Drei Wall-Street-Häuser senken innerhalb weniger Tage ihre Kursziele für Microsoft. Der Grund ist immer derselbe: explodierende Kosten für KI-Infrastruktur. Trotzdem bleiben fast alle Analysten bei ihrer Kaufempfehlung. Das wirkt widersprüchlich — ist es aber nicht ganz.
Argus senkt Ziel, hält an Kaufempfehlung fest
Argus-Analyst Joseph Bonner kürzt sein Kursziel von 620 auf 510 Dollar. Die Einstufung „Buy“ behält er trotzdem bei. Bonner verweist auf Microsofts langfristige Wachstumsstrategie in Cloud und KI. CEO Satya Nadella bezeichnet generative KI als einen der seltenen fundamentalen Umbrüche in der Computertechnik.
Bonner räumt ein: Die Sorgen um die Höhe der KI-Ausgaben belasten die Aktie seit über einem Jahr. In den Geschäftszahlen selbst sieht er diese Sorgen aber nicht bestätigt. Umsatzwachstum und Margen bleiben nach seiner Einschätzung robust.
Speicherpreise treiben Investitionsschätzungen nach oben
Wolfe Research zog schon in der Vorwoche nach und senkte sein Kursziel von 570 auf 525 Dollar. Die Einstufung „Outperform“ bleibt bestehen. Auslöser sind steigende Speicherpreise, die Analyst Alex Zukin zu einer drastischen Korrektur zwingen.
Zukin hebt seine Schätzung für die Investitionsausgaben im Geschäftsjahr 2027 von 230 auf 270 Milliarden Dollar an. Grundlage dafür sind aktuelle Aussagen aus dem jüngsten Micron-Quartalsbericht zu Speicherpreisen. Die Folge für die Kassenlage: Statt eines freien Cashflows von etwa 14,7 Milliarden Dollar erwartet Wolfe nun ein Minus von 17,4 Milliarden Dollar — rund 48 Milliarden Dollar unter dem Marktkonsens von 31 Milliarden Dollar.
Zukin kappt zudem seine Schätzung für die Bruttomarge 2027 von 64,0 auf 63,1 Prozent, deutlich unter dem Konsens von 66,6 Prozent. Sein Gewinn je Aktie sinkt um ein Prozent auf 19,02 Dollar. BMO Capital reiht sich mit einer Senkung von 515 auf 500 Dollar in die Riege der Kürzungen ein.
Aktie hinkt dem breiten Markt deutlich hinterher
Am Freitag schloss die Microsoft-Aktie in Frankfurt bei 337,45 Euro, ein Plus von 0,33 Prozent. Der kurzfristige Trend zeigt jedoch nach unten: minus 1,33 Prozent auf Wochensicht, minus 2,16 Prozent im Monatsvergleich. Seit Jahresbeginn steht ein Verlust von 16,39 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es 21,30 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 478,10 Euro aus dem Oktober 2025 trennen die Aktie mittlerweile fast 30 Prozent. Zum Tief von 307,10 Euro aus dem Juni ist es dagegen nur noch ein Abstand von knapp zehn Prozent. Sowohl der 50-Tage-Durchschnitt bei 348,17 Euro als auch der 200-Tage-Durchschnitt bei 378,98 Euro liegen über dem aktuellen Kurs — Letzterer um fast elf Prozent.
Die Diskrepanz zum breiten Markt fällt ins Auge. Während der S&P 500 in den vergangenen zwölf Monaten um 20 Prozent zulegte und der technologielastige Nasdaq-ETF Invesco QQQ sogar um 30 Prozent stieg, verlor Microsoft in Dollar gerechnet 23 Prozent. Diese Kluft lässt sich kaum mit allgemeiner Marktschwäche erklären. Sie spiegelt gezielte Skepsis gegenüber Microsofts KI-Investitionskurs wider.
Die Kernfrage: Zahlt sich das KI-Investment aus?
Microsofts geplante Investitionsausgaben für das Kalenderjahr 2026 liegen bei 190 Milliarden Dollar. Zukin stellt offen infrage, ob dieses Ausgabentempo bei Technologiekonzernen wie Microsoft auf Dauer tragbar ist. Gleichzeitig bleibt er „langfristig bullish“ für Microsofts Monetarisierungsansatz rund um Azure-Wachstum und KI-Agenten.
Trotz der Kürzungswelle bleibt die Grundstimmung unter den Analysten konstruktiv. Von 37 Wall-Street-Analysten vergaben 35 in den vergangenen drei Monaten eine Kaufempfehlung, nur zwei votierten für „Hold“. Der Konsens lautet weiterhin „Strong Buy“.
Die kommenden Quartale werden zeigen, ob sich die milliardenschweren Investitionen in schnelleres Azure-Wachstum übersetzen. Bis dahin dürfte die Aktie in der Nähe ihrer mehrmonatigen Tiefstände konsolidieren — mit einer Volatilität von aktuell über 34 Prozent auf Jahressicht bleibt der Kurs entsprechend schwankungsanfällig.
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