Die Bücher waren fast fünfmal überzeichnet. Microsofts erste US-Anleihe mit Investment-Grade-Rating seit mehr als neun Jahren stieß auf enorme Nachfrage, obwohl der Konzern dank positivem Cashflow nicht auf frisches Geld angewiesen wäre.
Zehn Tranchen, Laufzeiten bis 2066
Der Konzern platzierte Anleihen über 25 Milliarden Dollar, aufgeteilt in zwei variabel verzinste und acht festverzinsliche Tranchen. Die Laufzeiten reichen von 2028 bis 2066, die Kupons der Festzins-Papiere von 4,85 bis 6,35 Prozent. Der Abschluss ist für den 4. November vorgesehen.
Die Erlöse sollen unter anderem Investitionen, Aktienrückkäufe, Übernahmen und die Tilgung bestehender Schulden finanzieren. Nach Marktberichten gingen Kaufaufträge über rund 115 Milliarden Dollar ein, mehr als das Vierfache des Volumens.
Finanzchefin Amy Hood hatte am Mittwoch angedeutet, dass der Zugang zum Anleihemarkt bislang ungenutzt sei. Bisher setzte Microsoft vor allem auf Leasing.
Cashflow als Unterscheidungsmerkmal
Der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Alphabet, Meta und Amazon wiesen zuletzt negative freie Cashflows aus, Microsoft meldete dagegen einen positiven Wert. Für die Zeit bis Juni 2027 stellt der Konzern das weiterhin in Aussicht.
Die Investitionen steigen dennoch steil: Im Septemberquartal lagen sie bei 39,4 Milliarden Dollar, nach 19,4 Milliarden im Vorjahr. Die liquiden Mittel sanken seit Ende Juni von 76,8 auf 64,5 Milliarden Dollar. Für 2026 peilt das Management Investitionen von rund 170 Milliarden Dollar an, getrieben von der Nachfrage von KI-Labs wie Anthropic und OpenAI.
Operativ lieferte Microsoft zuletzt kräftig. Der Umsatz wuchs um 19 Prozent auf 92,3 Milliarden Dollar, Azure legte um 48 Prozent zu. Damit hob sich der Konzern von der übrigen Big-Tech-Gruppe ab, die an der Börse für ihre KI-Ausgaben abgestraft wurde.
Skepsis am Markt, Charttechnik angespannt
Der Nasdaq 100 steuert auf einen Oktober mit Verlusten von mehr als 2 Billionen Dollar Börsenwert zu. Die Sorge gilt der Frage, ob die KI-Milliarden schnell genug Erträge bringen, zumal steigende Zinsen Fremdfinanzierung verteuern. Anleihen von CoreWeave rentieren bereits bei rund 14,2 Prozent.
Microsoft-Papiere schlossen am Donnerstag bei 530,14 Dollar und gaben vorbörslich leicht nach. Charttechniker verweisen auf den Widerstand bei 551 Dollar, der Ende 2025 und im Oktober getestet wurde. Ein Rückfall könnte zunächst Richtung 508 Dollar führen, darunter wartet eine Unterstützung bei 489 Dollar. Gelingt der Ausbruch nach oben, rückt das Niveau um 629 Dollar in den Blick.
Unter Analysten überwiegt der positive Blick: 36 von 40 Stimmen raten zum Kauf, das mittlere Kursziel liegt bei 633,87 Dollar. Nächster fester Termin ist der Abschluss der Emission am 4. November.
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