Micron-Aktie: Von wegen „Position der Stärke“!

Die Aktie von Micron hat an der Nasdaq massiv abgegeben. Die meisten Analysten glauben an ein Comeback des Chip-Konzerns, doch es gibt auch warnende Stimmen.

Auf einen Blick:
  • Die Micron-Aktie ist an der Nasdaq um weitere gut sechs Prozent eingeknickt
  • Dabei sehen die meisten Analysten die Papiere zu Unrecht abgestraft
  • Goldman Sachs allerdings erkennt auch Risiken beim US-Chip-Konzern
  • Das durchschnittliche Kursziel liegt jedoch bei mehr als 1.500 US-Dollar

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Aktie von Micron Technology ist mit einem kleinen Aufschlag in den europäischen Handel vom Freitag gestartet. Woher die Anleger ihre Zuversicht nehmen, ist unklar. Denn an der Nasdaq stand am späten Donnerstagabend bei den Papieren des US-Chip-Konzerns ein sattes Minus von 6,26 Prozent auf noch 856 US-Dollar. Mitsamt der KI-Branche wurde die Micron-Aktie, die Anfang Oktober noch mit 1.098 Dollar bewertet wurde, weiter durchgereicht. Zu Recht, sagen die einen. Die meisten Analysten aber sehen die Papiere zu Unrecht abgestraft.

Micron Technology Aktie Chart

Microns Investmentstory erscheine „intakt“

Positiv gestimmt ist man offenbar bei Seeking Alpha: Micron befinde sich an einem Wendepunkt, heißt es dort laut ariva.de. „Nach einem brutalen zyklischen Abschwung wachsen die Anzeichen für einen nachhaltigen Turnaround, während der Markt die neue Profitabilitätsdynamik des Speicherchip-Sektors noch nicht vollständig einpreist.“ Das Chance-Risiko-Verhältnis verbessere sich strukturell, doch, das verschweigt man nicht, „die Aktie bleibt hochvolatil und erfordert ein klares Bewusstsein für die inhärente Zyklik des Geschäftsmodells“.

Die Analyse auf Seeking Alpha zeichne das Bild eines Unternehmens, dessen langfristige Investmentstory wieder intakt erscheint, so der Bericht. Ausschlaggebend seien

  • ein sich normalisierender Speicherzyklus sowie
  • strukturelle Angebotsdisziplin in der Branche

Dazu ein wachstumsstarker Nachfragecocktail durch KI- und Rechenzentrumsinvestitionen sowie eine solide Bilanz, „die Micron erlaubt, den Zyklus aus einer Position relativer Stärke zu durchlaufen“. Das allerdings sind ganz schön viele Voraussetzungen, die sich für ein Comeback erfüllen müssten

Goldmans Sachs beim US-Konzern skeptischer

Doch genau der starke Nachfrageüberhang, der Micron derzeit hohe Preise und Margen beschert, könnte langfristig zum Risiko werden, heißt es aktuell bei finanzen.net. „Hohe Preise machen zusätzliche Produktionskapazitäten attraktiv – und Micron baut seine Kapazitäten kräftig aus“, so der Bericht. Für das erste Halbjahr plant der Konzern demnach Ausgaben von rund 25 Milliarden US-Dollar, in der zweiten Jahreshälfte sollen die Ausgaben weiter steigen. Neue Werke in Idaho und Taiwan sollen ab Mitte 2027 liefern, weitere Standorte dann Ende 2028.

Hier setze „die Skepsis von Goldman Sachs an“, so der Bericht. Analyst James Schneider habe das Kursziel für die Micron-Aktie am 1. Oktober zwar von 1.100 auf 1.250 US-Dollar angehoben, die Einstufung aber auf Neutral belassen. Ab 2028 könnten die deutlich höheren Kapazitäten die Preisdynamik bei HBM-Speichern bremsen, so seine Bedenken. Diese werden von den Anlegern offenbar geteilt.

JP-Morgan mit hohem Micron-Kursziel

Insgesamt allerdings sehen die Analysten die Micron-Aktie weitaus höher.  Das zeigen die Prognosen, die laut finanzen.net im Oktober aufgerufen worden sind.

  • JP Morgan: 1540,00 USD, +79,80%
  • Goldman Sachs: 1250,00 USD, +45,94%
  • RBC Capital: 1500,00 USD, +75,13%

Besonders zuversichtlich ist demnach die US-Bank JPMorgan: Sie hatte Micron nach einer Veranstaltung für Investoren am 6. Oktober auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 1540 US-Dollar belassen. Das Management des Chipkonzerns erwarte 2027 und 2028 einen noch erheblich größeren Nachfrageüberhang als im laufenden Jahr, schrieb Harlan Sur in seiner Einschätzung – und sah im Überhang im Gegensatz zum Kollegen von Goldman Sachs offenbar kein größeres Problem.

Micron mit langfristigen Lieferverträgen

Auch RBC-Analyst Srini Pajjuri bleibt optimistisch: Die Ergebnisse und der Ausblick des Chipkonzerns hätten leicht über seinen letzten Schätzungen gelegen, schrieb er in seinem Kommentar. Die Bewertung der Aktie „unterschätze den Effekt langfristiger Lieferverträge“. Er sieht erhebliches Aufwertungspotenzial, selbst wenn diese nur teilweise wirksam würden.

Die Anleger indes bleiben nach dem steilen Aufstieg der Aktie, ausgehend von 165 US-Dollar noch vor einem Jahr, offenbar skeptisch, dass die Kursrallye weitergehen wird. Und klar: Noch immer steht bei Micron ein Jahresplus von rund 340 Prozent. Seit ihrem Höchststand von 1.255 Dollar im Sommer hat sie allerdings fast ein Drittel an Wert eingebüßt.

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