Microsoft steckt in einer heiklen Gemengelage. Kanzleien trommeln für eine Sammelklage wegen angeblich verschwiegener KI-Probleme. Parallel baut der Konzern Tausende Stellen ab und ersetzt fremde KI-Modelle durch eigene Technik. Die Aktie verlor am Freitag 1,77 Prozent und schloss bei 344,40 Euro.
Sammelklage wirft Microsoft Verschleierung vor
Mehrere US-Kanzleien, darunter die Rosen Law Firm und Bronstein, Gewirtz & Grossman, erinnerten diese Woche erneut an eine wichtige Frist. Aktionäre haben bis zum 11. August 2026 Zeit, sich als Hauptkläger in einer Sammelklage gegen Microsoft zu melden. Die Klage betrifft Käufer der Microsoft-Aktie zwischen dem 1. Mai 2025 und dem 28. Januar 2026.
Der Kern der Vorwürfe: Microsoft habe massive Probleme bei der Copilot-Produktfamilie verschwiegen. Genannt werden Schwächen bei Markenpositionierung, Nutzererfahrung, Datensilos und Interoperabilität. Das eigene KI-Flaggschiff-Modell habe bei Benchmark-Tests deutlich schlechter abgeschnitten als die Konkurrenz.
Zusätzlich wirft die Klage dem Unternehmen vor, seine Investitionsausgaben um Milliarden erhöhen und Rechenkapazität umschichten zu müssen. Grafik- und Zentralprozessoren seien vom profitablen Azure-Geschäft abgezogen worden, um im KI-Wettlauf mitzuhalten.
Eigene KI-Modelle statt OpenAI und Anthropic
Während die Klage noch läuft, vollzieht Microsoft bereits einen Strategiewechsel. Nach einem Bloomberg-Bericht ersetzt der Konzern in Excel und Outlook zunehmend Modelle von OpenAI und Anthropic durch die selbst entwickelte MAI-Technologie. Wöchentlich würden inzwischen zehntausende KI-Anfragen in diesen Anwendungen über die eigene Technik abgewickelt — ein Ausmaß, das bislang nicht öffentlich bekannt war.
Der Umbau soll die Abhängigkeit von teuren externen KI-Anbietern senken. Microsoft baut damit an einer günstigeren Alternative zur eigenen Marktmacht.
Der Schritt fällt in eine turbulente Phase für die Belegschaft. Microsoft kündigte den Abbau von rund 4.800 Stellen an, betroffene US-Mitarbeiter erhalten bis zu 39 Wochen Abfindung. Besonders hart traf es die Xbox-Sparte: Dort fielen etwa 3.200 Jobs weg, rund ein Fünftel der Belegschaft. Berichten zufolge könnten in den kommenden Wochen bis zu 5.700 weitere Stellen in Vertrieb, Beratung und Gaming gestrichen werden — Teil einer Umschichtung hin zu mehr KI-Ressourcen.
Charttechnik zeigt vorsichtige Stabilisierung
Die Aktie hat sich zuletzt leicht erholt, bleibt aber angeschlagen. Über die vergangenen 30 Tage stieg der Kurs um 4,49 Prozent, seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 16,64 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Hoch bei 478,10 Euro aus dem Oktober 2025 trennen die Aktie noch knapp 28 Prozent.
Der Kurs notiert derzeit unterhalb des 200-Tage-Durchschnitts von 376,45 Euro. Das deutet darauf hin, dass sich der langfristige Abwärtstrend noch nicht umgekehrt hat. Die 30-Tage-Volatilität von 32,64 Prozent annualisiert spiegelt die Unsicherheit wider, die Stellenabbau, KI-Umbau und Klage gemeinsam auslösen.
Die Frist für die Hauptkläger-Meldung am 11. August fällt in dieselbe Zeitspanne wie die für Ende Juli erwarteten Quartalszahlen zum vierten Geschäftsquartal. Investoren dürften beide Ereignisse parallel verfolgen — die juristische Auseinandersetzung und die Frage, ob sich Microsofts KI-Investitionen und der Umbau zu eigenen Modellen tatsächlich in den Geschäftszahlen niederschlagen.
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