Bei Moderna sorgt eine wichtige regulatorische Freigabe für frischen Rückenwind im Bemühen, den Ruf als reiner Pandemie-Gewinner abzustreifen. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat den mRNA-basierten Grippeimpfstoff mFlusiva für Erwachsene ab 50 Jahren zugelassen. Für das Unternehmen ist das ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn die Aktie am Donnerstag zunächst nachgab. Der Kurs fiel um 3,4 Prozent auf 54,35 Dollar, wobei alle drei großen US-Indizes ebenfalls im roten Bereich lagen.
Ein Impfstoff mit strategischer Bedeutung
mFlusiva nutzt wie Modernas Corona-Impfstoffe die firmeneigene Boten-RNA-Technologie. Vereinfacht gesagt liefert diese Plattform den körpereigenen Zellen eine Bauanleitung, mit der sie bestimmte Proteine herstellen und so eine Abwehrreaktion gegen Viren aufbauen. Die Zulassung ist Modernas fünftes weltweit genehmigtes Produkt und das vierte mit FDA-Freigabe. Besonders wertvoll ist die Entscheidung, weil sie den Weg zu einem kombinierten Corona-Grippe-Impfstoff ebnet, den Moderna im Vorjahr nach Nachfragen der Behörden aus der Prüfung zurückgezogen hatte. Zugleich ist sie eine deutliche Bestätigung der mRNA-Technologie, die zuletzt politischen Gegenwind erfahren hatte.
Warum die Aktie trotzdem nachgibt
Dass der Kurs auf die gute Nachricht mit Verlusten reagierte, hat mehrere Gründe. Zwar will Moderna den Impfstoff rechtzeitig für die Grippesaison 2026/2027 bereitstellen, doch nennenswerte Umsätze erwarten Experten erst in der zweiten Hälfte des Jahres 2027. Der Grund liegt darin, dass das Unternehmen die entscheidenden Vorsaison-Ausschreibungen und Beschaffungszyklen für das laufende Jahr verpasst hat.
Dieser aufgeschobene Ertrag belastet die Stimmung. Eine noch stärkere Erklärung liefert die charttechnische Lage. Die Aktie stieß am 50-Tage-Durchschnitt bei rund 59 Dollar an einen Widerstand. Nachdem sie Anfang Juli gestiegen war, weil Anleger aus dem KI-Sektor in defensive Gesundheitswerte umschichteten, befindet sie sich seither in einem klaren Abwärtstrend.
Moderna Aktie Chart
Das Fundament bleibt vorerst Corona
Trotz aller Zukunftshoffnungen wird das Ergebnis von Moderna weiterhin maßgeblich vom Corona-Geschäft bestimmt, das aus den Impfstoffmarken Spikevax und mNEXSPIKE besteht. Der Weg über die Grippezulassung hinaus zu einem breiter aufgestellten Unternehmen ist eingeschlagen, aber noch nicht abgeschlossen. Ein Durchbruch über den charttechnischen Widerstand würde weiteres Kurspotenzial signalisieren.
Die Aktie hat sich in diesem Jahr nahezu verdoppelt, was die Erwartungen hoch schraubt. Für Anleger überwiegt langfristig die Chance einer breiteren Produktpalette, doch kurzfristig bleiben verzögerte Erlöse und die angespannte Charttechnik die spürbaren Risiken.
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