Micron Technology rückt ins Zentrum einer neuen Debatte über die Grenzen des KI-Booms: Nicht Rechenchips oder Stromkapazität, sondern Speicher sei der eigentliche Engpass beim Ausbau der Infrastruktur für künstliche Intelligenz.
Diese Einschätzung äußerte Tesla- und SpaceX-Chef Elon Musk kürzlich gegenüber Aktionären und bezifferte das Wachstum der KI-getriebenen Speichernachfrage auf 200 Prozent jährlich – während das Angebot nur um 20 Prozent zulege.
Micron-Chef Sanjay Mehrotra untermauerte diese These am Donnerstag in einem Fernsehinterview: Rechenzentrumskunden fragten derzeit rund 50 Prozent mehr Speicherkapazität nach, als das Unternehmen zusagen könne. Speicher sei damit zu „strategischer Infrastruktur“ geworden, so Mehrotra.
Die Aussage passt zu einer bereits im Juni gemeldeten Zahl: Micron hatte für sein drittes Geschäftsquartal 2026 einen Rekordumsatz von 41,46 Milliarden Dollar ausgewiesen, ein Plus von 346 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und mitgeteilt, dass die HBM-Kapazität für das Kalenderjahr 2026 bereits vollständig verkauft sei.
Zehn Milliarden Dollar für neues Forschungszentrum
Am Donnerstag stellte Micron zudem „Micron Research Labs“ vor, ein neues Innovationszentrum in Boise, Idaho. Über das kommende Jahrzehnt sind dafür Investitionen von zehn Milliarden Dollar vorgesehen, mit denen Speichertechnologien und Rechenarchitekturen für KI-Anwendungen vorangetrieben werden sollen.
Die Ankündigung fällt in eine Phase, in der Micron seine Kapitalstärke auch anderweitig demonstriert: S&P Global Ratings hob am Mittwoch das Kreditrating des Unternehmens von ‚BBB‘ auf ‚BBB+‘ an, mit positivem Ausblick, und begründete dies mit wachsendem Vertrauen in die Dauerhaftigkeit der KI-getriebenen Speichernachfrage bis 2028.
Rückkauf-Fantasie und ein Rechtsstreit
Parallel zu den operativen Nachrichten richtet sich der Blick vieler Investoren auf den 9. Dezember, an dem eine zweijährige Sperrfrist aus der CHIPS-Act-Förderung endet. Das Management hat signalisiert, danach überschüssige liquide Mittel vollständig an Aktionäre zurückführen zu wollen.
Nicht alle Signale sind jedoch positiv: Micron muss sich seit dem 12. August vor der US-Handelskommission ITC sowie vor einem Bundesgericht in Kalifornien gegen eine Klage von Netlist wehren, die eine Verletzung von vier Patenten rund um DDR5-RDIMM- und MRDIMM-Speichermodule geltend macht.
Auf der Investorenseite zeigt sich ein gemischtes Bild: Soros Fund Management stockte seine Micron-Position im zweiten Quartal um das 7,9-Fache auf 22.422 Aktien auf, während Renaissance Technologies und Bridgewater Associates ihre Bestände im selben Zeitraum deutlich reduzierten.
Am 18. August verkaufte zudem Chief Business Officer Sumit Sadana 15.000 eigene Aktien zu einem gewichteten Durchschnittspreis von 934,29 Dollar, was einem Gegenwert von rund 14,01 Millionen Dollar entspricht.
Kurs unter dem 50-Tage-Schnitt
An der Börse zeigt sich die Aktie zuletzt konsolidierend: Am Freitag schloss das Papier bei 827,40 Euro, ein Minus von 0,8 Prozent, und notiert damit rund 2,1 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 844,80 Euro.
Der Rücksetzer relativiert sich jedoch angesichts der Entwicklung seit Jahresbeginn: Seit Januar steht ein Kursplus von 228 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass die jüngste Schwäche eher eine Verschnaufpause als eine Trendwende darstellt, zumal die fundamentale Nachrichtenlage rund um Kapazitätsengpässe und strukturell steigende Nachfrage unverändert positiv bleibt.
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