Mit einem neuen Spezialprozessor treibt Microsoft den Ausbau seiner eigenen Rechenzentrumsinfrastruktur voran. Der Softwarekonzern stellte gestern den Maia 300 vor, einen Chip der nächsten Generation für KI-Inferenz. Ab dem Jahr 2027 plant das Unternehmen, den Einsatz der Azure-Maia-Systeme auf Multi-Gigawatt-Kapazitäten zu skalieren.
Nach Unternehmensangaben soll der neue Prozessor 40 Prozent mehr Tokens pro Megawatt liefern als führende grafikprozessorgestützte Systeme. Zudem verspricht Microsoft beim Token-Durchsatz auf Rack-Ebene eine Steigerung um bis zu das Siebenfache gegenüber dem Vorgängermodell Maia 200.
Die Entwicklung eigener Beschleuniger zielt darauf ab, die enorme Rechenleistung für künstliche Intelligenz effizienter bereitzustellen und den Energiebedarf der Rechenzentren im Zaum zu halten.
Analysten reagieren mit höheren Kurszielen
Die Pläne für die Cloud-Infrastruktur stoßen am Markt auf positive Resonanz. Brad Zelnick von der Deutschen Bank hob gestern das Kursziel für die Aktie von $550 auf $600 an und bestätigte seine Kaufempfehlung. Bereits am vergangenen Mittwoch hatte Kirk Materne vom Analysehaus Evercore ISI sein Kursziel von $528 auf $635 heraufgesetzt und die Einstufung Outperform beibehalten.
An der Börse bewegt sich der Titel auf hohem Niveau: Microsoft notiert heute bei 485,20 Euro, nachdem das Papier gestern bei 485,15 Euro aus dem Handel gegangen war. Damit liegt der Kurs nur 0,3 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch.
Voller Kalender und politische Reibungspunkte
Neben der Hardwareoffensive kündigte der Konzern in der vergangenen Woche auch Neuerungen im Software- und Endgerätebereich an. Dazu zählen Windows Hybrid Intelligence, Sicherheitscontainer für KI-Agenten sowie neue Surface-Modelle wie das Surface Laptop Ultra. Am 20. Oktober folgt eine weitere digitale Veranstaltung mit Fokus auf OneDrive und den KI-Assistenten Copilot.
Gleichzeitig sieht sich der Konzern mit Gegenwind aus Washington konfrontiert. Medienberichten zufolge setzte die US-Regierung Microsoft am vergangenen Donnerstag von einem Zertifizierungsprogramm für Daueraufenthaltsgenehmigungen aus.
Vizepräsident JD Vance warf dem Unternehmen vor, entlassene US-Arbeitskräfte durch ausländische Fachkräfte ersetzt zu haben. Microsoft wies den Vorwurf zurück: Rund 80 Prozent der etwa 6.000 Anträge auf H-1B-Visa im vorangegangenen Geschäftsjahr hätten lediglich dazu gedient, den Status bestehender Mitarbeiter zu verlängern oder anzupassen.
Klarheit über die finanzielle Verfassung des Konzerns erhalten Anleger in zwei Wochen: Microsoft wird am 28. Oktober nach US-Börsenschluss seine nächsten Quartalszahlen veröffentlichen.
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