TD Cowen hat gestern das Kursziel für Moderna von 40 $ auf 90 $ angehoben. Dahinter steht eine deutlich höhere langfristige Gewinnschätzung für das Krebsimpfstoffprogramm INT. Die Neubewertung fällt kräftig aus. Im Vergleich mit der jüngsten Einschätzung der Bank of America bleibt das Kursziel allerdings deutlich niedriger. Für Anleger ergibt sich damit kein einheitliches Bewertungssignal.
Höhere Gewinnannahmen als Grundlage
TD Cowen veranschlagt den Spitzengewinn des INT-Programms für 2035 inzwischen auf rund 3,4 Milliarden $. Zuvor hatte das Haus mit 830 Millionen $ gerechnet. Die Anpassung erfolgte im Vorfeld der anstehenden Quartalszahlen von Moderna.
Damit richtet sich der Blick weit über den nächsten Geschäftsbericht hinaus. Die höhere Gewinnannahme beschreibt eine langfristige Erwartung und keinen bereits erzielten Geschäftserfolg. Für die Einordnung des Kursziels ist diese Trennung entscheidend: Eine deutlich optimistischere Prognose ist noch kein Nachweis dafür, dass sich die erwarteten Erträge tatsächlich realisieren lassen.
Die Bank of America erhöhte ihr Kursziel am Montag von 200 $ auf 220 $. Ihre neutrale Einstufung behielt sie bei.
Der Vergleich zeigt zwei unterschiedliche Signale. TD Cowen veränderte die eigene Bewertung deutlich stärker, nennt aber weiterhin das niedrigere Ziel. Die Bank of America verbindet ihr höheres Kursziel dagegen nicht mit einer Kaufempfehlung. Aus den Zielanhebungen allein lässt sich deshalb keine übereinstimmend positive Anlageempfehlung ableiten.
Studiendaten und Quartalszahlen als Prüfsteine
Als Kontext für die langfristigen Erwartungen dienen die angekündigten vollständigen Ergebnisse der Phase-3-Studie INTerpath-001. Moderna und Merck wollen sie am 24. Oktober beim ESMO-Kongress vorstellen. Untersucht wird intismeran autogene zusammen mit Keytruda im Vergleich zu Keytruda allein bei operierten Melanompatienten mit hohem Rückfallrisiko.
Moderna plant an diesem Tag außerdem eine Übertragung für Investoren. Die Präsentation betrifft damit unmittelbar das Programm, auf dessen langfristige Gewinnerwartungen TD Cowen seine Neubewertung stützt. Eine Ergebnisvorwegnahme rechtfertigt der angekündigte Termin nicht.
Die Finanzzahlen für das dritte Quartal 2026 will Moderna am 6. November veröffentlichen. Diesen Termin hatte das Unternehmen am 13. Oktober angekündigt.
Für Anleger stehen damit unterschiedliche Bewertungsfragen nebeneinander: Die Studiendaten betreffen die klinische Grundlage des Programms, der Geschäftsbericht die finanzielle Entwicklung. Entscheidend ist, beides nicht mit den weit in die Zukunft reichenden Gewinnschätzungen gleichzusetzen. Die jüngsten Kurszielanhebungen dokumentieren höhere Erwartungen – nicht deren Erfüllung.
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