Microsoft steuert auf eine der wichtigsten Wochen des Jahres zu. Am Mittwoch, den 29. Juli, legt der Softwarekonzern nach Börsenschluss seine Zahlen zum vierten Geschäftsquartal 2026 vor. Anleger schauen dabei längst nicht mehr nur auf Wachstumsraten — sie fragen sich, ob die gigantischen Infrastrukturausgaben für die KI-Wette überhaupt aufgehen.
Das Jahr war hart für die Aktie. Während der S&P 500 rund 9 Prozent zulegte, verlor Microsoft seit Jahresbeginn etwa 18,76 Prozent. Der Titel schloss am Freitag bei 335,65 Euro und notiert damit fast 30 Prozent unter seinem Rekordhoch von 478,10 Euro aus dem Oktober 2025.
Die Zahlen, auf die es ankommt
Analysten erwarten für das Quartal einen Umsatz von rund 87,7 Milliarden Dollar. Beim Gewinn je Aktie liegt die Schätzung bei 4,24 Dollar. Im Mittelpunkt steht wie so oft die Cloud-Sparte Azure — das Management hatte hier ein Wachstum von 39 bis 40 Prozent auf währungsbereinigter Basis in Aussicht gestellt.
Genau diese Zahl dürfte am Mittwoch über die Kursrichtung entscheiden. Bleibt Azure im Rahmen der Prognose, könnte das die angeschlagene Stimmung stabilisieren. Verfehlt der Konzern die Marke, würde das die Zweifel an der schnellen Monetarisierung der KI-Investitionen weiter nähren.
Ein Atomkraftwerk für die KI-Rechenzentren
Microsoft handelt zunehmend wie ein eigener Energieversorger. Berichten vom Wochenende zufolge treibt der Konzern einen 20-jährigen Liefervertrag im Wert von 16 Milliarden Dollar voran. Ziel ist die komplette Stromproduktion des Crane Clean Energy Center.
Dahinter steckt die Reaktivierung eines Schwesterreaktors des einstigen Kraftwerks Three Mile Island. Die Anlage soll Ende 2027 wieder ans Netz gehen. Der Deal ist Teil einer breiteren Strategie: Microsoft will sich verlässlichen, CO2-neutralen Strom für seine KI-Workloads sichern, deren Energiebedarf bis 2035 massiv steigen dürfte.
Kapitalausgaben belasten die Marge
Die Energie- und Infrastrukturausgaben sind Teil eines Investitionsplans von 190 Milliarden Dollar für das Geschäftsjahr 2026. Genau diese Summe drückt seit Monaten auf die Stimmung der Anleger. Sie sorgen sich um den freien Cashflow und um das Tempo, mit dem sich Produkte wie Copilot tatsächlich in Umsatz verwandeln.
Erst diese Woche baute Microsoft seine Partnerschaft mit Mistral AI aus, um sein KI-Angebot zu erweitern. Die Kosten für die physische Infrastruktur dahinter bleiben aber die größte Belastung für den Aktienkurs.
Charttechnik zeigt Unentschlossenheit
Der Titel notiert derzeit unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 346,31 Euro und auch unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 373,87 Euro. Mit einem RSI von 46,2 ist die Aktie weder überkauft noch überverkauft — der Markt wartet offenbar auf einen klaren Impuls.
Genau diesen Impuls dürfte der Ausblick am Mittwoch liefern. Hinzu kommt politischer Gegenwind: Am Freitag kritisierte Washington die europäischen Kartellpraktiken gegenüser US-Techkonzernen scharf, was die Stimmung im gesamten Sektor in den kommenden Tagen zusätzlich beeinflussen könnte.
Die Quartalszahlen am Mittwoch werden zeigen, ob die Azure-Wachstumsrate die Prognose von 39 bis 40 Prozent erreicht. Davon dürfte abhängen, ob sich die Aktie von ihrem Kurs unter dem 200-Tage-Durchschnitt lösen kann.
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