Microsoft Aktie: 3,3 Prozent Minus nach Majorana-2-Ankündigung

Microsofts Aktie fällt trotz Quantenchip-Enthüllung. Wissenschaftliche Zweifel und eine verschärfte FTC-Untersuchung belasten den Kurs.

Auf einen Blick:
  • Aktie verliert nach Build-Konferenz
  • Quantenchip Majorana 2 vorgestellt
  • Wissenschaftler bezweifeln Qubit-Fortschritt
  • FTC weitet Kartelluntersuchung aus

Microsofts jährliche Build-Konferenz sollte eigentlich für Aufbruchstimmung sorgen. Stattdessen verlor die Aktie allein am Tag der Hauptankündigung 3,3 Prozent — und steht auf Wochensicht rund 4,5 Prozent im Minus bei 368,70 Euro.

Majorana 2: Spektakuläre Zahlen, skeptische Märkte

Der neue topologische Quantenchip Majorana 2 liest sich auf dem Papier beeindruckend. Die Qubit-Anzahl stieg von 8 auf 12, die Qubit-Lebensdauer kletterte von unter 12 Millisekunden auf über 20 Sekunden — eine tausendfache Verbesserung. Microsoft wechselte dafür das Kernmaterial: Statt Aluminium wie bei Google oder IBM setzt der Chip auf Blei, entwickelt mithilfe eigener KI-Werkzeuge für Materialwissenschaften.

Auf dieser Basis zieht Microsoft seinen Zeitplan für einen skalierbaren Quantencomputer auf 2029 vor — halb so lang wie ursprünglich geplant und deckungsgleich mit dem Zieldatum von IBM, das zuletzt milliardenschwere Investitionen in Quantentechnologie angekündigt hat.

Die Märkte ließen sich davon nicht beeindrucken. Analysten von KeyBanc ordneten das Quantenprojekt als langfristigen Wachstumsfokus ein — eine freundliche Umschreibung dafür, dass kurzfristige Ergebnisbeiträge nicht zu erwarten sind. Barclays blieb nach der Build-Keynote bei „Overweight“ mit einem Kursziel von 545 Dollar, richtete den Blick dabei aber auf die KI-Entwicklungen, nicht auf Quantencomputing.

Wissenschaftler zweifeln an den Grundlagen

Ernster wiegt die Kritik aus der Forschungsgemeinschaft. Henry Legg, theoretischer Physiker an der University of St Andrews, formuliert es direkt: „In diesem Paper gibt es nichts, das zeigt, dass dies ein Qubit ist.“ Die Leistungsangaben zu Majorana 2 sind bislang nicht peer-reviewed — ein heikler Punkt, denn 2021 musste Microsoft eine bedeutende begutachtete Studie zurückziehen, nachdem externe Forscher fehlende Rohdaten aufdeckten. Auch der Vorgänger Majorana 1 war wissenschaftlich umstritten.

Microsoft verweist auf proprietäre Gründe für die eingeschränkte Datenweitergabe, hat relevante Ergebnisse aber vertraulich mit der US-Forschungsbehörde DARPA geteilt, die verschiedene Quantenansätze bewertet.

FTC-Untersuchung weitet sich aus

Parallel zur Quantendebatte verschärft sich der regulatorische Druck. Die US-Handelsaufsicht FTC hat mindestens sechs Microsoft-Wettbewerber in Cloud und Unternehmenssoftware mit formellen Auskunftsverlangen konfrontiert — ein klares Zeichen, dass die seit anderthalb Jahren laufende Kartelluntersuchung an Fahrt gewinnt. Im Kern geht es um die Frage, ob Microsoft durch die Bündelung von KI-Funktionen, Sicherheitsfeatures und Produktivitätssoftware den Wettbewerb illegal einschränkt und Kunden faktisch an die eigene Cloud-Infrastruktur bindet.

Microsoft weist die Vorwürfe zurück und bezeichnet seine Praktiken als kundenfreundliche Innovation.

Kursperspektive

Mit 368,70 Euro notiert die Aktie rund 23 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch vom Oktober 2025 und liegt seit Jahresbeginn knapp 9 Prozent im Minus. Immerhin: Gegenüber dem 50-Tage-Durchschnitt besteht noch ein Puffer von gut 5 Prozent. Belastend bleibt das geplante Investitionsvolumen von rund 190 Milliarden Dollar allein im laufenden Kalenderjahr — überwiegend für Rechenzentren und KI-Infrastruktur —, das den freien Cashflow spürbar belasten dürfte. Solange Majorana 2 auf eine unabhängige wissenschaftliche Prüfung wartet und die FTC-Untersuchung im Vorfeld eines möglichen Verfahrens steht, bleiben beide Themen als Belastungsfaktoren präsent.

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