Europol, das Bundeskriminalamt und Microsoft räumen im Netz auf. Gemeinsam haben sie die Infrastruktur zweier berüchtigter Schadprogramme zerschlagen. Der Software-Konzern beweist damit seine Macht im Bereich der Cybersicherheit. An der Börse verpufft die Nachricht allerdings völlig.
Operation Endgame legt Server lahm
Die konzertierte Aktion richtete sich gegen die Malware-Familien Amadey und StealC. Kriminelle nutzen diese Programme meist als Duo. Amadey öffnet die Tür zu fremden Rechnern. StealC stiehlt anschließend Passwörter und sensible Daten. Allein in den ersten beiden Mai-Wochen infizierten die Programme weltweit über 140.000 Computer.
Microsofts Abteilung für digitale Verbrechen identifizierte rund 18.000 betroffene Geräte. Die Experten kappten die Verbindung zu den Kontrollservern der Angreifer. Insgesamt schalteten die Behörden im Rahmen der „Operation Endgame“ 326 Server ab.
Die Ausbeute der Ermittler ist enorm. Sie sicherten 27 Millionen gestohlene Zugangsdaten. Zusätzlich froren sie kriminelle Krypto-Werte in zweistelliger Millionenhöhe ein.
Sicherheit als Verkaufsargument
Für Microsoft ist der Einsatz mehr als nur Imagepflege. Hacker nutzen kompromittierte Privatgeräte oft als Einfallstor in Firmennetzwerke. Erbeutete VPN-Logins oder Sitzungs-Cookies hebeln selbst mehrstufige Authentifizierungen aus. Die Folge: ein massives Risiko für Unternehmen.
Mit der erfolgreichen Abwehr stärkt der Konzern seine Position im lukrativen Markt für Unternehmenssicherheit. Das Segment ergänzt das florierende Cloud-Geschäft. Im abgelaufenen Quartal stieg der Umsatz der Microsoft Cloud um 29 Prozent auf 54,5 Milliarden US-Dollar.
Aktie im Abwärtssog
Den Ermittlungserfolg belohnen Anleger aktuell nicht. Das Papier notiert bei 321,00 Euro und gibt leicht nach. Seit Jahresbeginn hat der Titel mehr als 20 Prozent an Wert verloren.
Die charttechnische Lage bleibt angespannt. Der Kurs pendelt nur knapp vier Prozent über seinem 52-Wochen-Tief. Der Abstand zum Rekordhoch aus dem vergangenen Oktober beträgt mittlerweile fast 33 Prozent.
Das starke operative Geschäft spiegelt sich derzeit nicht im Kurs wider. Solange die allgemeine Schwäche bei Tech-Werten anhält, verpuffen auch positive Nachrichten aus dem Sicherheits-Segment. Erst ein nachhaltiger Sprung über die 50-Tage-Linie bei rund 353 Euro würde das angeschlagene Chartbild aufhellen.
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