Midterms sorgen für politisches Erdbeben – Märkte sortieren Gewinner und Verlierer neu

AMD übertrifft im dritten Quartal die Erwartungen, Novo Nordisk verbessert den Jahresausblick; die Wahlauszählung verändert die Branchenaussichten.

Auf einen Blick:
  • Demokraten dürften beide Kongresskammern übernehmen
  • AMD-Umsatz steigt im dritten Quartal um 45 Prozent
  • Novo Nordisk erweitert die Jahresprognose
  • Solaraktien legen nach der Wahl deutlich zu

Die Zwischenwahlen in den USA haben ein deutlicheres Ergebnis gebracht, als viele Marktbeobachter an der Wall Street erwartet hatten. Nach ersten Ergebnissen dürften die Demokraten beide Kammern des Kongresses übernehmen – Repräsentantenhaus und Senat. Für Donald Trump bedeutet das zur Halbzeit seiner Amtszeit eine schwere Niederlage. Für die Finanzmärkte beginnt nun die Analyse: Welche Branchen profitieren, wo wachsen die Risiken?

Erste Reaktionen: Nervosität, dann Erholung

In der Wahlnacht fiel die erste Reaktion heftig aus. Technologiewerte gaben nach, der Dollar rutschte ab, während Gold und Anleihen gefragt waren. Schon am frühen Morgen kehrten jedoch Schnäppchenjäger zurück. Der Dollar erlebte seinen schlechtesten Tag seit einem Monat, Gold legte deutlich zu, und die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel auf 4,93 Prozent. Bitcoin notierte am Morgen wieder knapp unter 78.000 Dollar.

Interessant ist ein Blick in die Historie: Seit 1954 konnte der S&P 500 in den zwölf Monaten nach Zwischenwahlen unter republikanischen Präsidenten im Schnitt um fast 15 Prozent zulegen.

DAX scheitert erneut an der 26.000er-Marke

Der deutsche Leitindex zeigte sich am Dienstag von seiner abwartenden Seite und tat sich schwer, die Marke von 26.000 Punkten zu behaupten. Am Ende stand ein leichtes Minus zu Buche. Belastend wirkten Berichte über neue amerikanische Angriffe auf Ziele im Iran, die am Vormittag die Ölpreise nach oben trieben. Gerüchte über eine mögliche Annäherung sorgten am Nachmittag kurz für Entspannung, bis Donald Trump die Angriffe bestätigte. Hinzu kam generelle Zurückhaltung vor der US-Wahl.

An der Wall Street war die Stimmung freundlicher, insbesondere bei Technologiewerten. Der Nasdaq 100 legte zu und beendete damit eine dreitägige Verlustserie. Der S&P 500 legte um 0,36 Prozent zu, während der Dow Jones mit einem Minus von 0,38 Prozent aus dem Handel ging. Getragen wurde die Erholung vor allem von Halbleiterwerten: AMD, SanDisk und Broadcom legten deutlich zu, auch Nvidia gewann hinzu. Für den heutigen Handelstag signalisierten die Frühindikatoren allerdings einen schwächeren Start, eine Gegenreaktion auf die Gewinne vom Vortag.

AMD überzeugt mit starken Quartalszahlen

Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Quartalsbericht von AMD, der zur passenden Zeit kam – zuletzt war die Aktie kräftig unter Druck geraten, allein am Montag deutlich, da sich die Kapitalmärkte wählerischer zeigten. Die Antwort des Unternehmens fiel deutlich aus: Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 45 Prozent auf 13,4 Milliarden Dollar und übertraf die Erwartungen. Das bereinigte Ergebnis je Aktie erreichte 2,09 Dollar gegenüber erwarteten 1,95 Dollar.

Treiber war das Rechenzentrumsgeschäft, dessen Umsatz sich binnen eines Jahres nahezu verdoppelte. Für das vierte Quartal rechnet AMD mit rund 17 Milliarden Dollar Umsatz, deutlich mehr als von Analysten erwartet. Für das kommende Jahr stellt das Management ein Wachstum von mindestens 80 Prozent in Aussicht. Die Aktie sprang zeitweise deutlich nach oben.

Novo Nordisk hebt Prognose erneut an

Auch aus Kopenhagen kamen positive Nachrichten: Novo Nordisk hat die Jahresprognose erneut angehoben. Umsatz und Gewinn sollen, berechnet auf konstanten Wechselkursen, im besten Fall um bis zu 2 Prozent steigen, im schlechtesten Fall um 2 Prozent sinken – bislang hatte das Unternehmen eine Spanne zwischen unverändert und minus 6 Prozent genannt. Im dritten Quartal konnte das bereinigte Ergebnis je Aktie deutlich zulegen.

Hoffnungsträger bleibt die Abnehmpille: Die Tablettenversion von Wegovy setzte im Quartal rund 5,4 Milliarden Kronen um. Das Diabetesmittel Ozempic verlor weniger an Umsatz als befürchtet. Der Abstand zum Konkurrenten Eli Lilly bleibt dennoch groß – die Novo-Aktie liegt seit Jahresbeginn 17 Prozent im Minus, während Lilly deutlich im Plus steht.

