Micron auf der Überholspur: Viertes Quartal mit Ansage bärenstark

Micron auf der Überholspur: 346% Umsatzplus, ausverkaufte Chips bis 2027 – und trotzdem ein KGV im einstelligen Bereich für 2027.

Auf einen Blick:
  • Umsatz im dritten Quartal stark gestiegen
  • Vorstand stellt 50 Milliarden USD Umsatz in Aussicht
  • 16 Großkunden sichern langfristige Liefermengen
  • 22 Milliarden USD Anzahlungen hinterlegt

Die Speicherchip-Branche galt an der Börse jahrzehntelang als Paradebeispiel für den Schweinezyklus: Steigen die Preise für DRAM und NAND, bauen alle Hersteller gleichzeitig neue Fabriken, zwei Jahre später schwemmt das Überangebot den Markt und die Preise brechen ein.

Die anschließende Dürre dauert dann meist mehrere Jahre, viele Gewinne lösen sich bei den Investoren wieder in Luft auf. Diesmal scheint es so, als würde sich die Geschichte im Speichermarkt wiederholen. Doch der jetzige Zyklus ist anders – und einer der größten Profiteure heißt Micron Technology.

Wer ist Micron Technology?

Micron ist einer von nur drei globalen Schwergewichten im Speicherchip-Geschäft, neben den koreanischen Riesen Samsung und SK Hynix. Der US-Konzern aus Boise, Idaho, stellt DRAM-Arbeitsspeicher und NAND-Flashspeicher her – die Bausteine, die in praktisch jedem Rechenzentrum, PC, Smartphone und zunehmend auch in Autos stecken.

Für Anleger, die die Aktie noch nicht kennen: Micron ist an der Nasdaq notiert und zählt inzwischen zu den größten und am schnellsten wachsenden Werten im gesamten Technologiesektor.

Wie ist die Investitionsstory?

Künstliche Intelligenz braucht nicht nur Rechenleistung, sondern auch sehr viel Speicher. Jeder KI-Beschleuniger von NVIDIA oder AMD wird mit sogenannten High-Bandwidth-Memory-Chips (HBM) bestückt, die gestapelt direkt neben dem Prozessor sitzen und Daten mit enormer Geschwindigkeit liefern. Ein einziger dieser Spezialchips braucht bei der Herstellung rund dreimal so viel Produktionskapazität wie ein gewöhnlicher Speicherchip.

Die Folge: Die Kapazitäten, die für HBM abgezweigt werden, fehlen im klassischen Speichergeschäft für PCs, Smartphones und Server. Die Preise steigen in allen Kategorien gleichzeitig. Micron-Chef Sanjay Mehrotra hat vor Kurzem erklärt, dass sein Unternehmen auf absehbare Zeit nur die Hälfte bis zwei Drittel der Kundennachfrage bedienen kann.

Explodierende Zahlen im dritten Quartal

Wenn zu wenig Angebot auf zu große Nachfrage trifft, ist das für die Anbieter ein Segen – wie die Micron-Zahlen zum dritten Geschäftsquartal (bis Ende Mai) eindrucksvoll zeigen. Der Umsatz explodierte auf 41,5 Mrd. USD, ein Plus von 346% gegenüber dem Vorjahr und von 74% gegenüber dem Vorquartal.

Zur Einordnung: Im gesamten Geschäftsjahr 2025 hatte Micron 37,4 Mrd. USD umgesetzt – ein einziges Quartal übertrifft inzwischen also das komplette Vorjahr. Die Brutto-Gewinnspanne erreichte dabei 84,9%, ein Wert, den sonst nur Softwarekonzerne erzielen. Der Gewinn je Aktie lag bei 25,11 USD, die Analysten hatten rund 20,50 USD erwartet. Für das laufende vierte Quartal, dessen Zahlen am 30. September kommen, stellt der Vorstand 50 Mrd. USD Umsatz, 86% Bruttomarge und 31 USD Gewinn je Aktie in Aussicht.

Langjährige Verträge verhindern abruptes Boom-Ende

So weit, so gut. Doch was ist diesmal ander? Der entscheidende Unterschied zu früheren Zyklen steckt in den Verträgen. Micron hat mit 16 Großkunden – darunter die bekannten Hyperscaler, die derzeit hunderte Mrd. USD in KI-Rechenzentren stecken – mehrjährige Lieferabkommen mit festen Mengen und Preiskorridoren abgeschlossen. Volumen: rund 100 Mrd. USD.

