertung der Beteiligung an der Assicurazioni Generali SpA finanziert werden. CEO Luigi Lovaglio hatte die entscheidende Verwaltungsratssitzung am Mittwoch einberufen, um Alternativen zur Intesa-Offerte zu präsentieren.
Die neue Marschroute folgt auf eine turbulente Phase im italienischen Bankensektor. Nachdem die Banco BPM noch Anfang August Pläne für Fusionsgespräche mit Monte Paschi verworfen hatte, schien der Weg für Intesa Sanpaolo zunächst frei.
Das Institut hatte bereits im Juni eine 30,6 Milliarden Euro schwere Offerte in bar und Aktien für Monte Paschi vorgelegt. Mit dem jetzigen Vorstoß dreht Monte Paschi den Spieß um und greift die Banco BPM nun ihrerseits aktiv an.
Starke Quartalszahlen stützen die Expansion
Monte Paschi agiert bei diesen Plänen aus einer Position der finanziellen Stärke heraus. Das Institut legte am 7. August überzeugende Ergebnisse für das zweite Quartal vor. Der Nettogewinn stieg auf 610,2 Millionen Euro, verglichen mit 479,4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Für das gesamte erste Halbjahr 2026 weist die Bank einen Gewinn von knapp 1,118 Milliarden Euro aus.
Angesichts dieser Entwicklung hob CEO Lovaglio die Gewinnprognose vor Steuern für das laufende Gesamtjahr auf 3,6 Milliarden Euro an. Die Kapitalausstattung zeigt sich ebenfalls robust: Die harte Kernkapitalquote (CET1) lag zum Ende des zweiten Quartals bei 16,3 Prozent. Dies entspricht einem Puffer von fast 680 Basispunkten über den regulatorischen Anforderungen. Zudem verwaltet die Bank inzwischen Kundenvermögen in Höhe von insgesamt 300 Milliarden Euro.
Marktreaktion und Ausblick
An der Börse wird die Entwicklung aufmerksam verfolgt. Die Aktie von Monte Paschi verzeichnete seit Jahresbeginn ein Plus von 27 Prozent. Am Donnerstag schloss das Papier im deutschen Handel bei 11,58 Euro. Damit notiert der Wert nur noch 4,5 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch, das am 7. August bei 12,12 Euro markiert wurde.
Neben der geplanten Großfusion treibt das Management die Integration der Mediobanca-Aktivitäten voran. Laut Unternehmensangaben verläuft dieser Prozess nach Plan und liefert bereits die erwarteten Synergien, was die Zuversicht für die künftige Ertragskraft stärkt.
Parallel dazu plant der italienische Staat, seinen verbleibenden Anteil von 4,9 Prozent an der Bank bis Ende September zu veräußern. Das Finanzministerium betonte dabei eine neutrale Haltung im aktuellen Übernahmekampf, um den Marktprozess nicht zu beeinflussen.
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