BMW senkt Prognose, operatives Geschäft übertrifft Erwartungen

BMW hatte am Vorabend die Prognose erneut gesenkt. Die Marge im Autogeschäft soll in diesem Jahr deutlich niedriger ausfallen, bislang waren 1 bis 3 Prozent geplant gewesen. Dass die Kursverluste moderat ausfielen, liegt daran, dass BMW den Hochlauf der „Neuen Klasse“ beschleunigt, zusätzliche Schichten fährt und ältere Modelle schneller vom Markt nimmt.

Operativ lief das dritte Quartal besser als erwartet: Die Automarge lag bei 3,4 Prozent und übertraf die Erwartungen der Analysten. Das Kernproblem bleibt China, wo die Auslieferungen im dritten Quartal um 25 Prozent einbrachen. Amerika hat sich für BMW inzwischen fast zum wichtigsten Einzelmarkt entwickelt – wie sich die Lage nach den Wahlen entwickelt, insbesondere mit Blick auf mögliche Zölle, bleibt abzuwarten.

Die „blaue Welle“ und ihre politischen Folgen

Das Wahlergebnis fiel deutlicher aus als von vielen politischen Beobachtern erwartet. Die Demokraten dürften die Mehrheit im Senat erobert haben, auch im Repräsentantenhaus gilt ihre Mehrheit als sicher. Viele Wähler machen Trump für die hohen Lebenshaltungskosten verantwortlich. Ein weiteres Wahlkampfthema war der Bau von KI-Rechenzentren, gegen den sich Anwohner wegen steigender Stromkosten und Umweltbelastungen wehren.

Für die kommenden zwei Jahre bleibt Donald Trump Präsident und behält erhebliche Machtbefugnisse, etwa das Vetorecht gegen Gesetze der Demokraten. Neue Steuersenkungen oder Ausgabenprogramme dürften es jedoch schwerer haben – an der Wall Street ist bereits von politischem Stillstand die Rede. Hinzu kommen angekündigte Untersuchungsausschüsse für Banken, Kryptofirmen, Versicherer, Pharmakonzerne und KI-Unternehmen. Marktbeobachter werten es zugleich als Erleichterung, dass kein wochenlanger Streit um das Wahlergebnis zu erwarten ist.

Branchen im Fokus: Verlierer und Gewinner

Als möglicher Verlierer gilt die KI-Infrastruktur. Ein Bundesgesetz, das den Bau von Rechenzentren bremst, gilt zwar als unwahrscheinlich, doch die entscheidenden Weichen werden in den Bundesstaaten gestellt. Texas und Georgia stehen zusammen für rund ein Drittel aller Ausgaben für KI-Rechenzentren in den USA. In Georgia gewannen die Demokraten Sitze in der Aufsichtskommission für Versorgungsunternehmen – das könnte die Gewinne von Versorgern wie Southern Company begrenzen.

Ein Sonderfall ist Elon Musk mit Tesla und SpaceX: Beide Aktien verloren nachbörslich deutlich an Wert. Musk hatte fast 450 Millionen Dollar in die Wahlkampfkassen der Republikaner investiert. Der Kongress dürfte das Thema KI künftig genauer prüfen, was auch Tesla und SpaceX betrifft – ebenso steht eine mögliche Fusion der beiden Unternehmen auf dem Prüfstand.

Die Kryptobranche hat die Wahl politisch verloren. Ein Schwerpunkt der Krypto-Lobby lag in Ohio, wo sie die Rückkehr von Sherrod Brown verhindern wollte – vergeblich.

Als Gewinner gelten Krankenhausbetreiber, da die Demokraten den Versicherungsschutz bei Medicare ausbauen wollen. Mit mehr Versicherten sinkt das Risiko unbezahlter Behandlungen – genannt wurden hier HCA Healthcare sowie, als risikoreichere Variante mit stärkerem Medicaid-Engagement, Centene.

Deutliche Kursgewinne verzeichneten Solarwerte: Die südkoreanische Hanwha Solutions sprang um 22 Prozent, Enphase Energy und SolarEdge um jeweils 12 Prozent, First Solar um 11 Prozent. Hintergrund ist die Erwartung, dass weitere Einschnitte bei Projekten für saubere Energien mit dem neuen Kongress schwerer durchsetzbar werden. First Solar profitiert zusätzlich direkt von Steuergutschriften für die Fertigung in den USA, während Enphase Energy als spekulativere Variante gilt.

Auch beim Thema Stromnetze zeichnet sich ein möglicher positiver Schub ab: Quanta Services baut und modernisiert Netze und Energieinfrastruktur, Eaton liefert Schalttechnik und Energiemanagement und verzeichnet eine starke Nachfrage aus dem Rechenzentrumsgeschäft.

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