Moderna steckt mitten in der Verarbeitung eines historischen Nachrichtenschocks. Am 19. August meldete Reuters, dass der personalisierte mRNA-Krebsimpfstoff intismeran autogene, entwickelt gemeinsam mit Merck, in einer Spätphasenstudie das Risiko eines Melanom-Rückfalls und einer Ausbreitung deutlich senkte. Es war laut Reuters das erste positive Ergebnis eines mRNA-Krebsimpfstoffs in einer Studie dieser Größenordnung überhaupt – und der Markt reagierte entsprechend heftig.
Der Auslöser: Positive Phase-3-Daten bei Melanom
Die Studie INTerpath-001 erreichte laut Reuters sowohl den primären als auch einen wichtigen sekundären Endpunkt. Die Kombination aus intismeran autogene und Merck-Präparat Keytruda schnitt statistisch signifikant besser ab als Keytruda allein. Vollständige Überlebensdaten stehen noch aus.
Reuters berichtete zudem, Moderna-Präsident Stephen Hoge habe angekündigt, in den kommenden ein bis zwei Jahren würden weitere Studienergebnisse zu Blasen-, Nieren-, Bauchspeicheldrüsen- und Magenkrebs folgen – der Ansatz könnte damit deutlich über das Melanom hinausreichen.
Die Kursreaktion fiel dramatisch aus: Reuters zufolge verdoppelte sich die Aktie mehr als, der Marktwert legte um rund 30 Milliarden Dollar zu. Aktuell notiert das Papier bei 122,60 Euro und liegt damit 18 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 149,62 Euro – ein Hinweis darauf, dass ein Teil der ersten Euphorie bereits wieder abgebaut wurde, auch wenn das Kursniveau historisch außergewöhnlich bleibt.
Quartalszahlen zeigen sparsameren Kurs
Zwei Tage nach der Studienmeldung, am 21. August, legte Moderna Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vor. Der Umsatz lag bei 145 Millionen Dollar, der GAAP-Verlust je Aktie bei 1,97 Dollar.
Das Management bekräftigte das Ziel eines Umsatzwachstums von bis zu 10 Prozent für 2026 und senkte gleichzeitig die Kostenprognosen: Die Vorhersage für die Herstellungskosten sank von 1,8 auf 1,7 Milliarden Dollar, die Forschungs- und Entwicklungskosten-Guidance von 3 auf 2,9 Milliarden Dollar.
Ohne eine Belastung von 0,9 Milliarden Dollar aus einem Rechtsstreit rechnet das Unternehmen nun mit operativen Aufwendungen von 4,7 Milliarden Dollar nach GAAP sowie mit Barkosten von rund 4 Milliarden Dollar – jeweils 0,2 Milliarden Dollar besser als zuvor angekündigt.
Zum Jahresende erwartet Moderna liquide Mittel und Investments zwischen 4,7 und 5,2 Milliarden Dollar. Das Unternehmen erklärte außerdem, die Erlöse im ersten Halbjahr hätten bei etwa 0,5 Milliarden Dollar gelegen, das dritte Quartal solle rund 55 Prozent der Erlöse der zweiten Jahreshälfte ausmachen.
Impfstoffgeschäft bleibt schwächer
Abseits der Krebstherapie sorgte auch das klassische Impfstoffgeschäft für Nachrichten. Berichten zufolge erteilte die US-Arzneimittelbehörde FDA dem mRNA-Grippeimpfstoff von Moderna die volle Zulassung für die Altersgruppe 50 bis 64 Jahre sowie eine beschleunigte Zulassung für Menschen ab 65 Jahren, vorbehaltlich einer zusätzlichen Bestätigungsstudie.
Allerdings nahm Moderna Medienberichten zufolge nicht am US-Beschaffungszyklus 2026 für Grippeimpfstoffe teil, was den kurzfristigen Umsatzbeitrag begrenzt und die Wirkung erst in späteren Perioden erwarten lässt.
Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Der Krebsimpfstoff-Durchbruch hat die langfristige Wachstumsstory von Moderna neu geschrieben, während das laufende Geschäft mit sinkenden Kosten und einem noch mageren Umsatz eher Stabilisierung als Wachstum signalisiert.
Die eigentliche Bewährungsprobe dürften die noch ausstehenden Überlebensdaten der Melanom-Studie sowie die angekündigten Ergebnisse zu weiteren Krebsarten in den kommenden Quartalen sein.
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