Microsoft-Aktien legen am Dienstag um 1,75 Prozent auf 348,25 Euro zu. Anleger positionieren sich vor dem wichtigsten Termin des Sommers: Am Mittwoch nach US-Börsenschluss meldet der Softwarekonzern seine Zahlen zum vierten Geschäftsquartal. Nach einem Jahr mit gewaltigen Ausgaben für Künstliche Intelligenz wird der Bericht zum Test, ob sich diese Wette auszahlt.
Was der Markt erwartet
Microsoft rechnet für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 mit einem Umsatz zwischen 86,7 und 87,8 Milliarden US-Dollar. Das entspräche einem Wachstum von 13 bis 15 Prozent. Der Konsens der Wall-Street-Analysten liegt bei 87,67 Milliarden US-Dollar Umsatz und einem Gewinn von 4,24 US-Dollar je Aktie, basierend auf Schätzungen von 30 Analysten.
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht wie immer Azure. Microsoft hat selbst die Messlatte hochgelegt: Das Management erwartet ein Wachstum zwischen 39 und 40 Prozent in konstanten Wechselkursen. Das ist ein hoher Vergleichswert, denn das Vorjahresquartal zeigte bereits eine Wachstumsbeschleunigung.
Die Investitionen stehen im Rampenlicht
Kein Thema treibt die Debatte um die Aktie so sehr wie das Volumen der KI-Infrastruktur. Für das vierte Quartal erwartet Microsoft Investitionsausgaben von mehr als 40 Milliarden US-Dollar. Rund 5 Milliarden davon entfallen auf höhere Komponentenpreise und den Effekt von Finanzierungsleasing.
Für das gesamte Kalenderjahr 2026 hat der Konzern eine Investitionssumme von 190 Milliarden US-Dollar angekündigt, überwiegend für den Ausbau der KI-Infrastruktur. Dieses Tempo belastet die Stimmung am Markt.
Hinzu kommt eine zweite Sorge: Investoren zweifeln, ob der KI-Assistent Copilot wirklich an Zugkraft gewinnt. Manche fürchten sogar, dass Microsoft 365 selbst – die Bürosoftware, die weite Teile der Geschäftswelt nutzt – langfristig durch KI-Alternativen unter Druck geraten könnte.
Der Rückenwind aus dem Vorquartal
Microsoft geht mit einem starken Auftaktquartal in diesen Bericht. Im dritten Geschäftsquartal lag der Umsatz bei 82,9 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr und über der Erwartung von 81,39 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 4,27 US-Dollar, ebenfalls über dem Konsens von 4,06 US-Dollar.
Auf der Cloud-Seite lieferte Microsoft ebenfalls stark ab: Die Cloud-Sparte wuchs um 29 Prozent auf 54,5 Milliarden US-Dollar, Azure legte um 40 Prozent zu. Copilot überschritt die Marke von 20 Millionen zahlenden Nutzern – ein Plus von mehr als 250 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Nach der Zahlenvorlage wird CEO Satya Nadella gemeinsam mit dem Führungsteam eine Telefonkonferenz mit Analysten abhalten. Besonders die erste Prognose für das Geschäftsjahr 2027 dürfte dabei genau seziert werden.
Charttechnisches Umfeld
Die Aktie notiert derzeit rund 6,6 Prozent unter ihrem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt von 372,93 Euro – ein Zeichen, dass der langfristige Abwärtstrend noch nicht überwunden ist. Über die vergangenen 30 Tage hat sich der Kurs jedoch bereits um 7,88 Prozent erholt, bleibt aber seit Jahresbeginn 15,71 Prozent im Minus.
Der Mittwoch dürfte zeigen, ob diese Erholung von den Mehrmonatstiefs Substanz hat. Die Kursreaktion wird sich vor allem an drei Punkten entscheiden: dem Azure-Wachstum gegenüber der Konsensspanne von 28 bis 31 Prozent, der Glaubwürdigkeit konkreter Copilot-Monetarisierungszahlen und der ersten Umsatzprognose für 2027. Verfehlt Azure die Erwartungen, dürfte die Reaktion angesichts der ambitionierten Bewertung besonders scharf ausfallen.
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