Das Biotechnologieunternehmen Moderna hat einen bedeutenden regulatorischen Erfolg erzielt. Die US-Gesundheitsbehörde FDA erteilte gestern die Zulassung für mFLUSIVA, den weltweit ersten Grippeimpfstoff auf Basis der mRNA-Technologie. Das Vakzin, das intern unter der Bezeichnung mRNA-1010 entwickelt wurde, ist für Erwachsene ab einem Alter von 50 Jahren vorgesehen. Für Moderna markiert dieser Schritt einen Wendepunkt in der Unternehmensstrategie, um die Abhängigkeit vom bisher dominierenden Geschäft mit Corona-Impfstoffen zu verringern.
Die Aktie des Unternehmens reagierte am Freitag mit einem deutlichen Kurssprung von 9,57 Prozent auf die Nachricht. Mit einem Schlusskurs von 51,17 Euro konnte das Papier seine positive Jahrestendenz weiter festigen. Seit Beginn des laufenden Jahres verzeichnet der Titel damit ein Plus von 92,66 Prozent.
Differenzierte Zulassung für verschiedene Altersgruppen
Die Entscheidung der FDA umfasst zwei verschiedene Zulassungswege. Für die Altersgruppe der 50- bis 64-Jährigen erfolgte eine traditionelle Zulassung. Für Personen ab 65 Jahren gewährte die Behörde hingegen eine beschleunigte Zulassung. Diese stützt sich auf Immunogenitätsdaten, welche die Wirksamkeit im Vergleich zu bereits am Markt befindlichen Hochdosis-Impfstoffen belegen. Als Auflage für die beschleunigte Genehmigung muss Moderna eine ergänzende Postmarketing-Studie durchführen, um den klinischen Nutzen für die ältere Bevölkerungsgruppe langfristig zu bestätigen.
Der Weg zur Genehmigung war im bisherigen Jahresverlauf nicht ohne Hindernisse. Medienberichten zufolge wurde das Präparat zu einem früheren Zeitpunkt im Jahr 2026 zunächst abgelehnt, bevor die Behörde nun nach weiteren Prüfungen und öffentlichem Diskurs das grüne Licht gab. Für Moderna ist mFLUSIVA bereits das vierte in den USA zugelassene Produkt und unterstreicht die Skalierbarkeit der mRNA-Plattform auf andere Indikationen außerhalb der Pandemie-Vorsorge.
Studienergebnisse zeigen verbesserte Schutzwirkung
Die Zulassung basiert maßgeblich auf den Ergebnissen einer umfangreichen Phase-3-Studie, an der 40.805 Teilnehmer in elf verschiedenen Ländern teilnahmen. Die Daten belegen eine relative Wirksamkeit von 26,6 Prozent gegenüber herkömmlichen Standard-Grippeimpfstoffen bei Erwachsenen zwischen 50 und 64 Jahren. In der Gruppe der Senioren ab 65 Jahren lag die relative Wirksamkeit laut den vorliegenden Studiendaten sogar bei 27,4 Prozent.
Experten in den USA heben hervor, dass die mRNA-Technologie eine präzisere Anpassung an die jeweils zirkulierenden Virusvarianten ermöglichen könnte als traditionelle Herstellungsverfahren. In Massachusetts, wo das Unternehmen über 4.400 Mitarbeiter beschäftigt, wird der Erfolg als Bestätigung für die langfristige Forschungsstrategie gewertet. Der neue Impfstoff soll bereits in den kommenden Wochen in ausgewählten Einzelhandelsgeschäften zur Verfügung stehen und pünktlich zur Grippesaison 2026-2027 flächendeckend vermarktet werden.
Wirtschaftliche Perspektiven und Ausblick
Finanziell kommt die Nachricht für das Unternehmen zu einem strategisch wichtigen Zeitpunkt. In den vor Kurzem veröffentlichten Zahlen zum zweiten Quartal konnte Moderna den Verlust je Aktie bereits stärker verringern als von Analysten im Vorfeld prognostiziert. Das Management gab zudem bekannt, dass rund 55 Prozent des für das zweite Halbjahr 2026 erwarteten Umsatzes bereits im dritten Quartal generiert werden sollen.
Trotz der positiven Nachrichten und der starken Kursentwicklung am Freitag mahnen einzelne Marktbeobachter zur Vorsicht. Analysten von Simply Wall St weisen darauf hin, dass die Bewertung der Aktie gemessen am Fair Value derzeit anspruchsvoll erscheint, auch wenn das Kurs-Umsatz-Verhältnis mit 9,7 im Vergleich zum Branchendurchschnitt von 11,6 noch moderat wirkt. Dennoch überwiegt am Markt derzeit der Optimismus über den Markteintritt in das lukrative Segment der saisonalen Influenza-Impfstoffe, der dem Unternehmen eine stabilere, jährlich wiederkehrende Einnahmequelle sichern dürfte.
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