Wenn ein Mann wie Elon Musk sich öffentlich bei einem Zulieferer bedankt, ist das selten nur Höflichkeit. Bei einem Earnings-Call dankte Musk Micron Technology am Dienstag für eine „erhebliche Speicherallokation“ – ein Satz, der die Aktie in Bewegung brachte und zugleich etwas Größeres offenlegt: Speicherchips sind längst nicht mehr das Nebengeschäft der Digitalisierung, sie sind ihr Flaschenhals. Wer KI-Rechenzentren bauen will, braucht HBM-Speicher, und wer HBM-Speicher liefern kann, sitzt derzeit am wichtigeren Hebel als mancher Chip-Designer.
Micron sitzt an diesem Hebel. Der Kurs schloss am Mittwoch bei 778,00 Euro, nach einem Plus von 2,48 Prozent binnen sieben Tagen – eine Erholung, die aber relativiert werden muss: Vom 52-Wochen-Hoch trennen die Aktie noch rund 30 Prozent. Auch zum 50-Tage-Durchschnitt fehlen knapp neun Prozent nach oben. Wer die vergangenen Monate verfolgt hat, kennt dieses Muster längst: Auf steile Anstiege folgen ruppige Korrekturen, bevor die nächste Nachricht aus der HBM-Welt den Kurs erneut in Bewegung setzt.
Die Nachfrage ist real, nicht nur Erzählung
Was den aktuellen Zyklus von früheren Speicher-Booms unterscheidet, ist die vertragliche Absicherung. Berichten zufolge hat Micron mittlerweile 16 strategische Kundenabkommen mit einem Volumen von rund 22 Milliarden US-Dollar an künftigen Umsatzverpflichtungen gesichert – abgeschlossen über Take-or-Pay-Strukturen, bei denen Kunden auch dann zahlen, wenn sie die bestellte Kapazität nicht abrufen. Das ist kein Signal für kurzfristigen Hype, sondern für langfristige Kapazitätsplanung auf beiden Seiten.
Auch die Marktforscher von TrendForce untermauern das Bild: Sie rechnen für das dritte Quartal 2026 mit einem Anstieg der Server-DRAM-Preise um 13 bis 18 Prozent gegenüber dem Vorquartal, begründet mit anhaltend knappem Angebot im HBM-Segment. Steigende Preise bei knappem Angebot – für ein Unternehmen, dessen Geschäft von genau diesem Speicher lebt, ist das eine Blaupause für weiter wachsende Margen, nicht nur für weiter wachsende Stückzahlen.
Bank of America bleibt bei ihrem Kursziel
Bank of America bekräftigte am Dienstag ihre Kaufempfehlung für Micron und ein Kursziel von 1.550 US-Dollar. Die Analysten stützen sich auf eine Sum-of-the-Parts-Bewertung, die das KI-HBM-Geschäft mit dem 31-Fachen der für 2028 erwarteten Gewinne pro Aktie ansetzt – eine Rechnung, die zeigt, wie stark die Zukunftserwartung inzwischen von einem einzigen Geschäftssegment getragen wird. Ob sich diese Wette auszahlt, hängt davon ab, ob die HBM-Nachfrage tatsächlich so lange anhält, wie die Kundenverträge es versprechen.
Technologisch untermauert Micron seinen Anspruch derweil auf Messen wie der FMS 2026, wo das Unternehmen zusammen mit Microchip Technology ein Speichersystem auf Basis von PCIe 6.0 zeigte – mit Microns 9650-NVMe-SSD und Microchips Switchtec-Switch. Solche Demonstrationen sind selten die Schlagzeile des Tages, aber sie zeigen, dass Micron nicht nur Kapazität, sondern auch die nächste Speichergeneration liefert.
Zahlen aus der Vergangenheit, Termine in der Zukunft
Der Blick zurück erklärt, warum der Markt so genau hinschaut: Im vergangenen Berichtsquartal meldete Micron einen Rekordumsatz von 41,46 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 346 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem Non-GAAP-Gewinn von 25,11 US-Dollar pro Aktie – deutlich über der Konsensschätzung von 20,49 US-Dollar. Solche Zahlen erklären auch, warum ein automatisierter Bewertungsscreener von GuruFocus die Aktie trotz eines guten Gesamt-Scores zuletzt als deutlich überbewertet einstufte – ein Hinweis, mehr aber auch nicht.
Parallel dazu meldete Präsident und CEO Sanjay Mehrotra Ende Juli den Verkauf von 8.715 Aktien im Rahmen eines automatisierten Handelsplans, wenige Tage nach einer Form-144-Meldung zu geplanten Wertpapierverkäufen. Solche planmäßigen Transaktionen sind bei Führungskräften mit umfangreichen Aktienpaketen üblich und für sich genommen kein Warnsignal.
Am 10. August wird Micron beim KeyBanc Capital Markets Technology Leadership Forum über die Nachfrage im HBM-Geschäft sprechen. Für Anleger, die den Speicher-Superzyklus verfolgen, dürfte das der nächste Termin sein, an dem sich zeigt, ob die Take-or-Pay-Verträge und die Preisprognosen von TrendForce mehr sind als eine gute Geschichte.
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