Es gibt viele Anleger, die den Kursrückgang der Microsoft-Aktie seit November 2025 für einen Fehler halten. Gut 24 Prozent hat die Aktie seitdem verloren, und die Kaufrufe werden lauter. Doch wer hier einsteigt, sollte sich eine einzige Frage stellen: Sind Sie selber wirklich bereit, für Microsofts Produkte zu zahlen, wenn es günstigere, schnellere und einfachere KI-Alternativen gibt, die dasselbe leisten?
Azure wächst, aber zu welchem Preis?
Klar, Azure ist beeindruckend. Der Traffic stieg im vergangenen Jahr um 58 Prozent, die Cloud-Infrastruktur-Umsätze wuchsen um 39 Prozent. Copilot hat 15 Millionen zahlende Abonnenten, ein Plus von 160 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und der Auftragsrückstand liegt bei 80 Milliarden Dollar. Das klingt nach einer Wachstumsgeschichte.
Nur: Dieses Wachstum kostet. In 2026 werden die Investitionsausgaben auf geschätzte 33 Prozent des Gesamtumsatzes steigen. 2019 waren es noch 11 Prozent. Microsoft baut Rechenzentren, kauft GPUs, finanziert Strominfrastruktur. Der freie Cashflow liegt bei 55,3 Milliarden Dollar, die Barreserven bei 89,4 Milliarden. Das klingt komfortabel, bis man versteht, wohin das Geld fließt.
Die Infrastruktur-Falle
Genau hier liegt das eigentliche Problem. Microsoft war lange als Softwareunternehmen bewertet, mit hohen Margen, niedrigem CapEx und stabilem ROIC. Jetzt wird es zum KI-Infrastrukturanbieter. Das ist eine fundamental andere Geschichte. Chips veralten mitunter schneller, als sie sich amortisieren. Wer Infrastruktur baut, konkurriert nicht mehr mit Softwareunternehmen, sondern mit Industriekonzernen. Und die werden anders bewertet.
Noch unangenehmer ist der Vergleich mit Telekommunikationsunternehmen der 4G- und 5G-Ära. Die investierten Hunderte Milliarden in Netzinfrastruktur. Den Ertrag steckten andere ein: Meta, Netflix, Uber. Wenn KI-Agenten irgendwann unabhängig von einer spezifischen Cloud laufen, wird Azure zur bloßen Datenleitung. Infrastruktur ist eben immer günstiger als das, was darauf läuft.
Copilot unter Beschuss
Dazu kommt der Druck von allen Seiten. Spezialisierte KI-Anwendungen, trainiert auf spezifischen Datensätzen, integrieren sich tiefer in Arbeitsabläufe als Copilot es kann. Open-Source-Modelle wie Llama 4, Mistral oder DeepSeek machen die Sache noch komplizierter, denn sie schaffen eine „kostenlose“ Konkurrenz, die Microsoft zwingt, die Preise für API-Dienste und Computing zu senken. Gleichzeitig steigen die Preise für traditionelle Software wie Office 365 ab Juli 2026. Das ist ein schwieriger Spagat.
Microsoft Aktie Chart
30 Prozent Abwärtspotenzial
Ein Bewertungsvergleich mit Amazon, Alphabet, Oracle, Salesforce, SAP und ServiceNow zeigt: Microsoft handelt beim EV/Sales-Multiple mit einem Aufschlag von 51 Prozent zum Median der Vergleichsgruppe, beim EV/EBITDA immerhin noch mit gut 8 Prozent. Im Durchschnitt ergibt sich daraus ein Aufschlag von knapp 30 Prozent. Das ist kein kleines Polster, das sich durch ein gutes Quartal wegdiskutieren lässt.
Microsoft ist kein schlechtes Unternehmen. Die Transformation ist real, das Management arbeitet an den richtigen Themen. Aber der aktuelle Kurs spiegelt eine Realität wider, die so noch nicht existiert. Und wer jetzt kauft, zahlt für eine Zukunft, die möglicherweise ganz anderen Spielern gehört. Oder für eine Vergangenheit, die morgen Geschichte sein könnte.
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