Ein Minus von rund 30 Prozent in fünf Handelstagen: Der Speicherspezialist Micron erlebt eine der heftigsten Verkaufswellen seiner jüngeren Geschichte. Auslöser sind gleich zwei Belastungen, die sich gegenseitig verstärken.
Ausverkauf bei KI-Werten
Am Donnerstag verlor die Aktie über 17 Prozent und schloss bei 656,39 Dollar. Damit gehörte Micron zu den schwächsten Titeln im Nasdaq 100. Nur Sandisk, Astera Labs und Lumentum mussten noch stärkere Abschläge hinnehmen.
Hintergrund ist ein breiter Ausverkauf bei Halbleitern und KI-Werten. Nach den Midterm-Wahlen wächst der politische Widerstand gegen neue Rechenzentren. Marktteilnehmer fürchten, dass Prüfungen und Verzögerungen die Investitionen in KI-Infrastruktur bremsen könnten. Schon am Mittwoch hatten die Papiere deutlich nachgegeben.
Taiwan-Projekt auf Eis
Hinzu kommt eine unternehmensspezifische Meldung. Micron hat den Bau seiner geplanten Fabrik in Taoyuan Berichten zufolge wegen eines anhaltenden Arbeitskonflikts vorerst ausgesetzt. Dort sollten Hochleistungsspeicher (HBM) und DRAM entstehen, gefertigt mit Anlagen von ASML. Das Projekt war mit drei bis 4,5 Milliarden Dollar kalkuliert, der Start war für 2028 vorgesehen.
Die Verzögerung trifft einen sensiblen Punkt. Micron muss im Wettbewerb mit Samsung Electronics, SK Hynix und dem chinesischen Rivalen CXMT ohnehin Boden gutmachen. Taiwan ist für den Konzern der wichtigste Auslandsstandort, dort flossen in drei Jahrzehnten rund 50 Milliarden Dollar.
Der Konflikt dreht sich um Lohnforderungen der Belegschaft, während der KI-Boom Rekordgewinne beschert. Einige Beschäftigte stellen die im Oktober mit einer großen Gewerkschaft erzielte Einigung infrage. Neue Gespräche könnten nötig werden.
Charttechnik und Einordnung
Aus technischer Sicht gilt die Aktie kurzfristig als überverkauft. Ein Umkehrmuster fehlt bislang. Auch TV-Börsenkommentator Jim Cramer rechnet mit weiterem Druck auf Halbleiter, weil viele Titel zuvor so stark gelaufen waren und nun Unterstützung fehlt. Er spricht dennoch von einem geordneten Rückgang und nicht von einer Neuauflage der Dotcom-Blase: Die heutigen KI-Konzerne seien überwiegend profitabel, ihre Kurse seien lediglich zu hoch gestiegen.
Besonders gefährdet sieht Cramer kreditfinanzierte Anbieter wie CoreWeave, Iren und Nebius. Für Micron bleibt damit ein Doppelrisiko: die Stimmung im KI-Sektor und der Fortgang der Gespräche in Taoyuan. Fällt die Aktie unter das Donnerstagsschlusskurs-Niveau von 656,39 Dollar, wäre ein weiterer Test tieferer Marken wahrscheinlich.
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