Ein Kurssprung von rund 100 Prozent im vorbörslichen Handel – das sieht man selbst bei Biotech-Werten selten. Moderna hat diese Marke am Mittwoch erreicht, nachdem gemeinsam mit Merck & Co. entwickelte Phase-3-Daten zu einem personalisierten Krebsimpfstoff veröffentlicht wurden. Die Aktie kletterte auf bis zu 126 US-Dollar, das höchste Niveau seit Juli 2024.
Was die Studie zeigt
Grundlage ist eine Untersuchung mit rund 1.100 Patienten, die nach der operativen Entfernung eines malignen Melanoms behandelt wurden. Eine Gruppe erhielt ausschließlich Mercks Immuntherapie Keytruda, die andere zusätzlich den individualisierten mRNA-Impfstoff Intismeran Autogene. Die Kombination senkte das Rückfall- und Sterberisiko klinisch bedeutsam und statistisch signifikant gegenüber der alleinigen Keytruda-Behandlung.
Nach eigenen Angaben der Unternehmen ist es der erste positive Ausgang einer Spätphasen-Studie für einen mRNA-Krebsimpfstoff überhaupt. Der Wirkstoff wird individuell aus dem Erbgut des jeweiligen Tumors gefertigt und soll dem Immunsystem zeigen, welche Mutationen es bekämpfen soll.
Bereits im Juni hatten Fünf-Jahres-Daten aus der vorangegangenen Phase-2-Studie gezeigt, dass sich Rückfälle oder Todesfälle bei Melanom-Patienten durch die Kombinationstherapie etwa halbierten.
Größeres Potenzial als nur Melanom
Für Moderna öffnet sich damit die Aussicht auf ein Geschäftsfeld jenseits des schrumpfenden Corona-Impfstoffgeschäfts. Die Kombination aus Intismeran Autogene und Keytruda wird derzeit in neun Studien gegen verschiedene Krebsarten getestet, darunter Lungen-, Blasen-, Nieren-, Magen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs.
JPMorgan hatte die Therapie bereits als wichtigstes Produkt in der Moderna-Pipeline bezeichnet, das den Übergang vom Atemwegs- ins Onkologie-Geschäft ermöglichen könnte.
Für Merck wiederum wäre eine Zulassung ein wichtiger Baustein, um den absehbaren Patentablauf von Keytruda abzufedern – das Medikament hatte dem Konzern zuletzt rund 32 Milliarden US-Dollar Umsatz eingebracht. Die Merck-Aktie legte parallel um mehr als acht Prozent zu.
Das Analystenbild bleibt bei Moderna gespalten: Die Kursziele reichen aktuell von 39 bis 77 US-Dollar und spiegeln unterschiedliche Einschätzungen zum Potenzial der Onkologie-Sparte wider.
Beide Unternehmen wollen die detaillierten Daten nun auf einem noch zu benennenden Fachkongress vorstellen und stehen bereits im Austausch mit der US-Arzneimittelbehörde FDA über eine mögliche Zulassung. Parallel läuft die Studie weiter, im Fokus stehen künftig auch Daten zum Gesamtüberleben der Patienten.
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