Die Kunden haben dafür bereits 22 Mrd. USD an Anzahlungen hinterlegt. Wer im Voraus bezahlt, um sich Speicher zu sichern, rechnet nicht mit einem baldigen Überangebot, sondern will weit vorne in der Bestellerliste stehen. Das überrascht nicht, wenn man bedenkt, dass die Chips der neuesten Generation HBM4, die Micron seit März für NVIDIAs neue Rubin-Plattform ausliefert, schon heute bis weit ins Jahr 2027 ausverkauft sind.

Neue Führungsstruktur für mehr Tempo

Dass es intern fast zu gut läuft, zeigt auch der jüngste Umbau der Führungsmannschaft. Ende August beförderte Micron zwei langjährige Manager in neu geschaffene Positionen. Der Konzern muss gleichzeitig neue Werke in Idaho, New York, Taiwan, Japan und Singapur hochziehen, HBM4 in großen Stückzahlen fertigen und die nächste Generation HBM4E entwickeln.

Bei Investitionen von über 25 Mrd. USD allein in diesem Geschäftsjahr braucht es dafür eine straffere Struktur. Analysten lobten die neue Aufstellung explizit, weil sie Kundenbeziehungen, Betrieb und Fertigung enger verzahnt. Wer als Privatanleger investiert, sollte solche Personalentscheidungen nicht unterschätzen: Bei Profis wird sehr viel Wert auf „Execution“ gelegt, am besten mit Managern, die einen nachweislichen „Track Record“, also eine belegte Erfolgsbilanz, mitbringen.

Günstiger als der Kurs vermuten lässt

Der Micron-Aktienkurs hat sich binnen zwölf Monaten von rund 125 USD auf über 1.000 USD verachtfacht. Trotzdem ist die Aktie fundamental günstiger geworden, weil die Gewinne noch schneller gestiegen sind als der Kurs. Vor einem Jahr wurde die Aktie mit dem rund 15-Fachen des damals erwarteten Gewinns (KGV) gehandelt.

Für das laufende Geschäftsjahr 2026 erwarten Analysten inzwischen knapp 73 USD Gewinn je Aktie, für 2027 rund 155 USD – die Schätzungen für 2027 wurden allein in den vergangenen drei Monaten um 50% angehoben.

Beim aktuellen Kurs von rund 1.017 USD ergibt das ein KGV von 14 für dieses und von unter 7 für das kommende Geschäftsjahr. Ein Unternehmen, das seinen Gewinn mehr als verdoppelt, wird also mit dem einstelligen Vielfachen seines Ertrags bewertet.

Mein Verdacht: Der Markt preist ein, dass der Speicherchip-Zyklus schon 2027 kippt. Doch die Verträge, Äußerungen von Branchenexperten und die Anzahlungen der Kunden sprechen dagegen. Dieser Zyklus dürfte deutlich länger anhalten, weil die Angebots-Nachfrage-Situation nicht mit früheren Zyklen zu vergleichen ist.

Keine Chance ohne Risiko

Micron ist zwar wie Value bewertet, aber kein Value-Titel, bei dem wenig passieren kann. Sollten Samsung und SK Hynix ihre Kapazitäten schneller ausbauen als gedacht oder der KI-Boom bei den Hyperscalern abflauen, wäre der Speichermarkt der erste, der das zu spüren bekommt.

Dass die Aktie im Sommer vom Rekordhoch bei 1.255 USD bis auf 737 USD durchgereicht wurde, hat der Skepsis gegenüber dem Speicherzyklus Ausdruck verliehen – die Erholung seither zeigt aber, dass frisches Geld in den Sektor fließt. Und frisches Geld ist geduldiger.

Solange die Auftragsbücher jedoch auf Jahre gefüllt sind und Kunden bereit sind, für Speicher im Voraus zu zahlen, sollte man nicht zu viel Sorge haben. Wer noch nicht investiert ist, sollte sich Micron vor den Zahlen Ende September genauer ansehen. Die Kombination aus Rekordnachfrage, langfristig abgesicherten Verträgen und einer trotz des Kursanstiegs moderaten Bewertung macht die Aktie zu einer interessanten Idee im aktuellen KI-Zyklus.

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