Micron Technology profitiert von einer neuen Welle der Euphorie um Künstliche Intelligenz. Der Start des jüngsten KI-Modells von OpenAI hat den Handel mit KI-Speicherchips erneut angeheizt – und die Aktie des Speicherherstellers schloss laut Barron’s erstmals seit Mitte August wieder über der Marke von 1.000 Dollar. Anders als bei früheren Kurssprüngen stand hinter der Bewegung keine unternehmensspezifische Meldung, sondern die breite Rally rund um KI-Werte.
Für Anleger, die den Titel im deutschen Handel verfolgen, zeigt sich die Stärke auch in den Kennzahlen: Am Freitag legte die Aktie um 6,1 Prozent zu und schloss bei 874,50 Euro. Auf Monatssicht steht ein Plus von 15 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, dass die KI-getriebene Nachfrage nach Speicherchips die Bewertung des Unternehmens weiterhin treibt, auch wenn der Kurs vom 52-Wochen-Hoch noch ein gutes Stück entfernt notiert.
Rekordzahlen als Fundament der Rally
Die fundamentale Basis für den Optimismus lieferte Micron bereits Ende August selbst. Im dritten Fiskalquartal 2026 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 41,5 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg von 74 Prozent gegenüber dem Vorquartal und von 346 Prozent gegenüber dem Vorjahr – bereits das fünfte Rekordquartal in Folge.
Für das laufende vierte Fiskalquartal stellte das Management einen Rekordumsatz von 50 Milliarden Dollar in Aussicht, mit einer Schwankungsbreite von plus/minus einer Milliarde. Die Bruttomarge soll bei etwa 86 Prozent liegen, der Gewinn je Aktie bei rund 31 Dollar.
Diese Wachstumsdynamik erklärt, warum Marktteilnehmer jede neue Nachricht aus dem KI-Sektor unmittelbar auf Micron übertragen: Der Speicherhersteller gilt als einer der zentralen Zulieferer für die Infrastruktur hinter den großen KI-Modellen, und ein weiterer Modellstart wie jener von OpenAI wirkt wie ein Signal für anhaltend hohe Nachfrage nach Hochleistungsspeicher.
Taiwan-Konflikt und Fed-Termin als Belastungsfaktoren
Losgelöst von der aktuellen Rally bleibt der Konflikt mit der Belegschaft in Taiwan ein Thema. Gewerkschaften, die einen Großteil der dortigen Mitarbeiter vertreten, drohten am vergangenen Mittwoch mit Streik, sollte Micron sein Bonussystem nicht überarbeiten und Mitarbeiter stärker am Gewinn beteiligen.
Seither hat sich die Aktie um 5,9 Prozent erholt – ein Hinweis darauf, dass Anleger die Drohung bislang nicht als ernsthaftes operatives Risiko einstufen. Nach jüngsten Berichten vom Wochenende ist noch kein formeller Streik autorisiert, eine Produktionsstörung wurde bislang nicht bestätigt.
Am Kapitalmarkt richtet sich der Blick nun auf zwei nahe Termine: die Zinsentscheidung der US-Notenbank am 16. September und die Quartalszahlen von Micron am 30. September. Beide gelten als kurzfristige Katalysatoren, die über die Fortsetzung der Rally mitentscheiden dürften. Angesichts einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 82 Prozent bleibt der Titel für Anleger ein Wert mit erheblichem Schwankungspotenzial in beide Richtungen.
