Microsoft-Aktie: Azure wächst – Google lacht!

Microsofts Cloud-Wachstum bleibt hinter Google zurück. Trotz Rekordquartal und hohen Investitionen in KI und Rechenzentren verliert die Aktie zunächst an Wert.

Auf einen Blick:
  • Azure-Umsatz wächst 40 Prozent, trifft Konsens, liegt aber weit hinter Googles 63 Prozent
  • Microsoft plant 190 Milliarden Dollar Kapitalausgaben für 2026, weit über Analystenerwartungen
  • M365 Copilot legt auf 20 Millionen Nutzer zu, plus 5 Millionen im Quartal
  • KI-Jahresumsatz auf Kurs von 37 Milliarden Dollar, plus 123 Prozent

Mittwochabend, Quartalszahlen, und Microsoft liefert eigentlich das, was Investoren erwarten. Der Cloud-Umsatz wächst 40 Prozent, der Gewinn je Aktie klettert auf 4,27 Dollar, Satya Nadella spricht von einem Rekordquartal. Klingt gut. Nur hat da jemand vergessen, den Konkurrenten Google rechtzeitig zu bremsen.

63 Prozent gegen 40 Prozent

Google Cloud legte im selben Zeitraum nämlich um 63 Prozent zu, bei Erwartungen von gut 50 Prozent. Azure traf den Konsens von 39 bis 40 Prozent, mehr nicht. Alphabet-Aktien stiegen nachbörslich um mehr als 4 Prozent, Microsoft-Aktien rutschten zunächst mehr als 2 Prozent ab und erholten sich erst, als Finanzchefin Amy Hood für das laufende Quartal 39 bis 40 Prozent Azure-Wachstum in Aussicht stellte, was die Analystenerwartung von 36,7 Prozent überträfe. Das reichte, um die Verluste zu stoppen. Mehr aber auch nicht.

Das Grundproblem bleibt: Wer sich im KI-Rennen auf Partnerschaften verlässt, muss sich fragen lassen, ob das auf Dauer eine Strategie ist.

Microsoft Aktie Chart

190 Milliarden Dollar, kein Tippfehler

Hood kündigte an, Microsoft werde im Kalenderjahr 2026 rund 190 Milliarden Dollar in Kapitalausgaben stecken. Analysten hatten gut 150 Milliarden erwartet. 25 Milliarden davon entfallen allein auf gestiegene Komponentenkosten, Chips vor allem. „Wir sind zuversichtlich, was die Rendite dieser Investitionen betrifft, angesichts der hohen Nachfragesignale und der wachsenden Produktnutzung“, sagte Hood auf dem Analysten-Call.

Für das dritte Quartal lagen die Kapitalausgaben bei 31,9 Milliarden Dollar, also unter den erwarteten 34,9 Milliarden. Im vierten Quartal soll es dann auf über 40 Milliarden hochgehen. Hood erklärte das mit dem Hochfahren neuer Rechenzentrumskapazitäten. Nadella ergänzte, man habe die Lieferzeiten für neue GPUs in den größten Regionen seit Jahresbeginn um fast 20 Prozent verkürzt. Ein Datencenter in Wisconsin sei sechs Wochen früher als geplant online gegangen.

5 Millionen neue Copilot-Nutzer

Investor-Relations-Chef Jonathan Neilson vermeldete, die Zahl der Nutzer des M365 Copilot-Assistenten für 30 Dollar im Monat sei von 15 auf 20 Millionen gestiegen. „Die Tatsache, dass wir in einem Quartal 5 Millionen Lizenzen hinzugewonnen haben, ist für uns ein sehr, sehr gutes Zeichen“, sagte Neilson. Nadella schob nach, wöchentliche Nutzung von Copilot sei mittlerweile auf dem gleichen Niveau wie Outlook.

Gemessen an Microsofts Gesamtnutzerbasis sind 20 Millionen Copilot-Nutzer noch dünn. Der KI-Jahresumsatz liegt auf Kurs von 37 Milliarden Dollar, plus 123 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Außerdem hat Microsoft seine OpenAI-Vereinbarung neu verhandelt: 20 Prozent Umsatzbeteiligung bis 2030, gesichert, unabhängig von technologischen Meilensteinen. Im Gegenzug verliert Microsoft die Exklusivrechte am Weiterverkauf von OpenAI-Produkten über seine Cloud. Amazon bietet OpenAI-Modelle bereits an.

Buyout-Programm und Stellenabbau

Das Geld für all das muss irgendwo herkommen. Microsoft legte Anfang April sein erstes freiwilliges Abfindungsprogramm seit mehr als fünf Jahrzehnten auf. Für das vierte Quartal sind rund 900 Millionen Dollar an Einmalkosten dafür einkalkuliert. Amazon und Meta bauen ebenfalls Stellen ab.

90 Prozent der Fortune-500-Unternehmen nutzen laut Nadella bereits aktiv Agenten, die mit Microsofts Low-Code-Tools gebaut wurden. Der Cashflow aus dem operativen Geschäft stieg um 26 Prozent auf 46,7 Milliarden Dollar. Alles solide. Nur Google war halt noch besser.

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