Microsoft öffnet am 29. Juli die Bücher für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026. Die Erwartungen sind hoch: Der Wall-Street-Konsens rechnet mit einem Gewinn je Aktie von 4,24 US-Dollar, ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem Umsatz von 87,62 Milliarden US-Dollar. Das entspräche einem Wachstum von 15 Prozent. Zum Vergleich: Im dritten Quartal hatte Microsoft mit 4,27 US-Dollar je Aktie die Erwartung von 4,07 US-Dollar übertroffen, der Umsatz lag bei 82,9 Milliarden US-Dollar und wuchs um 18 Prozent. Azure verzeichnete damals ein Wachstum von rund 40 Prozent, das annualisierte AI-Geschäft kletterte auf 37 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 123 Prozent. Der Auftragsbestand im Firmenkundengeschäft erreichte 627 Milliarden US-Dollar.
Am Aktienmarkt kam die Vorfreude zuletzt nicht an. Am Donnerstag gab die Aktie um 2,03 Prozent auf 335,40 Euro nach. Damit summiert sich das Minus seit Jahresbeginn auf 18,82 Prozent. Zum Rekordhoch vom 28. Oktober 2025 bei 478,10 Euro klafft mittlerweile eine Lücke von fast 30 Prozent.
Analysten bleiben trotz hoher Investitionen zuversichtlich
Truist-Analyst Terry Tillman bekräftigte seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 575 US-Dollar. Oppenheimer-Analyst Brian Schwartz sieht bei einem Kursziel von 515 US-Dollar ebenfalls Potenzial und erwartet für das vierte Quartal einen Umsatz von etwa 87 Milliarden US-Dollar sowie einen GAAP-Gewinn je Aktie von 4,16 US-Dollar. Schwartz verweist auf Kanalprüfungen, die stabile IT-Ausgaben von Unternehmenskunden, solide Nachfrage nach KI-Diensten und anhaltende Dynamik bei Microsoft 365 zeigen – warnt zugleich vor den steigenden Investitionsausgaben mit Blick auf das Geschäftsjahr 2027. Insgesamt kommt Microsoft auf 35 Kaufempfehlungen, eine Halteempfehlung und eine Verkaufsempfehlung, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 558,86 US-Dollar. Bernstein geht mit einem Kursziel von 646 US-Dollar noch weiter.
Die Investmentbank BNP Paribas rechnet für das Geschäftsjahr 2027 mit Investitionsausgaben von 262 Milliarden US-Dollar – nach 104,3 Milliarden US-Dollar in den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres. Diese Aussicht drückt seit Wochen auf die Bewertung: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der erwarteten Gewinne liegt bei 20,61 und damit auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren.
Mistral-Partnerschaft und Sicherheitsvorfälle als Nebenschauplätze
Microsoft baut seine Position im europäischen KI-Geschäft aus. Gemeinsam mit dem französischen Anbieter Mistral entsteht eine geteilte KI-Infrastruktur in Europa, die auf Nvidias Vera-Rubin-Chips setzt. Die Partnerschaft soll das Cloud- und KI-Geschäft außerhalb der USA stärken, während Investoren genau beobachten, ob sich die massiven Serverinvestitionen in Umsatz übersetzen lassen.
Parallel dazu sorgte im Juli eine kritische Sicherheitslücke in SharePoint für Aufsehen. Microsoft warnte vor einer aktiv ausgenutzten Schwachstelle mit der Kennung CVE-2026-50522, die vollständige Remotecode-Ausführung ermöglicht; ein Patch wurde im Rahmen des monatlichen Sicherheitsupdates nachgereicht. Die US-Cybersicherheitsbehörde CISA nahm die Lücke ebenso wie eine weitere SharePoint-Schwachstelle mit dem Bewertungswert 9,8 in ihren Katalog aktiv ausgenutzter Schwachstellen auf. Eine Umfrage des IT-Dienstleisters CoreView ergab zudem, dass zwei Drittel der befragten Unternehmen die Einführung von Microsoft Copilot wegen befürchteter Datenlecks über SharePoint verschoben oder gestoppt haben.
Zu den offenen Fragen für Anleger zählt auch ein Sammelklageverfahren, das Microsoft angeblich irreführende Aussagen zu seinem KI-Geschäft vorwirft. Die Frist für Investoren, sich als federführende Kläger zu melden, läuft Anfang August 2026 ab.
Personalabbau bei Xbox überschattet Wachstumsstory
Neben der Investitionsdebatte belastet der Stellenabbau das Bild: Microsoft strich im laufenden Jahr insgesamt 4.800 Stellen, davon 3.200 im Xbox-Bereich. Die zuständige Xbox-Chefin Asha Sharma wurde kurz nach den Kürzungen in eine Arbeitsgruppe der US-Notenbank berufen, die sich mit den Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf Beschäftigung und Produktivität befasst.
Für die Quartalszahlen am 29. Juli bleibt damit ein gemischtes Bild: Analysten erwarten robustes Wachstum bei Azure und im KI-Geschäft, während die Aussicht auf weiter steigende Investitionsausgaben und operative Rückschläge bei Sicherheit und Personal die Stimmung dämpfen.
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