Wer die Microsoft-Aktie in diesem Jahr hält, hat einiges mitgemacht. Knapp 18 Prozent im Minus seit Januar, das schlechteste Abschneiden unter den Magnificent Seven, während Alphabet davonzog und die Kapazitätsengpässe bei Azure das Narrativ bestimmten. Dann kam der Mittwochabend.
Azure läuft, und zwar richtig
43 Prozent Wachstum im vierten Quartal, bei einem Konsens von knapp 40 Prozent. Das ist kein knappes Übertreffen, das ist ein Schlag auf den Tisch. Satya Nadella formulierte es so: „Azure hat in diesem Jahr erstmals die 100-Milliarden-Dollar-Marke beim Umsatz überschritten, und Microsoft 365 Copilot hat über 30 Millionen zahlende Nutzer erreicht.“ 30 Millionen, im Vorquartal waren es noch 20 Millionen. Analysten hatten im Schnitt 26,9 Millionen erwartet.
Dave Wagner von Aptus Capital Advisors hatte nach Googles starkem Quartal noch gewarnt, Azure könnte Marktanteile verlieren. Nun sagt er: „Was Azure uns zeigt, ist, dass es voll im Rennen bleibt.“ So kann es gehen.
Die Ausgaben? Enorm. Und es wird mehr.
41 Milliarden Dollar Investitionsausgaben allein im April-Juni-Quartal, mehr als 70 Prozent über dem Vorjahreswert. Für das gesamte Kalenderjahr hat Microsoft 190 Milliarden Dollar eingeplant. Das klingt nach viel, weil es viel ist.
Und dann steht da noch eine Zahl in einem Wertpapierdokument, die kaum jemand sofort einordnen kann: 329,1 Milliarden Dollar an Rechenzentrums-Leasingverträgen, die noch nicht begonnen haben. Laufzeiten zwischen 2027 und 2033. Jonathan Neilson, Microsofts Investor-Relations-Chef, kommentierte das knapp: „Es kommt immer wieder auf das Nachfragesignal zurück, das wir sehen.“ Ob das beruhigend gemeint war, bleibt offen.
Der Rückhalt im Cloud-Backlog
678 Milliarden Dollar vertraglich gebundener Cloud-Umsatz zum Quartalsende, nach 627 Milliarden im Vorquartal. Die rund 50 Milliarden Dollar Zuwachs kamen laut Microsoft ausschließlich von Unternehmen außerhalb der großen US-KI-Modellanbieter. Das Geschäft diversifiziert sich also, weg von der Abhängigkeit von OpenAI, hin zu Anthropic-Modellen und eigenen KI-Entwicklungen.
Gesamtumsatz: 90 Milliarden Dollar, plus 18 Prozent. Bereinigter Gewinn je Aktie: 4,74 Dollar, bei einer Erwartung von 4,24 Dollar. Nachbörslich legte die Aktie rund 4 Prozent zu.
Der schlechteste der Magnificent Seven
Dieses Etikett heftet der Microsoft-Aktie seit Monaten an. YTD minus 18 Prozent, das war die Ausgangslage vor diesem Abend. Ob ein einziges Quartal das Bild dreht, ist eine andere Frage. Aber 329 Milliarden Dollar in noch nicht gestarteten Leasingverträgen sagen zumindest eines aus: Microsoft rechnet damit, dass die Nachfrage noch eine Weile anhält.
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