Anleger des Batteriespezialisten Microvast Holdings sehen sich derzeit mit einer Welle von Sammelklagen konfrontiert. Mehrere US-Anwaltskanzleien, darunter die Rosen Law Firm und Kaplan Fox, rufen Investoren dazu auf, sich bis zum 21. September 2026 als Hauptkläger in laufenden Wertpapierklagen zu melden.
Im Zentrum der Vorwürfe stehen mutmaßlich falsche oder irreführende Angaben des Unternehmens zu seinen operativen Fortschritten und finanziellen Kennzahlen.
Massive Margeneinbrüche und verzögerte Projekte
Die rechtlichen Schritte beziehen sich auf den Zeitraum zwischen dem 1. April 2025 und dem 16. März 2026. Den Klägern zufolge hat das Management von Microvast die Marktteilnehmer über den tatsächlichen Zustand wichtiger Großprojekte im Unklaren gelassen.
Insbesondere die Erweiterung des Werks Huzhou Phase 3.2 soll von massiven Verzögerungen betroffen gewesen sein, während das Unternehmen zuvor eine Fertigstellung bis Ende 2025 in Aussicht gestellt hatte.
Zudem belasten schwache Geschäftszahlen die Stimmung. Für das vierte Quartal 2025 meldete Microvast einen Umsatz von 96,5 Millionen US-Dollar, was deutlich hinter dem Marktkonsens von 136,4 Millionen US-Dollar zurückblieb.
Besonders dramatisch entwickelte sich die Bruttomarge, die von etwa 36 % im Vorjahr auf nur noch rund 1 % einbrach. Dieser Einbruch wird unter anderem auf eine Wertminderung des Lagerbestands im Bereich der Energiespeichersysteme (ESS) in Höhe von 32,5 Millionen US-Dollar zurückgeführt.
Operative Probleme in Europa und Asien
Neben den Produktionsproblemen in China werden dem Unternehmen Verzögerungen beim Kunden-Rollout in der EMEA-Region (Europa, Nahost und Afrika) vorgeworfen. Laut Medienberichten verschlechterte sich die Lage zusätzlich durch regulatorische Verschiebungen in Südkorea und eine hohe Fluktuation in der Führungsebene, die unter anderem den Wechsel des Finanzvorstands (CFO) betraf.
Diese Faktoren führten dazu, dass die Aktie bereits am 17. März 2026 um mehr als ein Drittel einbrach, nachdem die Details zu den Bilanzproblemen öffentlich wurden.
Für Investoren, die während des fraglichen Zeitraums Anteile an Microvast erworben haben, geht es nun darum, mögliche Verluste geltend zu machen. Die Kanzleien werfen dem Unternehmen vor, die eigenen Margenziele systematisch zu hoch angesetzt und die Risiken bei der Inbetriebnahme neuer Produktionskapazitäten verschwiegen zu haben.
Aktie verharrt im Abwärtstrend
Die rechtliche Unsicherheit spiegelt sich deutlich im Kursverlauf wider. Seit Jahresbeginn hat die Aktie bereits 68 % an Wert verloren. Aktuell notiert das Papier bei 0,7500 € und kämpft damit, sich von seinen Tiefstständen zu lösen. Zwar beträgt der Abstand zum 52-Wochen-Tief derzeit noch 18 %, doch der massive Rückgang gegenüber dem Vorjahr unterstreicht das schwindende Vertrauen der Anleger in die Turnaround-Story des Batterieherstellers.
Ob die Einleitung der Sammelklagen zu einer weiteren Belastung führt oder ob durch die juristische Aufarbeitung Klarheit über die tatsächliche Finanzlage geschaffen wird, bleibt ein zentrales Thema für das restliche Handelsjahr. Die beträchtliche Volatilität der Aktie deutet darauf hin, dass die Marktteilnehmer vorerst mit hoher Vorsicht agieren, während die Fristen für die rechtliche Beteiligung näher rücken.
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