Die jüngste Nervosität im Halbleitersektor hat auch vor Micron Technology nicht haltgemacht. Am vergangenen Freitag büßte der US-Speicherhersteller laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AP noch 5,6 Prozent ein, als Zweifel an der Dauerhaftigkeit des Booms rund um den Ausbau von Künstlicher Intelligenz auf die Stimmung der Anleger drückten.
Am heutigen Montag gewinnt das Papier im deutschen Handel 2,7 Prozent auf 803,20 Euro zurück. Für diese Erholung liegt heute zwar kein spezifischer Unternehmensanlass vor, doch die Gegenbewegung zeigt für mich vor allem eines: Der Markt reagiert hypersensibel auf jede Nuance im Halbleiterzyklus, während die strukturelle Nachfrage intakt bleibt.
Zweifel an den Investitionsausgaben belasten die Branche
Die Sorgen der Investoren sind nicht völlig aus der Luft gegriffen. In der vergangenen Woche gerieten Halbleiterwerte branchenweit unter Druck, nachdem thematisiert worden war, wie stark sich das erwartete Gewinnwachstum im S&P 500 auf wenige Unternehmen mit KI-Bezug konzentriert.
Wenn Schwergewichte wie Micron oder Nvidia die gesamte Marktbreite stützen müssen, steigt unweigerlich das Rückschlagpotenzial, sobald Zweifel an den immensen Ausgaben für Rechenzentren aufkeimen.
Meiner Ansicht nach neigt die Börse in solchen Momenten jedoch zu überzogener Hektik. Wer die Dynamik im Speicherbereich verfolgt, sieht weiterhin eine robuste Basis.
Elon Musk etwa bezeichnete die Preisgestaltung von Micron für künftige Speicherprodukte im Vergleich zu anderen Anbietern als vernünftig, während das Geschäft des Konzerns zugleich von einem knappen Angebot und soliden Margen getragen wird.
Diese Kombination spricht klar dafür, dass die Nachfrage nach fortschrittlichen Speicherchips keineswegs vor dem abrupten Ende steht, das manche Marktteilnehmer am Freitag heraufbeschworen haben.
Analysten sehen deutlichen Spielraum
Dass die Experten der Wall Street dem Konzern weiterhin einiges zutrauen, belegen auch die jüngsten Einschätzungen führender Häuser. Am 7. Oktober hob Analyst Gil Luria von D.A. Davidson sein Kursziel für Micron von $2,100 auf $3,000 an und beließ die Einstufung auf „Buy“.
Wenige Tage später, am 13. Oktober, bestätigte auch Kevin Cassidy von Rosenblatt Securities seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von $1,900. Beide Häuser signalisieren damit, dass sie den jüngsten Kursrücksetzer eher als Zwischenetappe in einem übergeordneten Aufwärtstrend begreifen.
Begleitet wurde diese Phase von Routinevorgängen in der Führungsebene. Aus Pflichtmitteilungen an die US-Börsenaufsicht SEC geht hervor, dass Chefjurist Michael Ray am 13. und 14. Oktober Transaktionen meldete, die eine Zuteilung von 4.298 Aktien sowie die Einbehaltung beziehungsweise den Verkauf von Papieren zur Begleichung von Steuerpflichten umfassten.
Solche steuerlich veranlassten Vorgänge sind bei US-Konzernen üblich und bieten für die strategische Ausrichtung des Unternehmens keinen negativen Interpretationsspielraum.
Solide Zwischenbilanz trotzt der Volatilität
Unterm Strich steht für mich fest: Nach einer Kursrally von 219 Prozent seit Jahresbeginn sind zwischenzeitliche Korrekturen völlig normal. Wer in zyklische Chiphersteller investiert, muss Phasen aushalten können, in denen Marktteilnehmer die Nachhaltigkeit des KI-Infrastrukturausbaus hinterfragen.
Die fundamentale Ausgangslage mit anhaltend knappem Speicherangebot und der breite Zuspruch der Analysten sprechen jedoch dafür, dass die Chancen für Micron die kurzfristigen Branchenrisiken weiterhin überwiegen.
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