Der US-Software-Riese Microsoft hat am Mittwoch der Vorwoche Zahlen zum vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 vorgelegt (das Geschäftsjahr endet am 30. Juni), infolge derer die Aktie mit einem Kurssprung von rund 9% reagierte und in der darauffolgenden Woche an die gute Entwicklung anknüpfen konnte.
Mit der anschlie0ßenden Rally gelang es der Aktie in dieser Woche, die year-to-date-Performance ins Grüne zu hieven. Der neue Optimismus der Käufer ist gut begründet, denn praktisch jede wichtige Kennzahl hatte die Erwartungen der Analysten übertroffen.
Umsatz und Gewinn deutlich über Konsens
Microsoft teilte mit, dass der Umsatz um 18% auf 90,0 Mrd. USD kletterte und übertraf damit den von Analysten erwarteten Konsens von rund 87,7 Mrd. USD um über 2 Mrd. Dollar.
Der operative Gewinn stieg proportional um 18% auf 40,6 Mrd. USD, die operative Marge verbesserte sich leicht auf 45,1% von 44,9% im Vorjahr. Der Nettogewinn legte um 31% auf 35,8 Mrd. USD zu, das Ergebnis je Aktie stieg um 32% auf 4,81 USD.
Der Gewinn wurde unter anderem von einem Buchgewinn von 3,2 Mrd. USD aus der Beteiligung an Anthropic positiv beeinflusst. Zusätzlichen Rückenwind lieferte auch die Neubewertung der OpenAI-Beteiligung; Sie steuerte im Quartal einen Gewinn von 480 Mio. USD bei, nach einem Verlust von 1,6 Mrd. USD im Vorjahresquartal.
Bereinigt um Sondereffekte kam Microsoft auf 4,74 USD je Aktie – 0,27 USD mehr als von Analysten erwartet.
Azure wächst schneller als erwartet
Den entscheidenden Ausschlag für die starken Ergebnisse gab wie auch schon bei Alphabet oder SAP die Cloud-Sparte. Der Umsatz von Microsoft Cloud stieg um 27% auf 59,3 Mrd. USD, Intelligent Cloud legte um 32% auf 39,3 Mrd. USD zu. Azure allein wuchs um 43% – schneller als die von Analysten erwarteten rund 40% und das höchste Tempo seit Anfang 2022.
Übers Geschäftsjahr gerechnet knackte Azure erstmals die Marke von 100 Mrd. USD Jahresumsatz, ein Plus von 41% gegenüber dem Vorjahr. Interessant ist in diesem Zusammenhang, zu sehen, wo die ganzen Milliarden der Hyperscaler landen.
Das Management erklärte, dass um die Nachfrage bedienen zu können, Microsoft allein in diesem Quartal 31 neue Rechenzentren in Betrieb genommen hat und dass es 88 im gesamten Geschäftsjahr waren.
Microsoft Aktie Chart
KI-Produkte zeigen stark steigende Nutzerzahlen
Die Milliarden für Rechenzentren sind kein Ausbau für irgendwelche Kapazitätsreserven, die vielleicht irgendwann mal abgerufen werden, sondern bedienen eine messbare Nachfragesteigerung, wie der Blick auf weitere Nutzerdaten zeigt.
Microsoft365 Copilot kommt inzwischen auf über 30 Mio. zahlende Kunden, nach nur rund 15 Mio. im Vorquartal. Auch GitHub Copilot, das Programmierwerkzeug für Entwickler, zählt mittlerweile 50 Mio. Nutzer bei einem Umsatzwachstum von über 60% zum Vorquartal.
Besonders bemerkenswert: Das Volumen vertraglich fixierter Aufträge (RPO) sprang um 84% auf 678 Mrd. USD – der größte im Voraus gesicherte KI-Auftragsbestand, den einer der großen Cloud-Anbieter in der aktuellen Berichtssaison vermeldet hat.
Microsofts Azure-Wachstum und Nutzerdaten nehmen Anleger-Sorgen
Vor den Zahlen waren es vor allem vier Sorgen, die auf der Aktie lasteten. 1. Explodierende Investitionen, 2. das Ende der OpenAI-Exklusivität, 3. ein vorsichtiger Azure-Ausblick und 4. die allgemeine Schwäche von Software-Aktien. Von alldem ist nach diesen Zahlen wenig übrig geblieben.
Die (KI-)Investitionen sind zwar mit 41 Mrd. USD im Quartal (plus 69%) weiterhin hoch, doch das Management konkretisierte den Ausblick auf rund 175 Mrd. USD und damit niedriger als die zuvor kommunizierte Marke von 190 Mrd. USD.
Und statt eines vorsichtigen Azure-Ausblicks stellte Microsoft für das laufende Quartal ein Wachstum von rund 45% in Aussicht – noch einmal schneller als die bereits sehr starken 43% im Schlussquartal.
Zusätzlichen Rückenwind dürfte zudem die zum 1. Juli in Kraft getretene Preiserhöhung bei Microsoft 365 liefern, die laut Analysten in den kommenden drei Geschäftsjahren jeweils 2, 4 und 6 Mrd. USD an zusätzlichen Erlösen beisteuern soll.
Microsoft Aktie Chart
Analysten loben starkes Zahlenwerk – Gamingbereich einziger Schönheitsfleck
Die Kursreaktion und die geschlagenen Erwartungen zeigten, dass der Markt, wie offenbar auch bei sehr vielen anderen Aktien aus dem Software-Sektor, in den vergangenen Wochen zu pessimistisch eingestellt war.
Die Ergebnise waren stark und wenig überraschend hoben diverse Analysten ihre Einschätzung für die Microsoft-Aktie an. Das durchschnittliche Kursziel stieg auf rund 566 US-Dollar, in der Spitze wird der faire Wert der Microsoft-Aktie sogar mit 650 USD angegeben.
Von 63 erfassten Analysten empfehlen 59 die Aktie zum Kauf, nur vier votieren die Aktie zu „Halten“. Verkaufsempfehlungen liegen nach wie vor nicht vor, was angesichts von Bewertung und Geschäftsentwicklung nicht verwunderlich ist.
Wie immer gab es jedoch auch kritische Analysten-Stimmen, die etwa auf die schlechte Entwicklung bei Xbox (-10%) oder dem PC-Geschäft verwiesen. Makellos war der Bericht dann doch nicht – doch unter dem Strich wirken die Schwächen lediglich wie Schönheitsflecken.
Trotz der jüngsten Erholung ist die Aktie mit einem KGV von etwa 25 auf Basis des zu erwartenden 2026/27er Gewinns noch immer günstiger als der Zehn-Jahres-Durchschnitt von rund 31.
Mit einem sich beschleunigenden Azure-Wachstum, einem Rekord-(KI-)Auftragsbestand und einer im historischen Vergleich weiterhin moderaten Bewertung bleibt Microsoft in aussichtsreicher Position für ein ansprechendes Renditeergebnis 2026.
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