Starke Nachfrage, schwache Kurse. Bei Microsoft klaffen operatives Geschäft und Börsenstimmung derzeit weit auseinander. Die Aktie handelt auf dem tiefsten Bewertungsniveau seit der Corona-Krise im Jahr 2020. Anleger fürchten die ausufernden Kosten für den Ausbau der Künstlichen Intelligenz.
Der Abwärtstrend spiegelt sich im Kurs wider. Das Papier schloss am Mittwoch bei 335,40 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf fast 17 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch im vergangenen Oktober trennen den Kurs inzwischen fast 30 Prozent.
KI-Infrastruktur drückt die Marge
Das Hauptproblem des Software-Riesen ist nicht die Nachfrage. Die Cloud-Sparte Azure wächst weiterhin mit starken Raten von rund 40 Prozent. Allerdings leidet die Profitabilität massiv unter den enormen Investitionen. Microsoft baut seine Rechenzentren für KI-Anwendungen aggressiv aus.
Die Zahlen des vergangenen Quartals belegen diese Entwicklung deutlich. Der Umsatz der Intelligent-Cloud-Sparte stieg um 30 Prozent. Die Umsatzkosten sprangen parallel dazu um 47 Prozent in die Höhe.
Die reinen Investitionsausgaben haben sich fast verdoppelt. Microsoft gab im dritten Quartal fast 31 Milliarden US-Dollar für Sachanlagen aus. Im Vorjahreszeitraum waren es knapp 17 Milliarden. Kein Wunder. Die Speicherkomponenten für leistungsstarke KI-Server werden immer teurer.
Wall Street kappt Kursziele
Führende Investmentbanken reagieren auf diesen Kostendruck. BMO Capital senkte das Kursziel von 515 auf 500 US-Dollar. Analyst Keith Bachman verwies auf die anhaltend hohen Ausgaben. Er hält jedoch an seiner grundlegenden Kaufempfehlung fest.
Die Analysten von Wolfe Research ziehen einen ähnlichen Schluss. Sie reduzierten ihr Ziel für die Microsoft-Aktie auf 525 US-Dollar. Das Team rechnet für das Geschäftsjahr 2027 mit Investitionen von gewaltigen 270 Milliarden US-Dollar. Die Experten erwarten aufgrund steigender Speicherpreise sogar einen negativen freien Cashflow.
Trotz dieser Einschnitte bleibt die grundsätzliche Stimmung extrem positiv. Eine überwältigende Mehrheit von 36 Analysten rät weiterhin zum Kauf der Aktie. Das durchschnittliche Kursziel von rund 564 US-Dollar signalisiert ein massives Aufwärtspotenzial. Die Experten glauben an das langfristige Geschäftsmodell.
Die Bedingungen für ein Comeback
Historisch betrachtet ist die Aktie aktuell sehr günstig bewertet. Sollte Microsoft im Geschäftsjahr 2028 den erwarteten Gewinn von rund 22,50 US-Dollar je Aktie erreichen, läge das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei nur 17. Für einen hochprofitablen Tech-Giganten ist das ein ungewöhnlich tiefer Wert.
Charttechnisch bleibt die Lage angespannt. Der Kurs notiert klar unter den wichtigen Durchschnittslinien der vergangenen 50 und 200 Tage. Eine Trendwende erfordert laut Marktexperten keinen Stopp der KI-Investitionen. Die Anleger warten auf handfeste Beweise. Erst wenn sich die Cloud-Margen stabilisieren und die teuren Rechenzentren verlässliche Gewinne abwerfen, dürfte der massive Infrastruktur-Ausbau vom Markt wieder belohnt werden.
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