Microsoft weist sein Vertriebspersonal an, Kunden künftig aktiv von den Modellen der Partner OpenAI und Anthropic abzuraten und stattdessen die eigenen MAI-Modelle zu bewerben. Das bestätigt ein Bericht vom 17. Juli 2026, wonach der Konzern die KI-Antriebe in Word, Excel und Outlook nach und nach durch Eigenentwicklungen ersetzt. Der Schritt markiert einen Bruch in einer Allianz, die zuletzt ohnehin brüchig wirkte: Microsoft hält rund 27 Prozent am gewinnorientierten Arm von OpenAI, ein Anteil mit einem Volumen von etwa 135 Milliarden Dollar. Zugleich hat das Unternehmen bereits sieben eigene Modelle veröffentlicht, darunter MAI-Thinking-1, das laut demselben Bericht mit Claude Opus 4.6 mithalten soll.
Konzernchef Satya Nadella wurde am selben Tag mit scharfer Kritik an Anthropic zitiert. Er bemängelte die Beschränkungen von dessen Fable-Modell und forderte offenere, günstigere KI-Angebote. Microsoft hatte zuvor fünf Milliarden Dollar in Anthropic investiert, während sich der Rivale im Gegenzug zu Azure-Buchungen von 30 Milliarden Dollar verpflichtete. Nadella argumentiert, eine Abhängigkeit von nur wenigen KI-Anbietern mit ausreichend Kapital sei auf Dauer nicht tragbar – ein bemerkenswerter Kurswechsel, nachdem Copilot nach Unternehmensangaben inzwischen mehr als 20 Millionen zahlende Nutzer zählt.
Aktie unter Druck – Investoren reagieren nervös
Der Kurs bekommt die Neuordnung der KI-Partnerschaften zu spüren. Am Freitag verlor die Aktie 2,74 Prozent auf 340,80 Euro, nachdem sie am Donnerstag noch bei 350,40 Euro geschlossen hatte. Vom 52-Wochen-Hoch aus Ende Oktober 2025 trennen das Papier mittlerweile 28,72 Prozent. Auch gegenüber dem 200-Tage-Durchschnitt notiert die Aktie mit 9,47 Prozent im Rückstand – ein Zeichen dafür, dass der Abwärtstrend nicht nur eine Tagesbewegung ist, sondern sich über Monate aufgebaut hat. Parallel dazu wächst der rechtliche Gegenwind: Eine Sammelklage wegen mutmaßlich irreführender Aussagen zu Azure und Copilot läuft, die Frist für Anleger, sich als Klageführer zu melden, endet am 11. August 2026.
Sicherheitssparte im radikalen Umbau
Neben der KI-Strategie schraubt Microsoft auch an seiner Cybersicherheitsorganisation. Hayete Gallot, die die Sparte seit Februar 2026 leitet und laut Unternehmensangaben direkt an Nadella berichtet, hat mehrere Führungskräfte ausgetauscht, die zuvor Charlie Bell unterstellt waren. Joy Chik und Shawn Bice verlassen das Unternehmen, neu an Bord sind der zurückgekehrte Microsoft-Veteran Naseem Tuffaha sowie Rajesh Sundaram, der zuvor bei NetApp und HPE tätig war. In einem internen Memo schreibt Gallot, die Branche werde durch künstliche Intelligenz von Grund auf neu gestaltet. Der Umbau ist Teil eines konzernweiten Stellenabbaus von 4.800 Positionen, das entspricht 2,1 Prozent der Belegschaft. Hunderte Stellen fallen allein in der Sicherheitsorganisation weg, während der Fokus auf KI-gestützte Produkte wie Security Copilot sowie auf automatisierte Schwachstellenscanner und die Überwachung von KI-Agenten verlagert wird. Auslöser des Umbaus sollen verstärkte Sicherheitsprüfungen nach Vorfällen sein, die zuvor Kritik des US-Heimatschutzministeriums nach sich zogen.
Der Konkurrenzdruck im KI-Sicherheitsmarkt bleibt hoch: JPMorgan-Chef Jamie Dimon warnte öffentlich vor Sicherheitsrisiken durch Anthropics Mythos-Modell und verglich dessen unkontrollierte Weitergabe mit dem Umgang mit ballistischen Raketen. Die US-Regierung hatte im Juni 2026 Zugangsbeschränkungen für Mythos verhängt und diese am 1. Juli wieder aufgehoben, nachdem zusätzliche Schutzmaßnahmen griffen.
Quartalszahlen als nächster Prüfstein
Anleger richten den Blick nun auf den 29. Juli 2026, wenn Microsoft seine Zahlen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 vorlegt. Im vorangegangenen Quartal war die Azure-Cloud-Sparte um 40 Prozent gewachsen, der laufende KI-Umsatz erreichte demnach eine Jahresrate von 37 Milliarden Dollar. Der Auftragsbestand des Konzerns wird mit rund 627 Milliarden Dollar beziffert. Ob diese Wachstumsdynamik anhält, dürfte angesichts des offenen Bruchs mit OpenAI und Anthropic sowie der laufenden Sammelklage zur zentralen Frage für die Bewertung der Aktie werden. Die anstehenden Zahlen werden zeigen, ob der eingeschlagene Kurs – eigene Modelle statt fremder Partner, schlankere Sicherheitsorganisation statt gewachsener Strukturen – bei Kunden und Investoren tatsächlich verfängt.
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