Steigende Preise, sinkende Geduld: Was bei Netflix als „Streamflation“ bekannt wurde, greift längst auf Gaming-Abos über. Auch Microsoft spürt die Kündigungswelle bei seinen Spiele-Diensten.
Neue Daten des Marktforschers Circana zeigen, dass Kostengründe bei Kündigungen von Xbox Game Pass Essential mittlerweile die dominierende Rolle spielen. Mehr als 40 Prozent der Nutzer, die ihr Abo beendeten, nannten den Preis als Hauptgrund. Bei PlayStation Plus Essential liegt der Wert ähnlich hoch, bei Nintendo Switch Online kletterte die Quote sogar auf 50 Prozent – ein deutlicher Anstieg von zuvor 37 Prozent im ersten Quartal.
Ein Sektorproblem, kein Einzelfall
Der Trend ist nicht auf Gaming beschränkt. Eine Ipsos-Umfrage zeigt, dass 39 Prozent der Amerikaner in den sechs Monaten bis Mitte September mindestens ein Streaming-Abo gekündigt haben, deutlich mehr als die 29 Prozent im März. Haushalte kämpfen mit steigenden Kosten bei Lebensmitteln, Sprit und Heizung – Abo-Dienste werden da zum ersten Sparposten.
Netflix bekam die Konsequenzen bereits deutlich zu spüren: Wells Fargo stufte die Aktie vergangene Woche ab und senkte das Kursziel auf 57 Dollar, was die Aktie um rund 5 Prozent drückte. Evercore ISI hält dagegen und hob sein Ziel auf 110 Dollar an – ein Fall, in dem der Markt selbst unter Analysten komplett gespalten ist, ob steigende Preise die Kundenabwanderung noch rechtfertigen.
Für Microsoft ist die Situation weniger existenziell als für reine Streaming-Anbieter. Xbox Game Pass ist nur ein Baustein im breiten Portfolio aus Cloud, Software und Unternehmenslösungen. Die Kündigungsquote bei Nintendo und Sony deutet aber darauf hin, dass der Preisdruck die gesamte Gaming-Abo-Branche erfasst hat, nicht nur einzelne Anbieter.
Was als Nächstes zählt
Der wichtigste Signalgeber für die gesamte Branche bleibt der Quartalsbericht von Netflix, der für Mitte bis Ende Oktober erwartet wird. Fällt die Zahl der Netto-Neuabonnenten dort erneut, dürfte das den Druck auf die gesamte Abo-Wirtschaft – Xbox Game Pass eingeschlossen – weiter erhöhen.
Bleiben die Zahlen stabil, könnte sich die aktuelle Kündigungswelle als vorübergehendes Phänomen erweisen statt als strukturelles Problem für Microsofts Gaming-Sparte.
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