Microsoft-Aktie: Größter Copilot-Deal löst nichts!

Microsoft vermeldet Rekord-Deal für KI-Assistenten Copilot mit Accenture, doch die Aktie zeigt sich unbeeindruckt. Die niedrige Nutzerakzeptanz bleibt ein Kernproblem.

Auf einen Blick:
  • Größter Enterprise-Deal für Copilot: 743.000 Accenture-Mitarbeiter
  • Bisher zahlen nur gut 3 Prozent der 450 Millionen Office-365-Nutzer für Copilot
  • Microsoft-Aktie in diesem Jahr bereits 12 Prozent im Minus
  • Accenture-Umfrage: 97 Prozent berichten von schnelleren Routineaufgaben

743.000 Mitarbeiter, ein Deal, viel Lärm. Microsoft und Accenture haben am Montag verkündet, dass der KI-Assistent Copilot 365 auf die gesamte betreffende Belegschaft des Beratungsriesen ausgerollt wird. Der bisher größte Enterprise-Deal für den Chatbot, wie beide Unternehmen nicht ohne Stolz betonten. Finanzielle Details nannte niemand.

3 Prozent zahlen, 97 Prozent nicht

Wer die Meldung nüchtern liest, stößt schnell auf die eigentlich relevante Zahl: Etwas mehr als 3 Prozent der über 450 Millionen Enterprise-Nutzer von Office 365 bezahlen derzeit die 30 Dollar pro Monat für Copilot. Der Rest nicht. Das ist das Problem, das Microsoft seit Monaten mit sich herumträgt, und ein Großkundenvertrag mit Accenture löst es nicht, er illustriert es allenfalls.

Die Aktie ist in diesem Jahr um 12 Prozent gefallen, nach dem stärksten Quartalsrückgang seit der Finanzkrise 2008. Langsame Copilot-Adoption, uneinheitliches Cloud-Wachstum, Investorensorgen über die Rendite der massiven KI-Ausgaben. Das ist die Kulisse, vor der dieser Deal verkündet wurde.

Microsoft Aktie Chart

Accenture lobt sich selbst

Accenture lieferte dazu die passenden Zahlen aus einer eigenen Umfrage unter 200.000 Nutzern: 97 Prozent sagten, Copilot helfe ihnen, Routineaufgaben bis zu 15-mal schneller zu erledigen. 53 Prozent berichteten von erheblichen Produktivitätssteigerungen. CEO Julie Sweet sagte, ihre Teams leisteten dank Copilot bereits höherwertigere Arbeit.

Selbstberichtete Umfragen des eigenen Unternehmens als Beweis für Produktivitätsgewinne, das ist eine Methode. Eine andere lieferte das National Bureau of Economic Research im Februar: Fast 90 Prozent von knapp 6.000 befragten Führungskräften aus den USA, Großbritannien, Deutschland und Australien sagten, KI habe in den vergangenen drei Jahren keinen Einfluss auf Beschäftigung oder Produktivität gehabt.

Weniger OpenAI, mehr Anthropic

Interessant ist auch, was Microsoft strategisch bewegt. Charles Lamanna, der die M365-Apps und die Copilot-Plattform leitet, erklärte gegenüber Reuters, dass das Angebot mehrerer KI-Modelle, darunter Anthropic, die Nachfrage stütze. Microsoft bewirbt Anthropics Technologie zuletzt offensiv bei Kunden, um die Abhängigkeit von OpenAI zu reduzieren. Ebenfalls am Montag wurde eine überarbeitete Partnerschaft mit OpenAI vorgestellt, die Microsofts exklusiven Zugang zu OpenAIs Technologie beendet und dem ChatGPT-Entwickler den Weg auf konkurrierende Cloud-Plattformen freimacht.

743.000 Nutzer mehr klingt groß. Bei 450 Millionen Enterprise-Kunden sind das 0,17 Prozent. Die Rechnung macht der Markt selbst.

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