Am Freitag geriet die Notierung von Micron Technology unter Druck und verlor 2,3 Prozent auf 954,40 Euro. Im Gleichschritt mit SanDisk gaben die Papiere nach, weil der Markt nach den vorangegangenen Rekordzahlen offenbar auf ein noch deutlicheres Kursfeuerwerk gehofft hatte. Für mich greift dieser kurzfristige Pessimismus jedoch zu kurz.
Die verhaltene Börsenreaktion spiegelt weniger fundamentale Schwächen wider als vielmehr die typische Ernüchterung nach einer Phase extremer Erwartungen. Wer das Gesamtbild der Speicherbranche betrachtet, erkennt schnell: Die eigentlichen Treiber für die kommenden Geschäftsjahre fangen gerade erst an zu wirken.
Skepsis verkennt die strukturelle Verknappung
Medienberichten zufolge führten vor allem Gewinnmitnahmen zu den jüngsten Abgaben, nachdem bereits die unmittelbare Reaktion auf die Quartalsbilanz eher verhalten ausgefallen war.
Dass Anleger nach einer beispiellosen Rally – seit Jahresanfang summiert sich das Kursplus immer noch auf 279 Prozent – kurzfristig Kasse machen, ist ein bekanntes Muster an der Börse. Wenn aber selbst Rekordmarken nicht für unmittelbare Anschlusskäufe reichen, schlägt die Stimmung unter Händlern oft vorschnell in Skepsis um.
Diese Skepsis halte ich für verfehlt. Micron selbst stellte am Freitag in Aussicht, dass sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage bei Speicher- und Speicherlösungen in den Geschäftsjahren 2027 und 2028 deutlich verengen dürfte.
Das Unternehmen prognostiziert für die Branche ein Wachstum der ausgelieferten Bitmengen bei NAND im mittleren 20-Prozent-Bereich, während DRAM im unteren 20-Prozent-Bereich zulegen soll.
In einem Umfeld, das durch den anhaltenden Bedarf an Hochleistungsspeichern geprägt ist, bedeutet ein solches Wachstumstempo keine Schwäche, sondern signalisiert ein anhaltend knappes Angebot. Für Speicherhersteller mit entsprechender Preissetzungsmacht spricht diese Konstellation für anhaltend günstige Margenbedingungen.
Wall Street bleibt auf Kurs
Während kurzfristig orientierte Akteure am Freitag Gewinne sicherten, positionieren sich führende Analysehäuser gelassen. Am Donnerstag hob Vijay Rakesh vom Analysehaus Mizuho das Kursziel für Micron von 1.300 auf 1.400 $ an und bestätigte die Einstufung mit „Outperform“. Bereits am 28. September hatte Baird das Kursziel von 1.280 auf 1.520 $ nach oben geschraubt und das Votum „Outperform“ beibehalten.
Dass Analysten ihre Kursziele selbst nach dem gewaltigen Anstieg der Vormonate weiter anheben, unterstreicht die fundamentale Substanz hinter der Entwicklung. Es zeigt sich deutlich, dass die Experten den Zyklus keineswegs an seinem Höhepunkt sehen. Die wiederholten Zielanpassungen signalisieren vielmehr das Vertrauen in Microns Fähigkeit, die absehbare Angebotsverknappung in den kommenden zwei Jahren in anhaltendes Ertragswachstum umzumünzen.
Gesunde Konsolidierung statt Trendwende
Unterm Strich erweist sich der Rücksetzer vom Freitag als willkommene Abkühlung in einem zuvor heiß gelaufenen Marktsegment. Die Enttäuschung darüber, dass selbst herausragende operative Eckdaten keine sofortige neue Kursrally entfachten, gehört zur Psychologie des Marktes. An den mittelfristigen Realitäten ändert sie nichts.
Die Chancen überwiegen für mich eindeutig das Risiko weiterer kurzfristiger Schwankungen. Wenn das Angebot bis 2028 derart straff bleibt, wie es die jüngsten Prognosen für NAND und DRAM nahelegen, dürfte sich die aktuelle Konsolidierungsphase rückblickend lediglich als Atempause erweisen. Wer die strukturelle Entwicklung der Speicherbranche im Blick behält, sollte sich von den Abgaben zum Wochenausklang jedenfalls nicht verunsichern lassen.
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